Ich weiß, ich weiß, es ist ein ordentliches Stück Zeit seit unserem letzten Artikel vergangen. Viel zu viel. Mein Herz hat geblutet, aber Conny und ich mussten/wollten uns vielmehr als sonst auf den laufenden Betrieb in unserer Tanzschule und auf die vielen großen Events im Juni und Juli konzentrieren. Dadurch hat natürlich die Online Plattform etwas gelitten. Das tut mir seeeeehr leid.
Aber wir sind wieder zurück und es geht wieder weiter mit den Artikel und den Video Snacks. 🙂 YAY!!!

Und ich beginne gleich wieder mit einem meiner Lieblingsthemen – Figurenrepertoire und wie merke ich mir möglichst lange Folgen?
Meine Antwort: GAR NICHT!!!
Denn das ist nicht mein Lieblingsthema! Es kommt aber gleich…

Wie jetzt?!

Na ja, es ist ganz einfach – die Leader haben oft viel Druck, sich lange Figurenfolgen merken zu müssen – allerdings meist ohne Erfolg, denn so lernen unser Körper und unser Gehirn nicht. Vor allem dann, wenn auch noch das Führen und Folgen sowie die Verbindung zur Musik nicht ganz vergessen werden sollen. Besser ist es – unserer Meinung nach – sich die ganzen langen Figurenfolgen nicht merken zu müssen, sondern die Grundprinzipien auf denen diese Figurenfolgen basieren zu verstehen und diese dann zu meistern. Die langen und kreativen Folgen kommen dann fast wie von selbst.
Wirklich!

Alles klar…ich spüre deinen skeptischen Blick in meine Richtung. 😉
Ich gebe dir eine Analogie zum besseren Verständnis, wie ich das meine…

Viele Leute kochen nach irgendwelchen Rezepten, die sie von irgendjemanden bekommen haben, besitzen aber kaum Fähigkeiten, die notwendig sind, um ein Gericht von alleine passabel zu kochen, oder?

So ist es mir vor etwa 20 Jahren gegangen, als ich zum ersten Mal richtig von zu Hause weg war. Alleine im Studentenheim, versuchend mein Lieblingsgericht nach Mamas Anweisungen zu kochen, war die verzweifelte Mama am Telefon und verwendete dauernd Ausdrücke wie Andünsten, Tranchieren, Köcheln usw.
MAMA, WAS BEDEUTET ANDÜNSTEN ÜBERHAUPT?!!

Mittlerweile kann ich ohne Rezepte recht passabel kochen, weil ich inzwischen die Grundprinzipien gelernt, die Basisfähigkeiten entwickelt habe und somit der Rest auf diesen Faktoren basiert.

Der Unterschied

Und da liegt auch der Hauptunterschied in diesen zwei unterschiedlichen Zugängen:

Die Fähigkeiten werden progressiv entwickelt und die Folgen/Aufgaben werden step-by-step dirigiert und umgesetzt, ohne dabei unbedingt die notwendigen Fähigkeiten besitzen zu müssen.

Siehe das Ikeamöbel-Zusammenbauen: Das kann sogar ich! Und ich bin ein handwerkliches Antigenie! Frag Conny!
Sie nickt gerade… 😉
By the way, ich habe in meinem Leben einige Ikea-Stücke zusammengebaut aber meine allgemeinen handwerklichen Skills haben sich nicht ein bisschen dadurch verbessert… Frag Conny! 🙂
Komisch, oder?

Lernen von Figurenfolgen bevor man die Grundprinzipien und die Bausteine der zu lernenden Disziplin verstanden und geübt hat ist nicht prinzipiell falsch. Ich habe es selber schon oft so gemacht, und ich habe es überlebt. Ich bin nicht stolz drauf, aber ich musste eben meine Erfahrungen machen.

Es ist nichts anderes als eine Abkürzung…. die aber insgesamt über einen längeren und viel mühsameren Weg führt… auch komisch, ich weiß…

Denn früher oder später habe ich mich wieder mit den Basics und Grundlagen beschäftigen müssen, da ich frustriert war, weil ich nicht vorangekommen bin, so wie ich es mir vorgestellt hatte. Und siehe da – auf einmal geht alles soooooo viel besser, wenn man die Basics besser oder überhaupt das Grundgerüst versteht.

Wieso gibt es eigentlich so viele Bücher über Abnehmen?
Weil wir Menschen immer nach Abkürzungen suchen. Eigentlich ist die Strategie super einfach – weniger und gesünder Essen und mehr Bewegen. Punkt!
Aber neeeeeein… Das gefällt den meisten von uns nicht und prompt suchen wir nach einer Abkürzung. Es muss doch einen leichteren Weg geben…

Der vermeintlich „leichtere“ Weg im Tanzenlernen ist eben, hauptsächlich die fixen Figurenfolgen zu lernen ohne ihre Bausteine und die richtigen Lead & Follow Skills gemeistert zu haben.

Dieser Weg ist aber tatsächlich der längere. Und führt meiner Meinung nach nicht wirklich in Richtung Social Dance. Wenn mein Tanzen hauptsächlich aus fixen Folgen besteht dann betreibe ich eine Art Paartanz – Couple Dance, nicht Social Dance.

Der Unterschied der beiden?

Im Social Dance sollte man fähig sein, mit verschiedenen PartnerInnen möglichst „barrierefrei“ und harmonisch auf der Tanzfläche nonverbal zu „kommunizieren“.
Das bedingt einen guten und fließenden Umgang mit Buchstaben, Worten, Sätzen und manchmal ganzen Absätzen (im übertragenen Sinne natürlich).

Im „ choreographierten Paartanz“ wirft man oft mit fertigen Sätzen oder gar Absätzen herum, ohne den Kontext richtig verstanden zu haben, in dem sie stattfinden.
Ähnlich einem Touristen im fremden Land, der verzweifelt aus dem Wörterbuch die fertigen Sätze zitiert, um einen Einheimischen nach dem Weg zu fragen. Das heißt nicht unbedingt, dass er der Sprache mächtig ist, oder?
Und was macht er, wenn der Einheimische zurückredet und anfängt den Weg so richtig zu erklären?
Ujujuj…

Dieses Thema liegt Conny und mir sehr nahe am Herzen. Wir verfolgen diese Herangehensweise seit unseren gemeinsamen Anfängen als Tanzlehrer und haben bis jetzt nur Vorteile darin bemerkt… wenn man wirklich Social Dance „betreiben“ will…

Aber wenn man einfach mit seiner Frau oder seinem Mann einmal die Woche einfach mal tanzen will, ohne viel gschisti-gschasti und Wissenschaft und so?

Na dann…. In diesem Fall…..

….GILT DAS GLEICHE WIE FÜR DEN SOCIAL DANCE!

Die Paare lernen so miteinander klar zu kommunizieren und gemeinsam zu wachsen, anstatt sich miteinander zu arrangieren. Das ist ein großer Unterschied, findest du nicht?

Ich werde es dieses Mal dabei belassen. Das Thema ist so reich, dass man ganze Bücher darüber schreiben könnte, was ich dieses Mal nach der langen Pause nicht tun werde… Lassen wir uns wieder easy beginnen. 😉

Nächstes Mal, wenn du eine lange Figurenfolge lernen solltest, frag dich zuerst, ob du alle ihre Einzelelemente (und die darauf basierenden Skills) kennst/kannst/beherrschst, und die Antwort auf diese Frage wird dir die Sinnhaftigkeit des ganzen Prozesses besser darstellen. 😉

Work on your skills,

Dance And Make A Difference