Unsere Meinungsbildung und damit auch viele unserer Entscheidungen basieren auf einem Wertesystem, das uns nach einer Einteilung „richtig oder falsch“ beurteilen lässt.
Sei es in der Politik, in zwischenmenschlichen Beziehungen oder auch beim Tanzen.

Das ist richtig, und das ist falsch!

Ich weiß nicht, wie es anderen geht, mir jedoch machten diese Beurteilungen stets ein unangenehmes Bauchgefühl. Es fühlte sich fast immer so an, als müsste ich mich auf eine Seite stellen. Es fühlte sich an, als ob eine Komponente fehlen würde. Das nahm ich bzw. nahmen wir schon vor Jahren als Anlass, uns folgende Frage zu stellen:

WARUM TANZEN und UNTERRICHTEN WIR GERADE AUF DIESE WEISE?

Diese Frage hat uns dazu veranlasst, nicht nur im Tanzen sondern auch im Leben unsere Entscheidungen aber auch unsere Wirkung nach Außen zu hinterfragen. Dieser Artikel soll in einer Art Checkliste münden, die jedem und jeder helfen könnte, Entscheidungen für sich zufrieden stellender und erfüllter zu treffen.

Die Entscheidung DAFÜR…

In unserer „Tanzkarriere“ sind wir vielen Lehrmeinungen und Tanzmeinungen begegnet. Jedoch auch vielen „Gegnern“ von etwas.
Diese „Gegner“ hatten ein gemeinsames Charakteristika: Sie waren gegen eine Sache, eine Meinung, eine Technik oder sogar gegen einen Menschen.
Viele Jahre war mir nicht bewusst, warum ich diese Menschen stets mied oder mir schlicht und ergreifend schwer tat, etwas von ihnen anzunehmen. Heute jedoch kann ich sagen, dass für mich und uns eine Entscheidung FÜR etwas sich wesentlich besser, erfüllender und vor allem auf die Umgebung positiver anfühlt und auswirkt, als gegen etwas zu sein.

Das FÜR bringt dich dazu, zu überlegen, warum du etwas willst, tust und weitergibst. Es bringt dich dazu, deine eigene Meinung zu bilden und dein individuelles FÜR zu finden. Wenn du es weitergeben möchtest, dann sind es genau die Gründe und Argumente eines FÜR, die Menschen positiv anspornen.

Zu jedem GEGEN findet man auch ein FÜR, das jedoch viel mehr bewirken kann.

 

CHECKLISTE 1: Hinterfrage all deine Entscheidungen gegen eine Sache und finde das FÜR in ihnen. Denn wer JA sagt, sagt automatisch zu vielen anderen damit zusammenhängenden Dingen NEIN – jedoch bietet das JA meist einen Weg in eine Weiterentwicklung.

Das VERTRAUEN in den Menschen…

Wann lerne ich gerne von Menschen?
Unsere Entscheidungen sind meist auch abhängig von Meinungen, Erkenntnissen und Argumentation von anderen Menschen.
Doch wem kann ich vertrauen und wem nicht? Wann weiß ich, ob ich der Meinung und den Erkenntnissen des Gegenübers vertrauen kann?

Wir persönlich haben gerne von Menschen gelernt, denen wir vertraut haben. Was heißt jedoch VERTRAUEN?
Für uns bedeutet, jemandem vertrauen zu können, wenn wir das Gefühl haben, dass er nichts vor uns versteckt. Er ist so, wie er ist, ohne eine Maske, ohne sich zu verstellen.

Diese Eigenschaften setzen wir auch gleich mit „AUTHENTISCH“. Tanzt jemand authentisch, d.h. nach seinem Inneren, nach seiner Erfahrung, nachdem FÜR, so hat seine Meinung Gewicht.

Als zweiter Punkt kommt dann natürlich dazu, ob dieser Mensch auch meinen menschlichen Prinzipien entspricht. Lebt er die Eigenschaften, die ich auch selbst in dieser Welt leben möchte? Stimmen diese Punkte überein und passen seine Erkenntnisse zu meinem FÜR, dann ist es leichter und vor allem erfüllender, seine Meinungen in mein Gesamtbild einzugliedern und bis auf Widerruf mit ihnen zu arbeiten.

Nicht jeder bzw. jede kann alles überprüfen und wissen. In vielen Dingen muss man anderen vertrauen.
Und genau da sehe ich die Chance. Schenken wir Menschen vertrauen, die authentisch, ehrlich, transparent und FÜR etwas stehen.

