Es ist wahrscheinlich jedem von uns schon des Öfteren passiert, dass wir mit einem Partner getanzt haben, der oder die sich mit dem Rhythmus schwer tut. Das bedeutet meist eine große Belastung für den Tanz, die Connection und den Flow.

Kann man da etwas tun?
Natürlich kann man!
Muss man sogar!

Im Social Dance gibt es Situationen, die man klar in seiner Hand hat, die nicht in unserer Macht stehen, aber auch Situationen, deren Ablauf man zumindest ein wenig beeinflüssen wenn nicht sogar kontrollieren kann.

Das Rhythmusgefühl unseres Partners fällt für mich eindeutig in jene Kategorie, auf die wir Einfluß nehmen können, aber doch nicht vollständig unter Kontrolle bekommen werden.
Aber Vorsicht! Denn du willst deinen Tanzpartner ja nicht auf der Tanzfläche belehren oder ausbessern!

Nein, willst du nicht!
Das ist ein großes No Go!

Aber es gibt ein paar Taktiken, die man anwenden kann, wenn man das Gefühl hat, das Timing geht den Bach runter.
Bevor ich das konkretisiere, möchte ich hier auf zwei Artikel verweisen, die das Thema behandeln:

1) Die 10-Schritte-Salsa-Strategie, in dem ich auf die allgemeine Strategie eingehe. Einer dieser Schritte ist die Sicherheit des Timings.

2) Der zweite Artikel „Wie finde ich die 1 in Salsa“ bietet eine konkrete Hilfestellungen durch das Verständnis der Salsastruktur.

„OK, das ist alles schön und gut, aber was soll ich konkret tun, wenn es mein/e Partner/in gerade nicht checkt?“
Vielleicht liest er oder sie diesen Blog nicht regelmässig… 🙂
Vielleicht hat er/sie nie wirklich oder zu wenig Unterricht genommen…
Vielleicht ist sie/er einfach nur unsicher…
Es gibt viele Gründe für Timingunsicherheiten, aber wir wollen jetzt alle wissen, was man dagegen tun kann, oder? 🙂

Der Leader ist Off Timing

Wenn der Follower (sicher in ihrem Timing) mit einem Leader tanzt, der diesbezüglich „wackelig“ ist, ist es sehr wohl möglich ihn auf den richtigen Rhythmuspfad zu führen.

Wenn der Leader zu schnell ist, kann sie sanft aber entschlossen versuchen, sich etwas langsamer zu bewegen um ihn auf die richtige „Welle“ zu führen. Idealerweise, ohne dass er es merkt korrigiert worden zu sein. 😉 Damit ist sein Ego nicht zu sehr angegriffen. Wenn überhaupt.

Wenn der Leader zu langsam ist… Na ja, genau das Gegenteil von oben, oder? 😉

Bin ich heute kreativ…
Sprich, der Follower sollte versuchen etwas aktiver in ihrer Bewegung zu werden, etwas dynamischer. Damit könnte der Leader etwas Schwung in seiner Bewegung bekommen.

Wenn beide Lösungen nicht funktionieren, dann könnte sie versuchen „auszubrechen“, die Connection ganz aufzulösen (in Salsa ein paar Solo Footworkvariationen zu tanzen) und sanft in den Grundschritt zu wechseln, damit er klar abschauen kann, wie das  „echte“ Timing ist. Natürlich ist dieses „Ausbrechen“ nicht in allen Tänzen möglich, aber wo es geht, ist es eine tolle Möglichkeit, einen frischen Neustart zu generieren, um den Count wieder zu finden.

Diese Tipps wirken natürlich nur dann, wenn der Leader halbwegs Ressourcen hat, diese Signale aufzunehmen. Es kann klarerweise passieren, dass er einfach gerade in seinem Film lebt und sich durch Nichts von seinem Weg abbringen lässt. Soll bei Menschen manchmal vorkommen. 😀

Lerne die Musik durch die Ohren des anderen zu hören!

Ist der Leader zwar off timing, hat aber sonst eine angenehme harmonische Bewegung, kann es durchaus mal eine willkommene Möglichkeit sein, die Musik durch die Ohren des anderen zu hören. Man konzentriert sich ganz auf dem Partner, nimmt seine Bewegung und seinen Rhythmus auf und schwingt sich harmonisch dazu ein. Diese Möglichkeit hat mir Conny anvertraut, denn sie macht das oft und kann dadurch den Tanz auch off Timing geniessen und eine andere Welt- bzw. Hörsicht😉 kennenlernen.

Auf jeden Fall sollte man sich zuerst im Klaren sein, ob es einem wichtig ist, dass sein Tanzpartner das richtige Timing checkt. Das hängt auch stark mit dem Bezug und der Beziehung zueinander ab!

Wenn nein, dann geht man ohne ein Wort darüber zu verlieren einfach zum nächsten Tanzpartner und hofft, der kann es besser. 😀 Oder du machst einfach eine kurze Tanzpause, um deine Wunden zu lecken. 😀

Wenn ja, dann kann man ihn sanft und vorsichtig darauf ansprechen. Ich würde damit beginnen, dass du ihm sagst, du hättest einen super tollen, unglaublich wertvollen, wahnsinnig gut geschriebenen, für alle verständlichen Blogartikel über den Rhythmus gelesen. Selbstlob klingt immer einfach nur cheesy, oder?

