Im Social Dance gibt es Moves, die ich neuerdings Milestone-Moves nenne. Das ist aus einem Gespräch letzten Montag an der Bar in unserer Tanzschule entstanden.

Wir hatten gerade in einem unserer mittel-fortgeschrittenen Salsakursen den sogenannten Cross Body 360 (threee sixty) gelernt.
Ja, du hast es erraten – das ist ein Cross Body Lead mit einer ganzen Drehung (statt normalerweise „nur“ mit einer halben).

Viele KursteilnehmerInnen haben sich anfangs ziemlich schwer getan. Vor allem meine lieben Jungs.

Analysieren wir das kurz…

Das „360“ ist also eine fortgeschrittene Variante (und eine ziemlich coole by the way) des Cross Body Leads.
Woran sollte ich also arbeiten, wenn ich mir mit dem 360 schwer tue?

Richtig – nicht an dem 360 selbst!

Wie jetzt?!

Lass mich diese unglaubliche wissenschaftliche Neuerkenntnis anders sagen:


Die fortgeschrittenere Version eines Moves wird dir ganz genau zeigen, wie gut die Ausführung deiner Basicversion des gleichen Moves ist!


Sprich, wie es um deine Basistechnik steht…

Uj! Das hat weh getan!
Tja…

Noch einmal zurück zu unserem Gespräch an der Bar…
Meine Gesprächspartner haben gemeint, es wäre alles cool bis zum heutigen Kursabend gewesen. Sie haben sich beim Tanzen wohl gefühlt, haben das Gefühl gehabt, ihr Tanzen würde richtig fließen.
Dann kam 360!
Und das ganze tolle Gefühl war auf einmal weg. Die Komfortzone adé! Sie haben entdeckt, dass ihr Cross Body Lead doch verbesserungswürdig war…

Was sagt uns das? Dass das 360 böse ist? Wer braucht diesen Move überhaupt? Kann man nicht einfach statt dem 360 immer das normale Cross Body Lead tanzen?
Natürlich kann man!!!
Es kommt jetzt kein „Aber“, keine Sorge. 😀

Jeder soll einfach für sich selbst bewußt entscheiden, wohin er oder sie mit ihrem Tanzen will. Dann fällt die Antwort auf die oberen Fragen viel leichter.

Verstehe mich bitte nicht falsch.
Mir geht es hier nicht darum, die coolen Moves anzupreisen und sie „zu verkaufen“. Die sollen eher ein Bonus sein. Ganz oft führt der Weg zu diesen Moves über die genauere Analyse der Standard- oder Basic-Elemente auf denen sie basieren oder ihren Ursprung haben.

In unserem Beispiel beim 360 haben wir im Kurs das Cross Body Lead ziemlich zerlegt und uns gewisse Details näher angeschaut. Details, die man sonst gerne übersieht.

Marc Heldt, den ich in meinem letzten Artikel über den West Coast Swing erwähnt hatte, pflegt zu sagen:

Wenn du einen Move hin und wieder abseits der „Norm“ tanzt, ist das völlig OK. Wenn es aber zur Regel wird, ist es eine schlechte Technik!

Die Milestone-Moves sind also Elemente, die unser Tanzen auf die nächste Stufe bringen. Wenn wir sie in unserem Tanzen einbauen, steigen wir quasi um ein Level auf. Und diese Milestone-Moves motivieren uns, an unseren Basics zu arbeiten. Das würde ich Basics-Pflege mit positiven Nebeneffekten nennen. 😀

Was war der positive Nebeneffekt noch einmal?

Wir lernen einen coolen Move. Den Milestone-Move.

Genau! Und der eigentliche Effekt?
Wir polieren unsere Basics, damit sie so glänzen, als wären sie nicht „einfach nur Basics“!

Ach ja!

Für kurze Zeit ist es möglicherweise nicht sehr angenehm. Man verzweifelt unter Umständen, da wir aus unserer Komfortzone getrieben werden. Aber dadurch wird sie auch erweitert und bald danach ist „das Schlimmste“ vorbei. 😀 Dann sind wir froh, dass wir uns darum bemüht haben. Versprochen!

Ist es nicht im Leben oft so? Man baut z.B. ein Haus… es ist mühsam für kurze Zeit, aber dann zieht man ein und fängt an, richtig zu wohnen.
Oder man steht anfangs in der Früh schwer auf, um auf einen Berg zu wandern, aber wenn man oben ist, freut man sich, dass man sich überwunden hat.

Man sagt auch, dass eine Rakete mehr Energie direkt beim Launch verbraucht als auf der ganzen Strecke zum Mond und retour. Ich finde das sehr treffend. Teste es mal… Oder so…
Anyway, die Überwindung kostet uns am Anfang viele Ressource, aber danach kommen wir in den Flow.

Außerdem sage ich eh immer, dass man alles mit einem, wie ich das nenne, Spiraleffekt lernen soll – zwei Schritte nach vorne – einen zurück. Dann entsteht eine Spirale anstatt eine linearen Steigerungskurve. So was gibt es im Tanzen kaum über eine längere Zeit. Wir können nicht immer einfach nur neue Moves lernen, ohne die „alten“ zu festigen!

Achtung, Dadosophie im Anflug! Ducken!!!

Je länger man tanzt, desto weiter sollte man immer wieder zurück rudern, um doch weiter zu kommen.

Was für eine Weisheit! Ich muss nochmal in Ruhe darüber meditieren, haha! 😀

Fazit

Jeder Tanz hat sie – die Milestone-Moves! Sie sind unser Freund und Helfer! Sie helfen uns, sich auf mehreren Ebenen weiter zu entwickeln. Manchmal sogar auch tänzerisch, hehe!
Akzeptieren wir sie, umarmen wir sie, und sie werden wahre Wunder für unser Tanzen vollbringen.

Hast du eine Meinung dazu? Hattest du ähnliche Erfahrungen? Oder überhaupt ganz andere?
Ich würde sehr gerne noch mehr über dieses spannende Thema von der Social Dance Community erfahren. 😀

Make one Milestone after another,

Dance And Make A Difference