Bist du einer dieser Leader?

Ich musste nicht lange überlegen, welche Eigenschaften unter die Top 10 kommen würden. Durch ausgiebige Gespräche mit vielen Damen und natürlich auch mit meiner Frau haben sich diese 10 Punkte als klare „Winner“ abgezeichnet. 😉
Bitte lese sie selbstkritisch und versuche, dein Ego auszublenden. Denn es gibt hier keinen erhobenen Finger, und niemand zeigt auf dich. 😉 Ziel dieses Artikels ist es, sich selbst zu hinterfragen, bevor es die anderen tun.
Diese Liste ist eher eine liebevolle Anleitung in Sachen was-schreckt-die-Follower-ab. Ist das nicht toll, wenn wir wir wissen, was wir Leader vermeiden könnten, um unseren Follower das Leben zu verschönern?

Es ist hier wieder gut angebracht zum x-ten Mal in diesem Blog:

Happy wife, happy life! 😀

In diesem Fall sind als „Wife“ alle Follower gemeint…

Na dann, let’s get to it…

1. Ungepflegtes Aussehen

Das hatten wir schon des Öfteren in verschiedenen Artikel in diesem Blog besprochen. Es bleibt leider nach wie vor das Thema Nummer 1, das die meisten Damen abtörnt. Ich muss da nicht sehr in die Details gehen, hoffentlich. Es ist eh selbsterklärend. Nur leidet es eben meistens an der Umsetzung. Oft glaubt man wahrscheinlich, dass man damit durchkommt, wenn man ungeduscht nach einem langen Arbeitstag und ohne Deo&Co. zu einem Tanzabend hingeht. Tja… Dem ist leider nicht so. Man kann immer etwas dagegen unternehmen. Lese mehr dazu in diesem Artikel.

2. Grobe und unpräzise Führung

Das ist ein Biggie. Das passiert leider quer durch alle Levels. Nach dem Motto: „Ich mach‘ das schon für dich. Ich bringe dich schon zum Drehen.“
Der Ursprung dieses „Übels“ liegt jedoch meistens im Mangel an strukturiertem Unterricht, meiner Meinung nach. Nach einer langjährigen Analyse verschiedener Tanzszenen und -Stilen bin ich der Meinung, dass die meisten „groben“ Leader von den Instruktoren und Schulen „stammen“, die hauptsächlich Figuren, Steps und Sequenzen unterrichten und meist sehr wenig Technik und Skills.
Social Dance ist ein Dialog. Die Follower haben in einem Tanz viel zu sagen. Wir Leader müssen ihnen nicht alles vorkauen und jede Minibewegung führen. Follower möchten sich ja auch ein wenig frei fühlen und selbst die Musik interpretieren und genießen.
Schlussendlich haben sie auf irgendeine wundersame Weise selbst den Weg zur Tanzlocation gefunden. 😉 Interessant, nicht?

3. Sein „Programm“ einfach runterspulen, ohne sich auf den Follower anzupassen

Ein Klassiker. Wie ein Reiseführer: egal wie die Gruppe ist, er zeigt immer die gleichen Sehenswürdigkeiten und schmeisst die selben blöden Witze.
Dafür braucht man mehrere Skills als Social Dancer, keine Frage.
Es ist auch nicht immer einfach, sich anzupassen. Alles passiert in einem Tanz so schnell, dass man auf Vieles nicht achten kann. Und diese Empathie und Aufmerksamkeit leiden sehr meist dabei. Wir Leader sind oft so sehr mit dem „Sprechen“ in einem Tanz beschäftigt, dass wir vergessen „zuzuhören“.
Unsere Kreativität als Leader ist aber unmittelbar mit dieser Eigenschaft verbunden. Wir müssen lernen zuzuhören.
Und das ist ein andauernder Prozess. Der sollte nie aufhören.
Spulen wir einfach unser Figurenprogramm ab, fühlt sich der Follower wie ein Gegenstand. Wollen wir das wirklich?

