Die Antwort ist nicht so einfach: „In dem du mehr drehst“!

Es könnte zwar helfen, aber wir glauben, dass doch viel mehr dahinter steckt. Auch der an sich so plausible Gedanke, dass man Tanzen lernt indem man einfach tanzt ist für uns mit einem klaren JEIN zu beantworten! 😀

Viele Dinge lernt man unterschiedlich. Manche, indem man sie gezeigt bekommt, man sieht, hört und liest sie und beschäftigt sich damit, oder in einzelnen Fällen kommen sie auch einfach aus einem heraus (wie z.B. Mozart & Co). Doch in den häufigsten Fällen setzt man sich mit neuen Informationen auseinander. Einen wesentlichen Punkt spielt dabei der Geist, die Vorstellungskraft, die den Körper dazu bringt, es umzusetzen. Erst danach  kommt die Phase des Übens.  In unserem Fall –  des Tanzens. Man versucht das Erlernte in die Praxis umzusetzen. Je länger man es bewusst übt, desto weniger klein 😉 die Chance, dass es der Körper inhaliert. Damit aus der neuen Bewegung eine Gewohnheit wird.

Eines ist viel schwierigerererer als das Lernen selbst: das Umlernen!

Wenn wir einfach nur Tanzen, reproduzieren wir zwar das bereits Gekonnte, aber ich würde nicht unbedingt sagen, dass man im Normalfall Neues erlernt – bzw. bewusst erfährt. Wir erfahren zwar etwas über unsere Bewegung, über die Bewegung des Partners usw., aber alles passiert so schnell und abwechselnd, dass es für einen Menschen unmöglich erscheint, so viele Informationen zu speichern. Außerdem liegt der Focus bei der Tanzparty ja eher darauf, eine gute Zeit zu haben und den Tanz an sich zu genießen?

Lassen wir jetzt einmal das Bla Bla… Wie kann man jetzt aber drehen lernen?

Ach ja, das war ja der Titel, gell? Stimmt…

Ich hatte ja schon oben die Gewohnheiten angemerkt. Genau diese spielen nämlich beim Drehen eine große Rolle. Beim Drehen kommen alle unsere (meistens) „schlechten“ Gewohnheiten aus dem Alltag zusammen: schlechte Haltung, wenig Körperspannung, mangelnde Koordination usw. Und genau das gilt es zu verändern. Ganz einfach!

Aber es gibt leichtere Aufgaben, ich weiß… 😉

Gewohnheiten sind schnell kreiert, aber schwer veränderbar, sagt man… Und dem würde ich zustimmen.

Im Klartext, du müsstest an deiner Haltung und Muskelspannung im Rumpf und den Beinen arbeiten, um wirklich effizient drehen zu können.

Wenn du jetzt einfach anfangen würdest, jeden Tag, ohne Anleitung, ein paar Drehungen links und ein paar rechts zu machen, würdest du wahrscheinlich sehr lange brauchen, um herauszufinden, was du verändern müsstest, um besser drehen zu können. Weil die Gewohnheiten oft selbst so schwer zu bemerken sind, und sie folglich deswegen gar nicht so leicht loszuwerden sind.

Idealerweise möchtest du deinem Körper möglichst vom Anfang an, nützliche Techniken vermitteln, damit man auf die neuen Gewohnheiten schnell zurückgreifen kann. Klingt logisch – ist es auch…😀

Ich verrate dir jetzt etwas, was du vielleicht nicht gewusst hast:

Ich kämpfe ziemlich mit meiner Haltung. Von der Natur aus, habe ich keine tolle Haltung. Mein Kopf will immer von alleine nach vorne und mein Brustkorb tendiert zusammenzufallen.

So, jetzt habe ich mich geoutet!

Aber das macht gar nichts… Weil man das verändern kann. Punkt. Ich tu ja etwas dagegen. Ich probiere diese Gewohnheiten zu verändern und mir neue anzueignen. Seit Jahren schon. Ich könnte auch einige Ausreden finden, warum das jetzt gerade so ist, und warum das in Ordnung ist. Das wäre sogar leicht. Aber die meisten Menschen, die eine tolle Haltung haben, mussten dafür etwas tun. Manche mehr, manche weniger. Ich gehöre zu den letzteren…. NICHT! 😊

By the way, das sind Peanuts im Vergleich welchen Aufwand Conny betreiben muss, damit sie gerade steht, weil sie eine starke Skoliose hat…

Also, endlich die konkreten Tipps zur besseren Drehtechnik…

1.  Gute Haltung  (Kopf hoch, gerader Nacken, Schulter nach hinten unten eingerastet, Bauch leicht angespannt, Becken leicht nach hinten gekippt)! Versichere dich, dass du möglichst oft am Tag an deine gute Körperhaltung denkst und es auch umsetzt. Dann besteht die Chance, dass du es im Social Dance auch behältst! Ich kenne keinen tollen Tänzer, der das Eine ohne das Andere hat. Wenn du ganz gerade stehen kannst und das in jeder Situation, dann hast du eine gerade Drehachse. Ich muss hoffentlich nicht erklären, warum eine gerade Achse das Wichtigste für eine Drehung ist. 😉 Aber der wichtige Teil der Information ist „IM ALLTAG“. Also nur immer. 😉

2.   Körperspannung. Eh klar, denkst du dir wahrscheinlich… Weil es auch klar ist! Die Muskeln können/sollen unsere Körperteile miteinander verbinden. Das kostet aber den Körper wertvolle Energie und das macht er an sich nicht so gern. Da kommt der Geist ins Spiel, der den Körper liebevoll daran erinnert, immer wieder Spannung auch aufzubauen, jedoch nicht zu verspannen sondern lediglich die Körpermitte und -achse zu stärken.

