Diese Woche veröffentlichen wir einen Artikel, der mal zur Abwechslung nicht von Conny oder mir kommt. Letzte Woche haben wir ein unglaublich sympatisches Instruktorpärchen in unser Team aufgenommen: Boris & Yvette. Boris ist ein argentinischer Tangotänzer (und Lehrer) und Yvette seine Partnerin (und Verlobte), die aus der Schweiz kommt. Was für eine Mischung, ha? 😀.
Wir sind sehr glücklich und fühlen uns sehr geehrt, dass sie ein Teil unserer tanzenden Familie geworden sind!
In vielen tiefen Gesprächen mit ihnen über Tanz und alles rund um Tanz, bin ich draufgekommen, dass die zwei viiiieeeeel zu erzählen haben und, dass wir uns ganz toll austauschen können.
Damit war es klar, dass ich ihn fragen würde, ob er etwas über seine Wahrnehmung vom Tango schreiben würde.
Damit – Bühne frei für Boris Maidanik: 😀

 

„Als Dado mich fragte, was Tango für mich sei, dachten wir, es wäre eine gute Idee, es niederzuschreiben, dass ich mir Gedanken darüber mache, um es nicht nur mit ihm, sondern auch mit dir teilen zu können.

Die Tango Musik, wie wir sie kennen, wurde aus einer Menge an Emotionen von Personen, die enormen Wandel in ihrem Leben durchlebt haben, geboren. Es war eine sehr interessante und gleichzeitig schwere Zeit in der Welt während der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts: Argentinien bot Versprechen von einer rosigen Zukunft und viele Leute ließen ihr Zuhause zurück, um in die neue Welt auszuwandern. Diese Verschmelzung von verschiedenen Kulturen mit den Criollo (Männer oder Frauen mit europäischen Wurzeln, die in Lateinamerika geboren wurden) formte den Tango und machte ihn zu dem,was er heute ist, mit seinen Lyrics, Melodien und Geschichten.

Ich habe eine ganze Menge Gedanken in meinem Kopf, und schreiben ist mir noch nie leicht gefallen. Sobald ich die Worte am Bildschirm sehe, fühlt es sich an als wären sie permanent, sie sind nicht mehr flexibel und veränderbar.
Ich glaube wir leben nach einer fixen Grundlage von Ideen in unserem Leben. Aber Gedanken und Gefühle sind für mich wie Straßen, die an verschiedenen Landschaften vorbeifahren, auf denen wir im Moment reisen. Wie jede Landschaft können sich auch diese verändern. Also was ich gleich schreiben werde ist eine Mischung aus meinen Grundideen und der Landschaft, die ich heute mit meiner Partnerin sehe.

Tango tanzen hat mir viele positive Dinge in mein Leben gebracht. Dinge wie die Umarmung, die es mir erlaubt, mich und meinen Partner wirklich zu fühlen. Die Haltung, die mir eine stärkere Präsenz und einen kräftigeren Stand im Leben bringt. Freunde, die ich unterwegs kennen lerne, die mein Leben um so vieles bereichern.

Ich liebe die Tango Musik und ihre Lyrics, sie sind voller Melancholie und gleichzeitig sind sie verführerische Geschichten voller Leidenschaft. In diesen Lyrics finde ich eine große Inspiration zu tanzen. Auf meine eigene Art versuche ich diese Emotionen, um die es geht, zu interpretieren.

Tango lebt von der Wärme der Umarmung. Ich glaube fest daran, dass die Tango-Umarmung etwas ist, was es wert ist zu teilen und zu verbreiten, denn sie birgt heilende Kräfte. Eine Umarmung kann dir so viel geben und so viel sagen, innerhalb von einer Sekunde. Es ist die bei weitem wunderschönste und süchtig-machendste Substanz, die ich je probiert habe.
Während meiner Ausbildung habe ich begonnen, mich dafür zu interessieren, wie meine Muskeln zusammen arbeiten. Ich sehe deren Verbindungen nun wie Straßen auf einer Karte und ich glaube, dass wenn wir uns die Zeit nehmen, sie zu fühlen, sie uns physisch, emotional und künstlerisch genau dorthin bringen können, wo wir hin wollen.

Als Tänzer, als Lehrer, als Person war und bin ich immer daran interessiert zu lernen und meine Fähigkeiten zu verbessern, weil ich mich leidenschaftlich in den Tango verliebt habe und es immer etwas neues zu lernen, oder ein neues Gefühl zu entdecken gibt.

Tanz zu Unterrichten erlaubt mir diese Straßen zu suchen und zu erforschen. Ich habe gelernt, den Tanz auf verschiedene Arten zu erklären. Für mich ist Tango eine Sprache, die innerhalb der Phrasen der individuellen Körpersprache gesprochen wird. Das ist auch der Grund, warum keine zwei Leute auf die selbe Art lernen. Jeder hat seinen eigenen, sehr persönlichen „Dialekt“. Jeder seinen eigenen Ausdruck.

Ich bemühe mich immer, die Information und die Technik so an die Studenten weiterzugeben, dass es jeder verstehen kann, und in seine eigene Körpersprache übersetzen kann.

Tango ist zu der Sprache geworden, die ich entschieden habe, mit meinem Partner zu sprechen. Die Sprache meines eigenen Körpers.

Ich lade dich ein, mich auf dieser Reise zu begleiten und mit mir diese Straßen zu erforschen.“

Boris Maidanik