4. Unentschlossene und wirre Führung

Das ist oft bei den Anfängern der Fall. Und das ist völlig in Ordnung. Es ist ein Teil des Prozesses. Das geht mit dem Training und einem umfassenden Unterricht vorbei. Den Anfängern verzeiht man das aber schnell. Jeder war mal einer, auch wenn es manche nicht mehr zugeben wollen.
Das Problem sind die, die das schon immer getan haben und weiterhin tun. Sie haben hier und da ein paar Workshops genommen, ausgiebig YouTube Clips geschaut und glauben, sie haben es. Nehmen kaum oder nie einen regelmässigen Unterricht, bekommen kaum ein Feedback eines Lehrers. Sie sind der Meinung, sie müssten es nicht. Es geht ja so auch, oder?
Eh… Nur, dass diese Rechnung die Follower zahlen müssen.
Das führt mich auch schon zum nächsten Punkt…

5. Nicht dazulernen, sich nicht verbessern, keinen Unterricht nehmen

Hier liegt meistens die Ursache für die meisten Punkte hier erwähnt. Verstehe mich bitte nicht falsch. Ich stehe hier nicht als Lobbyist für die Tanzstudios der Welt. Es liegt viel mehr an meiner eigenen Eigenschaft, möglichst viel über meine Hobbys lernen zu wollen. Damit wachse ich auf mehreren Ebenen und erfahre immer neue Zugänge.
Im Social Dance gilt das noch mehr. Wegen dieses „Social“ Teils im Namen. Wir tragen auch eine Verantwortung unserem Follower gegenüber. Je mehr Skills (nicht unbedingt Figuren und Steps) wir uns aneignen, desto besser die Chancen, dass die Follower eine tolle Zeit während des Tanzens mit uns verbringen.
Also geht es nicht nur darum, besser zu werden, damit man sagen und fühlen kann, man wäre ein guter Tänzer. Es geht auch darum besser zu werden, um den anderen auch eine Freude zu machen. Die Freude zu teilen.
Was ist Freude, wenn man sie nicht teilen kann?

6. Fehlende Floorcraft

Hier geht es um unsere Umgebung um uns herum, während wir tanzen. Die anderen TänzerInnen und Gegenstände rundum.
Das ist etwas, wo ich mich manchmal sehr konzentrieren muss, um es zu beherrschen. In diesem Punkt bin ich wahrscheinlich am meisten von allen „schuldig der Anklage“.
Oft bin ich so sehr im Tanzen und mit der Connection zu meiner Tanzdame beschäftigt, dass ich manchmal die Umgebung ausblende. Schön und gleichzeitig trotzdem ungünstig! Deswegen muss ich mich da selber oft an der Nase nehmen.

7. Zu ernst und konzentriert bei der Sache sein

Ja, so was gibt es auch. Mann kann all die oben genannten Punkte richtig machen und dem Follower  trotzdem ein ungutes Gefühl vermitteln.
Lächle…
Mir ist es schon klar, wie dämlich dir das jetzt vorkommen mag. Ich meine aber damit nicht ein aufgesetztes Cheese-Lächeln. Lächle in dich hinein, suche nach den Gründen, warum dieser Tanz gerade so toll ist oder lächle einfach deine Partnerin an. Lächle nicht zu ihr, sonder lächle sie wirklich an. Als wäre sie ein lebendiger Mensch. Dann ist es echt.
Warum eigentlich?
Ich hatte die Erfahrung mit einigen TänzerInnen in meinen Kursen. Ich dachte mir oft, sie mögen meinen Unterricht nicht, es gefällt ihnen einfach nicht. Das Gegenteil war der Fall, aber ich war lange Zeit der Überzeugung, ich mache etwas falsch.
Wenn du deinem Follower ein echtes Wohlgefühl vermitteln willst, dann lächle.
Ein kleiner netter Nebeneffekt ist, dass deine Bewegung dadurch etwas lockerer und fließender wird. Dann wirkt das Ganze weniger nach Arbeit. 😉