Dies gilt für mich für jeden Lehrer (auch Tanzlehrer) sowie für alle anderen Bereiche in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft & Co.

CHECKLISTE 2: Basieren meine Meinungen auf Erkenntnissen, die ich selbst machen durfte? Oder durfte ich von Menschen lernen, die vor allem menschlich meinen Prinzipien entsprechen?

Die SELBSTSTUDIE

Vor allem im Tanzen, ist es wichtig, die Dinge selbst auszuprobieren und ihre Wirkung zu testen.

Jede Tanztechnik im Social Dance hat für mich ein vorrangiges Ziel – das Tanzen angenehmer, harmonischer und erfüllender zu gestalten.

Natürlich bedingt es zunächst, die Technik zu beherrschen, um auch eine fundierte Entscheidung über ihre Auswirkung treffen zu können.
Es ist sehr individuell, was einem „gut“ tut und was nicht. Vor allem aber, ist es davon abhängig, was ich (mit dem Tanzen) erreichen möchte.

CHECKLISTE 3: Habe ich die Techniken, die ich als FALSCH diagnostiziert habe, selbst ausprobiert, praktiziert und dann erst beurteilt?
Wenn nicht, dann ist es wohl besser sich den Techniken zu widmen, mit denen ich mir eine Bereicherung meine (Tanz-) Lebens verspreche und nicht über jenes zu urteilen, was ich noch nicht bis ins kleinste Detail erforscht habe. 😉

GRENZEN erkennen…

Alles NEUE passiert außerhalb unserer Komfortzone. Möchte ich etwas verändern, so heißt das für mich, meine Grenzen zu erkennen und mich ihnen zu stellen.

Möchte ich nun etwas NEUES in mein Lernen, mein Leben und meine Beziehungen implementieren, wird mir meist nichts anderes übrig bleiben, als meine Grenzen zu verschieben, um das NEUE schön langsam in meine Komfortzone zu integrieren.

Eine Entscheidung FÜR etwas hat also meist – zumindest unserer Erfahrung nach – die Folge, seine Komfortzone verschieben „zu müssen“. Ein Kampf oder eine Entscheidung „gegen“ etwas, hat meist die Folge, in seiner Komfortzone bleiben zu können.

Natürlich ist es leichter, gemeinsam mit anderen Menschen seine Grenzen zu verschieben. Natürlich vor allem dann, wenn dieser andere Mensch dieses „unbekannte Territorium“ bereits erforscht hat. Vielleicht ist auch das das „Erfolgskonzept“ einer funktionierenden (Tanz-) Partnerschaft, die einander immer wieder gegenseitig über Grenzen hilft. 😉
Zumindest bin ich überzeugt, dass genau das eine Schüler – Lehrer Beziehung sein sollte.:-)

CHECKLISTE 4: Wo sind meine Grenzen? Bin ich bereit genug, diese zu verschieben? Treffe ich meine Entscheidungen und meine Lernbereitschaft nur innerhalb meiner Grenzen oder bin ich auch bereit, vertrauensvoll meine Grenzen zu verschieben bzw. einem Menschen zu vertrauen, der mir dabei hilft.

TRANSPARENT sein…

CHECKLISTE 5: Bin ich selbst bereit, meiner Umwelt, meinen Freunden und meiner Familie mein „WAHRES“ Gesicht zu zeigen.

Denn schlussendlich werde ich dann am meisten lernen, wenn ich es selbst wirklich will (statt muss) und meine Schwächen nicht vor mir und anderen verstecke. Wenn ich keine Ausreden suche, warum ich es gerade noch nicht kann…

Bin ich ehrlich zu mir selbst und anderen? Stehe ich tatsächlich hinter meinen Entscheidungen und kann ich diese auch vor anderen POSITIV argumentieren. Weiß ich viele Gründe FÜR meine Entscheidung?
Da halte ich es ganz nach dem Sprichwort:

„Ein echter Meister ist öfters gescheitert, als ein Anfänger es jemals probiert hat.“

Somit ist „Scheitern“ für mich nichts, was man verstecken muss. Es ist etwas, was dich immer wieder antreibt, dich FÜR einen neuen und anderen Weg zu entscheiden.

Klarheit kommt durch Handlung. Und Handlung ist auch mit „Try and Error“ verbunden.
Ohne Try gibt es keinen Error, meint man heimlich oft. Siehe bitte noch einmal das obere Sprichwort. 😉

No Try & Error – no Master.

