Ein Brief an unsere Tanzjugend…

 

Conny hier… Ich hätte eine Frage…

Magst du Äpfel? Oder lieber Birnen? 

Doch beides?

 

Ah…ok…

Gibt es nun auch wen, der Äpfel oder Birnen gar nicht mag?

Und warum nicht?

 

Achso…stimmt, Geschmäcker sind halt verschieden.

 

Na gut. Nachdem du dich jetzt sicher fragst, was das Ganze nun bis jetzt mit dem Tanz zu tun hat, werde ich mich bemühen, schneller zum Punkt zu kommen. 😉

 

SOCIAL DANCE vs. TURNIERTANZ

 

Eine Gegenüberstellung, ein Diskussionsgrund und viele verschiedene Meinungen so alt wie der Turniertanz selbst.

 

Unsere Antwort darauf: Äpfel vs. Birnen 😉 

Oder: Die leidige Eigenschaft des Menschen, alles und jedes bewerten zu müssen.

 

Dado und ich lieben den Fruchtsalat: Wir lieben Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Mango, Ananas, Papaya, Himbeeren und vieles mehr.

Umgelegt auf das Tanzen heißt es: Wir lieben die Vielfalt des Tanzes. Die Vielfalt der Tanzmomente, die unterschiedlichen Musikrichtungen, Stimmungen und auch die vielen verschiedenen Variationen, die mit unterschiedlichen TanzpartnerInnen entstehen.

 

Wir lieben den Moment, etwas Neues kreieren zu lassen, wir lieben, unseren Körper unterschiedlich zu entdecken, zu spüren, unsere Bewegungen immer weiter zu erforschen, der Ursache auf den Grund zu gehen und die verschiedensten Facetten auszuleben.

 

Genau aus diesem Grund haben wir uns für die Tanzschule, wie wir sie führen, entschieden. Genau deswegen haben wir uns für den Social Dance entschieden und damit auch Menschen – unser Team – um uns gefördert, ausgewählt bzw. geschult, die genau durch diese Sehnsüchte im Tanzen geleitet werden.

 

Das heißt jetzt nicht, dass wir den Turniertanz gering schätzen oder gar als schlechter betrachten. NEIN!

Es ist nur etwas ganz anderes, in dem wir unsere Sehnsüchte nicht verwirklicht gesehen haben.

 

Im Turnier geht es um die Bewertung: gut, besser oder schlechter. Es geht um den Vergleich. Es geht aber auch darum,  auf einen perfekten Moment hinzuarbeiten, den Körper zu kontrollieren und auf eine gewisse Weise zu schulen.

Es geht darum, nach der Perfektion zu streben und genau jene Regeln zu befolgen, die ermöglichen, eine künstlerische Tanzform „möglichst objektiv“ zu bewerten.

Es geht um einen gemeinsamen Konsens, um eine gemeinsame Basis, die den Wertungsrichtern ermöglicht, etwas sehr schwer Vergleichbares zu vergleichen.

 

Turniertanz ist Leistungssport und wir bewundern jeden und jede, die diesen Weg gehen oder gegangen sind, denn er erfordert unheimlich viel Disziplin und Willenskraft.

 

Dennoch ist es ein Weg, der nicht zu uns und unserer Philosophie passt. Das bedeutet nicht, dass wir uns nicht auch Techniken aus dem Turniertanz bedienen, es heißt nur, dass wir diese Techniken nicht als Maß aller Dinge hernehmen, weil sie für unsere Vorstellung von Tanz zu begrenzt sind.

 

Wir lieben Äpfel und Birnen…machen aber daraus einen Fruchtsalat, der mal mehr und mal weniger von diversen Obstsorten enthält.;-)

 

Tanz ist sehr viel älter als der Turniertanz selbst, er hat so viele Facetten, Kulturen und ist maßgeblich von den gesellschaftspolitschen Rahmenbedingungen und Veränderungen geprägt, sodass eine Reduktion auf eine bestimmte Sichtweise meiner Meinung nach nie zutreffen kann.

 

Oft hört man von Turniertänzern den Vorwurf: „Diese Tanzschultänzer tanzen nicht g´scheit, sie lernen Dinge NICHT richtig, sie tanzen schlampig etc.“

 

Oft hört man von eingeschweißten Social Tänzern: „Diese Turniertänzer sind überkandidelt, künstlich, brauchen zu viel Platz und tanzen nicht nach der Musik“

 

Ich erinnere an ein indianisches Sprichwort, das ich immer im meinem Kopf trage:

 

„Urteile nie über einen Menschen bevor du nicht einen Mond in den Mokassins des anderen gegangen bist.“

 

Und genauso ist es hier. Jeder Bereich hat seine Grenzen. Ein Turniertänzer kann nicht das, was ein Social Tänzer kann und umgekehrt.

Alles in dem jeweiligen Unterricht möchte den TänzerInnen vermitteln, wie sie die unterschiedlichen Ziele erreichen können.

 

Die für mich entscheidende Frage lautet also nicht, was ist besser oder schlechter?

Sondern, was macht mich persönlich glücklich?

 

Welche Art von Tanz erfüllt mich?

Und wenn man genauer auf sich hören möchte, dann fragt man sich auch noch nach dem „Warum“?

Warum möchte ich lieber im Social Dance bleiben oder warum möchte ich Turniertanzen?

 

Und jeder wird für sich die Frage anders beantworten.

Ob man selbst mit seiner Antwort zufrieden ist, muss man dennoch alleine herausfinden und danach entscheiden, welcher Richtung man sich (mehr?) widmet.

 

Und natürlich gibt es immer auch die Möglichkeit, die Vorteile beider Sparten für sich zu nützen. 😉

 

Dado und ich haben unseren Weg gewählt, der vielleicht ein paar andere Ansätze widerspiegelt. Wir sehen, was dieser Weg in uns bewirkt, und wir dürfen jeden Tag erfahren, was er auch in anderen Menschen auslöst.

Das macht uns persönlich glücklich.

 

Genau deswegen sind wir sehr dankbar auch für unser Team und bitten alle, die den Tanz lieben und leben, von einer Bewertung dieser beiden Richtungen Abstand zu nehmen.

 

Den Respekt und Verständnis eröffnen oft Türen zu neuen Welten.

Übrigens…ich möchte hier zwei Menschen erwähnen, die mich immer schon zutiefst beeindruckt haben, und die für mich eine der wenigen sind, die beide Welten leben und nicht nur leben sondern äußerst erfolgreich sind/waren.

Michael Hull

Hrvoje Krasevac

Lieben Dank an sie, die zeigen, dass sich beide Tanzwelten NICHT ausschließen, und ihre Einstellung hat mich persönlich immer motiviert und inspiriert! <3

freuen uns natürlich, wenn du diesen Artikel teilst oder uns auch deine Meinung mitteilst.😊

 

In diesem Sinne…happy Sunday! 🙂

 

Conny

 

Dance & make a difference!