NIE!!!

So, das war es! Das war mit Abstand die kürzeste Antwort, die ich je zu einer Tanzfrage gegeben habe. Gratulation zu mir selbst! Normalerweise muss man mich in solchen Situationen stoppen, aber dieses Mal ist es kurz, klar und erstaunlich simpel.

Damit kannst du jetzt eigentlich aufhören zu lesen, und du hast trotzdem die Antwort auf die Titelfrage bekommen!
Aaaaaaaber…

Ich werde trotzdem Gründe für meine Meinung in diesem Artikel benennen! Sonst bekomme ich ein schlechtes Gewissen, dass das Ganze doch etwas zu kurz war. 🙂
Aaaaaalso…

In den letzten Wochen und Monaten habe ich in einigen Gesprächen von Situationen erzählt bekommen, in denen meine GesprächspartnerInnen auf der Social-Tanzfläche von ihren MittänzerInnen regelrecht unterrichtet, ausgebessert und belehrt wurden. 

Mag sein, dass sich jetzt manche Leser denken:

„Nein, das mache ich nicht! Ich habe vielleicht ein Mal nur ein paar Tipps gegeben, damit das Tanzen besser geht! Das war eher hilfreich und aus besten Absichten!“
Das ist ja das Problem!!! 

Um die Absichten streitet man hier nicht. Sie sind ja immer (oder zumindest meistens) nobel. Es geht hier um die Wirkung, die es bei der „belehrten“ Person verursacht…

Was passiert, wenn wir jemandem auf der Social-Tanzfläche „helfen“? 

Die Person, die den Tipp (oft ungefragt) bekommt, empfindet so eine Situation meistens höchst irritierend. Sie empfindet diese „Hilfe“ sehr oft als einen persönlichen taktlosen Angriff auf ihre Komfortzone, die sich gerade verkleinert hat. Der „Lehrer“ kommt nicht allzu gut weg – meist besserwisserisch, angeberisch und ignorant…

Und ich bin mir sicher, dass der „Tippgeber“ einfach nur helfen wollte…
Hier haben wir es mit zwei unterschiedlichen Wahrnehmungen zu tun. Bei dieser Situation hilft es meiner Meinung nach überhaupt nicht, einander vom Gegenteil überzeugen zu wollen.
Man macht es nur schlimmer, da man damit dem anderen noch mehr zu verstehen gibt, dass man ihn oder sie nicht sieht, hört oder versteht. Einfach so…

Es ist eben eine extrem delikate Situation, die man unbedingt vermeiden sollte. Ich würde behaupten, dass in 9 von 10 Fällen so eine „Hilfe“ daneben geht und missverstanden wird. Also spare es dir einfach.

Es gibt aber eine Ausnahme

Ok, es sind eigentlich zwei, aber die zweite ist mit seeeeehr viel Vorsicht zu nehmen.

Eine Ausnahme wäre, wenn es um die eigene Sicherheit geht. Wenn z.B. der Leader zu grob führt oder die Hand zu fest hält, dass es unangenehm wird oder sogar weh tut.
Dann kann und soll man es natürlich respektvoll und taktvoll anmerken, ohne den Gegenüber zu belehren, wie er es machen sollte… Es ist tricky, ich weiß…
Oder auch, wenn sich die Follower von selbst in den Dip schmeißen, kann man auch etwas sagen. Aber auch nur dann, wenn es öfter vorkommt, damit man Unfälle vermeidet.

Die zweite Ausnahmesituation ist, wenn man eben darum gebeten wird, ein Feedback zu geben.
Vorsicht! Das ist eine Falle, ohne eine sein zu wollen.
Ich möchte hier zuerst etwas klären, bevor es missverstanden wird:

In diesem Artikel geht es mir um die Situation AUF DEM SOCIAL DANCEFLOOR!
 
Wenn sich ein Tanzpärchen abseits der Social-Tanzfläche verabredet, um zu üben und einander Feedback zu geben – ist das ein ganz anderer Setup. Dabei gelten andere Regeln und es ist ein anderes Blogthema… 😉

Zurück zur Bitte einem Mittänzer Feedback zu geben…
Bevor du Feedback gibst, beantworte dir folgende Fragen:

1. Habe ich eine Tanzlehrerfahrung?

2. Habe ich mich eingehend mit der Analyse der Körperbewegung (nicht nur meiner eigener) befasst?

3. Kann ich dieser Person in einem (kurzen) Satz nur eine sehr spezifische Sache nennen, die sie machen sollte, um sofort besser zu werden?

Kannst du nicht alle Fragen mit Ja beantworten, dann versuche auszuweichen. lächle die Person an und sag ihr am besten, dass du den Tanz mit ihr genossen hast. Solltest du alle Fragen mit JA beantworten können, dann empfehle ich die gleiche Taktik. 😉

Vielleicht fügst du noch hinzu, dass du ungern besserwisserisch klingen und Leute nicht belehren möchtest. 

Wenn diese Person immer noch darauf beharrt, dann gib dein Feedback in einem kurzen Satz und seeeeehr spezifisch…

Ich meine es ernst…

Ich kann natürlich alle oberen Fragen mit JA beantworten aber finde es immer wieder sehr herausfordernd, jemandem kurz und spezifisch eine Sache zu nennen, an der er oder sie arbeiten sollte, um besser zu werden. Oft erwische ich mich, wie ich am liebsten so viele Sachen sofort verbessern würde.
Das funktioniert aber nicht!
Das hilft der Person nur dabei, noch mehr verwirrt und verunsichert zu werden.

Okeeeey, es gibt doch noch eine Ausnahme…
Sie ist mir gerade eingefallen. Und das ist, wenn jemand gaaaanz neu in der Szene ist und noch nicht einmal ein Anfänger ist und hätte gern einfach gewusst, wie der Basic geht… In diesem Fall – tobe dich aus! Tue etwas Gutes und trage dazu bei, dass noch mehr frisches Blut in die Community fliesst. 😉 

Fazit

Ich war, glaube ich, selten so klar und eindeutig wie in diesem Artikel:

Es ist extrem uncool, unsere MittänzerInnen auf dem Social Dancefloor zu belehren und sie auf ihre (tänzerischen) Unzulänglichkeiten aufmerksam zu machen. Das mag niemand!

Ein langjähriger Tänzer unserer Tanzschule, den ich sehr schätze, hat mir vor kurzem gesagt, dass er immer sehr froh ist, wenn er etwas Neues lernen kann. Er hätte sich an seinen Anfängen sehr gefreut, hätte man ihm auf der Tanzfläche mehr geholfen… 

Und das glaube ich ihm. 

Es geht eben darum, diese „Hilfe“ so zu präsentieren, dass es nicht hochnäsig, besserwisserisch, egoistisch, präpotent und irritierend wirkt. Und das tut es aber in 99% der Fällen, wenn es ungefragt kommt. 

Glaubst du, dass du zu den 1 % Prozent gehörst? 

Ich würde einfach auf Nummer sicher gehen, den Tanzabend selber geniessen und andere TänzerInnen das selbe tun lassen. Damit bist du wahrscheinlich die grösste Hilfe für die Community.

Ein letzter Gedanke, bei dem ich selber regelmässig scheitere aber immer wieder daran arbeite:

Behandle andere nicht so wie du selbst gerne behandelt werden würdest. Behandle sie so wie sie gerne behandelt werden würden.

Don´t teach on the social dance floor,

Dance And Make A Difference