Wann ist RICHTIG oder FALSCH überhaupt angebracht?

Dies ist ein Bonuspunkt, der diesem Artikel etwas mehr Klarheit verleihen soll.
Auf der einen Seite gibt es sogenannte „Naturgesetze“ und auf der anderen persönliche Präferenzen.
In den vielen Tanzdiskussionen über Tanzstile, Looks, Authentizitätsfrage und vielen anderen Themen, in denen sich die Geister scheiden, berücksichtigt man diese zwei Seiten oft nicht.

Es gibt so etwas wie Biomechanik, fundamentale Tanztechnik & Skills, die man gar nicht oder nur mit viel (wissenschaftlichen) Aufwand in Frage stellen kann. Ähnlich wie Gravitation. Oder Aktio-Reaktio-Prinzip.
Diese Prinzipien in Frage zu stellen und zu bekämpfen bedeutet sehr viel Energie und Widmung. Der Aufwand lohnt sich meistens nicht, da die Basis (die sollte natürlich zuerst erforscht werden) ein Resultat aus verschiedensten langjährigen Erkenntnissen beruht. Stattdessen könnte man sie als ersten Schritt umarmen und verinnerlichen. Diese geben uns ein starkes stabiles Fundament, auf dem unser „Tanzhaus“ steht. Sollte man nach diesem Schritt noch immer der Meinung sein, dass diese „Basis“ weiterentwickelt werden sollte, dann hat man meist so viel Wissen gesammelt, dass nun der Aufwand dafür steht.;-)

Alle anderen Themen im Tanz gehören zu den persönlichen, ästhetischen, künstlerischen, kulturellen, körperlichen oder sozialen Präferenzen.
Diese sollte jeder für sich mit einem offenen Geist registrieren, akzeptieren und evaluieren, ob sie einem wirklich zusagen oder nicht. Denn sie sind „nur“ Präferenzen. Keine Gesetze.
Sie sollten nicht das gleiche Gewicht wie die Prinzipien bekommen,

Wenn ein Lehrer diese zwei Punkte verwechselt, ist Vorsicht angebracht. Würde man diese zwei Punkte immer in Augen behalten, würden viele heisse und emotionale Diskussionen in der Tanzwelt ihren Zündstoff verlieren. Man würde viel sachlicher argumentieren und auf das Positive und Konstruktive konzentrieren.

Das wäre schön…

In unserem Unterricht vermeiden wir so gut es geht, die Worte „richtig“ oder „falsch“ zu verwenden, da sie eben nicht wirklich hilfreich sind, richtig? 😉

Wir würden uns für unsere gesamte Tanzcommunity wünschen, dass man sich des Öfteren diese Fragen stellt, die ich in den Checklisten erwähnt habe. Jeder sollte seine eigenen Antworten finden. Nicht nur die Antworten anderer. Damit treffen wir auch klügere und bessere Entscheidungen.
Idealerweise für etwas. 😉

Ich würde mich sehr freuen, einen Einblick deiner Erfahrungen zu diesem Thema zu bekommen. Wie siehst du das?

Was treibt dich an, eine Entscheidung zu treffen?

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, mehr FÜR…;-)

Alles Liebe,

Dance & Make A Difference

Conny

P.S. Ich habe eine für dich wichtige Ankündigung!
Ich lade dich und alle Interessierte ein, unserer brandneuen kostenlosen Facebook-Gruppe SOCIAL DANCING COMMUNITY beizutreten. Diese Gruppe soll ein Ort werden, an dem sich gleichgesinnte TänzerInnen treffen, ihre Erfahrungen austauschen und auch voneinander lernen. In diesem spezifischen Blog fehlt uns ein wenig der Austausch, da die Kommunikation meistens in eine Richtung stattfindet. In dieser Gruppe aber sehen wir eine Chance des besseren Austausches, wo wir uns mehr mit den speziellen Herausforderungen und eventuellen Problemen unserer Community beschäftigen können. Wir werden dort immer wieder auch mit LIVE-Videos gewisse Themen ansprechen, um sie mit allen Mitglieder zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungen suchen.
Gerade letzten Freitag haben wir ein LIVE-Video über ein entscheidendes Tool für die Musikalität im Tanz besprochen!
Und? Bist du dabei?
Dann klicke hier und lerne mit uns gemeinsam!