Jedenfalls, das wäre rein zufällig mein letzter Artikel: Wie finde ich die „1“ in Salsa ?.
Selbst wenn es um einen anderen Tanz geht, ist die Herangehensweise sehr ähnlich zu den meisten Tänzen.
Es kann natürlich auch irgendein Youtube Video, oder Artikel von jemanden anderen sein… Es ist egal. Es ist aber wichtig mit einem wertvollen, konstruktiven und nicht agressiven Vorschlag die Sache anzugehen.
Jemandem einfach zu sagen: „du kannst einfach das Timing nicht halten!“ hilft in Wirklichkeit keinem. Er wird wahrscheinlich beleidgt, geknickt, enttäuscht oder einfach nur verunsichert sein.

Eine  (konstruktive) Kritik müsste von einem Ort des Vertrauens und Respekts kommen, um wahrgenommen zu werden und am besten so präsentiert, dass es gar nicht als Kritik aufgefasst wird.

Durch die Blume, quasi. Das war das Beispiel mit dem Hinweis auf den Artikel.

Das ist ein wichtiger Teil des Social Dance – menschliche Interaktion und Kommunikation auf mehreren Ebenen.

Ich würde diese Taktiken nicht unbedingt als Tools des Korrigierens sehen. Sehen wir sie eher als Komplementieren. Man will zusammen ein gemeinsames Instrument der Kommunikation entwickeln und perfektionieren und damit die Stärken des Partners bestärken und seine Schwächen neutralisieren.

Es ist nicht so, dass der Leader dem Follower alles aufbrummen darf und der Follower muss alles  hinnehmen.
Das wäre nicht im Sinne des Social Dance.

Wir haben beide eine Verantwortung einander gegenüber, aufeinander zu hören um den Tanz gemeinsam zu gestalten.

Wir beide können Skills entwickeln, die uns zu einem angenehmen Social Dance Partner machen. Dieser ganzer Blog handelt um diese Skills. 😉

Weiter geht’s…

Der Follower ist Off Timing

Das ist eher seltener der Fall. Unter anderem, auch weil sich die Follower weniger Gedanken über die Gestaltung des ganzen Tanzes machen „müssen“ und daher mehr für „die anderen Sachen“ übrig haben. Zum Beispiel fürs Timing, hehe. 🙂

Aber es passiert trotzdem immer wieder…
Es gilt allgemein Ähnliches wie oben schon erwähnt.
Allerdings, der Leader hat natürlich viel mehr Möglichkeiten, den Follower zu beeinflussen als umgekehrt. Die Ursache liegt schon im Namen: Leader…Follower… alles klar? 😉
Hätten wir das jetzt auch besprochen…
Spaß ohne jetzt…

Wenn der Leader merkt, der Follower tut sich mit dem Timing schwer, dann sollte er die Connection möglichst geschlossen und kompakt halten. Mit anderen Worten sollte er möglichst wenig Figuren in offener Haltung führen, in denen der Follower mehr „Freiheit“ zur Eigeninterpretation des Rhythmus hat. 🙂

Böse Zungen würden sagen: an der kurzen Leine halten.

O jeee, jetzt kriege ich sicher einen Schimpfer von einigen weiblichen Leserinnen.
Sorry, ich meine es nicht so machohaft, wie es vielleicht klingt.

Wenn das alles nicht hilft, dann schaue ich einfach, dass ich mein Timing halte und nur für den Rahmen sorge, in dem alles passiert. Mit anderen Worten, ich bemühe mich gar nicht zu sehr den Follower auf die richtige Timingschiene zu bringen, sondern sorge eher dafür, dass sie klare räumliche „Anweisungen“ bekommt. Ob die Figur links vorbei, rechts vorbei passiert… Oder eher nur am Platz… Manchmal muss man den Dingen ihren Lauf frei lassen und nicht zu sehr versuchen, sie zu korrigieren. Manchmal erledigen sie sich auch von selbst. Manchmal… 😀

Es gilt aber das Gleiche wie im oberen Fall:

das Ganze soll unbemerkt, unaufgeregt, sanft und mit viel Gefühl passieren.

Im Social Dance sollte man einander komplementieren und nicht korrigieren!

Diese Tipps können schnell auch missverstanden werden. Das will ich natürlich vermeiden.

Conny und mir geht es immer um einen ganzheitlichen Zugang zum Social Dance. Der Tanz soll uns zu besseren, wertvolleren und bedeutungsvolleren Menschen für uns selbst UND für unsere Umgebung machen.
Es geht nicht nur primär um die Moves oder das Timing oder irgendetwas so Banales im Vergleich zu einem ganzen Menschen. Die Moves sind unter anderem auch ein Ausdruck dessen, wie wir unseren Partner oder unsere Partnerin behandeln wollen, nicht nur wie wir uns bewegen wollen. Das Letztere ist banal, es ist offensichtlich.

Ich beende diesen Artikel mit einem Spruch, der mich schon eine Zeit lang begleitet:

Die Menschen werden vergessen, was du ihnen gesagt hast, was du ihnen getan hast und welche Fehler du beim Tanzen gemacht hast. Sie werden aber nie vergessen, wie sie sich dabei gefühlt haben.

Be thoughtful,

Dance & Make A Difference