Das ist auch etwas, was man dauernd und noch öfter trainieren sollte, damit sich unser Körper als eine Einheit bewegt. Dadurch wird er kompakter, wendiger, schneller. Einfache Yogaübungen helfen da sehr. Vor allem, wenn sie jeden Tag macht. Ich „betreibe“ immer noch meine Minimum 5 Sonnengrüsse jeden Tag seit August dieses Jahres und merke eine unglaubliche Verbesserung der Körperspannung seit dem… Und das ist eine tägliche Investition an ca. 3-4 Minuten. Ist doch für jeden machbar, oder?

Hier ist auch wichtig zu wissen: TÄGLICH! Damit erinnern wir ständig unseren Körper daran, die nötigen Muskeln zu aktivieren. Dann wird es leichter zur Gewohnheit.

3.   Gewicht auf den Ballen halten. Das ist etwas, das den meisten fehlt, die noch nicht versierte „Spinner“ sind. Beim Drehen wollen wir möglichst unser Gewicht nur über den Ballen halten, damit der Drehpunkt stabil bleibt und möglichst wenig Reibung entsteht. Mit den Fersen bremst man eher die Drehung. Gewicht über den Ballen zu halten ist aber keine alltägliche „normale“ Bewegung. Wir stehen normalerweise immer mit dem Gewicht über den Fersen… Weil es dem Körper viel leichter fällt. Der Faulsack…

Noch eine  Gewohnheit, die es gilt zu verändern. Puh! Es werden langsam viele… Aber warte ab. Am Ende kommt ein super Bonus 😉

Hier sind aber gewisse Heelturns aus dem Ballroom ausgenommen…

4.   Spotten mit dem Kopf. Damit wird jeder Drehung ein Anfang und ein Ende gesetzt. Spotten heisst, dass man bei der Drehung einen bestimmten Punkt vor der Drehung anvisiert und ihn dann möglichst lang anschaut, während der Rest des Körpers schon in der Drehbewegung ist. Dann aber „peitscht“ man den Kopf schnell in die Drehung, damit er noch vor dem Körper die Drehung absolviert und wieder den gleichen Punkt anvisieren kann, um die Orientierung nicht zu verlieren. Das gibt unseren Drehungen eine enorme Klarheit und Effizienz. Abgesehen davon, wird uns durch das Spotten viel weniger schwindlig! Nicht unwichtig. 😉

5.   Balance führt alle vorherigen Punkte zusammen. Balance ist für uns die Ausgeglichenheit des Körpers aber auch die Gelassenheit des Geistes und die Fähigkeit, durch Muskelspannung und -entspannung Disbalancen auszugleichen. Am besten trainiert man das Gleichgewicht und diese Fähigkeiten, wenn man so oft wie möglich auf einem Bein steht und dann auf den Ballen belastet. Immer wieder egal wo und wann: an der Kasse, beim Warten auf den Bus, beim Telefonieren usw.

Denn auch während Drehungen gilt es auf einem Bein die Balance zu halten.

 

Nach dem man das Ganze gelesen hat, würde man vielleicht eher auf die Idee kommen, einfach beim Tanzen nicht zu drehen, oder? 😊 „Wenn ich gewusst hätte, dass es so kompliziert ist…“ Aber jetzt kommt eine tolle Motivation:

Die ersten drei Punkte helfen unserer Gesundheit und überhaupt unserem allgemeinen Erscheinungsbild. 

Und man wird auch ein/e besserererer/e Tänzer/in dadurch. 😀

Es kann sein, dass dir diese Tipps etwas zu wenig tanzspezifisch sind, aber wir bitten um Geduld. Wir bereiten viel mehr Content zu diesen (und ähnlichen) Themen vor, aber in einer anderen Form, als ein Blog zum Lesen. Etwas viel konkreter und spezifischer. 😉

Wir sind aber felsenfest davon überzeugt, dass die Umsetzung dieser Tipps einen enormen Einfluss auf unsere allgemeine Tanzfähigkeit und speziell auf unsere Drehtechnik hat.

Nein, es ist nicht leicht. Aber deiner Gesundheit und dir selbst zuliebe, versuche es zumindest!

Ich bin etwas dramatisch, ich weiss.

Ich sehe nur, wie viel es in einem verändern kann, wenn man die Körperhaltung und -spannung im Alltag trainiert hat.

Am ehesten an mir selbst!

Das wünsche ich mir für jeden und jede!

 

Dance & Make A Difference