8. Unhöflich sein

Auch ein Biggie. Es passiert so schnell, dass wir den Abend eines Mittänzers oder einer Mittänzerin durch unsere Unhöflichkeit vermiesen. Wie definiert man aber Unhöflichkeit?
Es ist etwas subjektiv klarerweise… Ich würde sagen, dazu gehört, jemanden den Tanzkorb zu verpassen, ohne eine plausible Erklärung abzugeben oder es zumindest so zu verpacken, dass man den anderen möglichst wenig enttäuscht. Viele werden jetzt sagen: „Das ist mein gutes Recht, wie ich es mache!“ Eh… schon gut.
Dennoch tragen wir alle eine kleine Verantwortung mit uns über die Wirkung unseres Verhalten auf die anderen TänzerInnen um uns herum.
Ich habe da einen einfachen Tipp für alle, die sich fragen, wie soll ich mich dann „benehmen“? Was soll ich tun, um höflich rüberzukommen?
Du sollst dir diese Frage stellen: „Trage ich durch mein allgemeines Verhalten dazu bei, dass die Tanzszene ein Wohlfühlort der Toleranz, des gegenseitigen Respekts und des liebevollen Miteinanders wird?
Eine simple Frage…
Wie hättest du gerne, dass dich die Damen in der Damentoilette beschreiben?
Als Gentleman, lieber Kerl, toller Leader oder als Macho, Grobian oder Angeber?
Du hast es in deiner Hand, die Antwort auf diese Frage zu „kreieren“. 😉

9. Konstante Überforderung des Followers

Damit meine ich nicht nur, dass man zu schwere Moves mit der Dame tanzt, die über ihrem Level sind. Das ist auch ein Klassiker. Fehlende Beobachtungsfähigkeit und Ignoranz spielen hier eine große Rolle.
Ich meine auch die fehlenden „Pausen“ im Tanz. Pausen in denen wir beide ein wenig „durchatmen“ können. Pausen, in denen wir auch den Raum hätten, uns aufeinander (wieder) abzustimmen, falls die Connection zu leiden beginnt. Das passiert immer wieder. Es ist nicht die Frage ob sondern wann. Man kann mit diesen Pausen der Hektik vorbeugen, die sich bei den Leader oft  im Tanz einstellt.
Mit „Pause“ meine ich Zeiträume, in denen man das Tempo (nicht das Timing) des Tanzes ein wenig rausnimmt und eher einige ruhige Elemente tanzt. Danach kann mann wieder Gas geben. 😉.
Diese Strategie sorgt auch für mehr Kontrast und Abwechslung im Tanz.

10. Creep sein

Das ist der letzte Punkt und es ist wirklich das Letzte!
Darunter sind Männer gemeint, die die Ladies schleichend während des Tanzens betouchen, ihnen unangenehm nahe kommen und sie sichtlich belästigen. Oft sind diese Typen auch noch betrunken, was eigentlich einen eigenen Punkt verdient hätte.
Die Social Dance Szene ist ein Umfeld, in dem sich Gleichgesinnte treffen, um miteinander ihre Leidenschaft und Freude am Tanzen zu teilen. Wenn sich aus dieser Basis mehr als ein Tanz entwickeln sollte, dann passiert das nicht auf der Tanzfläche. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

 

Das waren die 10 Punkte. Während des Schreibens bin ich noch auf einige Punkte mehr gekommen, aber ich wollte dem Titel treu bleiben – es sollten ja doch „nur“ 10 werden. Ich will ja meine lieben Jungs nicht etwa deprimieren. 😀

So ist dieser Artikel auch nicht gemeint. Er soll viel mehr als eine Erinnerung oder ein Leitfaden dienen, woran wir als Leader achten sollten und wo Potential für Verbesserung liegt.
Ich bekenne mich in den meisten Punkten als schuldig der Anklage in irgendeiner Phase meiner Tanzkarriere. Es gehört aber zum Prozess des Lernens, dazu zu stehen, die Punkte selbstkritisch zu reflektieren und daran zu arbeiten, sie zu vermeiden.
Es ist absolut nicht schlimm, wenn du dich in dem einen oder anderen Punkt selbst erkannt hast. Ich nenne das ein guter Anfang! 😀 Du kannst von da weiter arbeiten…

Nächste Woche sind die Follower dran, hihi 😉

Happy Besserung, 😀

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