Wie Conny & Dado eine 12-jährige intensive Tanzbeziehung trotz oder wegen der Konflikte leben und überleben 😃

Das Tanzen an sich ist schon eine Art Kommunikation, oder? Auf eine besondere Art und Weise. Aber damit diese Kommunikation auf Dauer gut funktioniert und uns immer gute Laune beschert, brauchen wir gewisse Tools, um sie zu hegen und zu pflegen.

Tanzen ist meistens eine emotionale Angelegenheit. Emotionen, die in beide Richtungen extrem verlaufen können. Und ich habe das nicht vom Fernsehen. 😉

Ich habe alles selbst erlebt! Und da mache ich schon den ersten Anfängerfehler – WIR haben es erlebt. Conny und ich. Und das wichtigste – überlebt! 😃 Und noch mehr, wir sind dadurch noch mehr zusammengewachsen und noch stärker aus dieser Phase hinaus gegangen, als vor dem gemeinsamen Tanzen.
An dieser Stelle möchten wir einmal unsere Erfahrungen weitergeben, weil wir irgendwann eingesehen haben, dass die Art und Weise, wie wir zwei in schwierigen Situationen miteinander umgehen, einigen helfen könnte.

Dieser Artikel will keine Paartherapie werden, keine Sorge.
Oder doch? Hmm…

Auf jeden Fall wollen wir auf die Situationen hinweisen, deren Ausgänge unsere Tanzbeziehungen beeinflussen könnten.

Umarmen wir unsere Unterschiede

Social Dance ist voller Kontraste und Unterschiede.
Erwähnen wir mal gleich den banalsten Unterschied im Social Dance: Mann und Frau… Meistens zumindest… Oder Leader und Follower. Wenn man statt „und“ ein „vs.“ reinsetzt, hat man den Tanz verstummelt.

Die Quintessenz ist:

Unsere Unterschiede sind ein SEGEN, nicht ein FLUCH.

Wären alle Menschen auf unserem Planeten gleich, wären ganz viele von uns ganz einfach obsolet.
Unsere Differenzen haben unheimlich viel beigetragen, dass sich die Welt so schnell entwickelt hat.

Aber das geht nur dort, wo diese Differenzen nicht nur akzeptiert, sondern auch respektiert werden. Sie sind nur dort eine Bereicherung und ein Generator der Kreativität, wo man sie als eine tolle Möglichkeit sieht, seine eigene Sicht der Dinge zu erweitern. Nur dann werden Differenzen zwischen den Menschen ein Katalysator für die Synergie.

Per Definition ist Synergie viel wertvoller als die einfache Summe aller Einzelteile.
Synergie im Social Dance wiederum ermöglicht die Entstehung der Magie.

Konkret:

Wenn dir dein/e Partner/in einen Vorschlag im Tanzen macht, den du im ersten Moment nicht magst, halte inne denn,

Zwischen Reiz und Reaktion ist ein Raum, in dem du dich entscheiden kannst, was für eine Art Mensch/TänzerIn du sein willst.

Dieser eine Moment, in dem wir kurz inne halten, bevor wir losbrüllen oder zurückkeifen, hat schon viele Beziehungen jeglicher Art nicht nur gerettet, sondern auch noch mehr verschweißt.
Nimm dich an der Nase, denn wir sind alle schuldig in diesem Fall. Aber das ist auch etwas, das im Einflussbereich von jedem von uns liegt.

Wenn ich dir nur einen Tipp in diesem Belangen geben könnte, wäre es diesen Moment des Innehaltens zu deiner Lebensaufgabe zu machen.

Was für ein Glück, dass ich doch noch ein paar Tipps auf Lager habe. 😉

Du, ich oder doch wir?

Erstens versprich mir bitte, dass du beim Social Dancing nie nur an dich denken wirst. Ich warte…
Es reicht mir auch, wenn du dir das auch nur denkst. 😉

Zweitens versprich mir bitte, dass du beim Social Dancing nie nur an deine/n Partner/in denken wirst… Ja, wirklich!
Bleib bitte noch bei mir…

Drittens: Denke immer an EUCH!  Das ist die einzige Art und Weise, wie der Umgang beim Social Dancing für beide funktionieren kann – nämlich langfristig ein harmonisches  Miteinander. Das WIR-Feeling. Wir sind ein Team. Wir haben einen Fehler gemacht. Wir müssten da und dort etwas schneller sein. Wir sind bei dieser Stelle nicht im Takt gewesen. Wir haben die richtige Abfolge verpasst. Wir waren zu langsam… Alles klar?

Im Social Dance soll es so wenig wie möglich ein DU oder ein ICH geben und so viel wie möglich ein WIR.
Mein Opa würde jetzt sagen: je weniger DU oder ICH, desto mehr WIR! Bravo, Deda! 😃

Diese Einstellung allein sorgt für ein harmonisches Miteinander beim Tanzen!

Ich habe es auch hart erlernen müssen. Und der Fehler passiert mir schon wieder. WIR haben es auch lernen müssen. Wir haben zwar eine sehr stabile und intakte Beziehung, aber auch starke Persönlichkeiten, die manchmal gegeneinander krachen. Ja, wir krachen auch manchmal zusammen. Klar! Aber immer seltener. Weil wir diese Schritte immer durchgehen und einander daran erinnern, dass dieses WIR das Wichtigste ist. Dann geht´s einem ICH auch besser. Langfristig. Kurzfristig muss man ein paar Abstriche machen. Aber das sehe ich als eine Investition. Eine sehr gute! Wir fühlen uns mittlerweile als echte Dinosaurier. Es gibt leider ganz wenige Tanzpaare, die über viele Jahre zusammen arbeiten, tanzen, unterrichten und performen UND ein Paar sind.

Vor allem das Unterrichten und Performen bringt so seine Extreme… Da ist das Potential der dicken Luft besonders hoch. Vor allem, wenn beide gleich „stark“ sind. Aber da haben wir schnell lernen müssen, damit wir A) überhaupt zusammen bleiben und B) weiterhin das Tanzen geniessen können.

Sind wir IN der Box oder AUSSERHALB der Box?

Diese Frage habe ich aus einem tollen Buch Constructive Conflicts von Ali Taghavi, das ich jedem/r Social Tänzer/in empfehlen kann. Als ich es gelesen hatte, dachte ich mir: Wow! Cool! Das ist ungefähr das, was wir zwei uns mühsam über die Jahre erarbeitet haben. Hätte ich das nur damals gelesen, hätten wir uns wahrscheinlich viel erspart… Deswegen empfehle ich das Buch herzlichst, vor allem, weil es von einem Tänzer geschrieben ist und speziell für die Konfliktlösungen im Tanzen gedacht ist. Allerdings gibt es das Buch nur in Englisch.

Was ist mit dieser Box gemeint? Da geht es um den wichtigsten Aspekt der Kommunikation, finde ich. Es geht um die Empathie dem anderen gegenüber.

Ein Beispiel für eine negative, In-der-Box-Kommunikation:
Du probierst eine Figur mit deinem Partner, die du super findest und er oder sie sagt: „Das ist blöd! Ich mag das nicht!“ Deine Antwort darauf: „Das sagst du nur, weil du es nicht tanzen kannst. Du musst dich halt mehr bemühen!“ Das bringt uns natürlich seeeehr nicht weit, oder?

Positive, AUSSERHALB-der-Box-Antwort:
„OK, was gefällt dir daran nicht?“ Oder: „Vielleicht habe ich dir nicht alle Schritte detailiert genug gezeigt. Probieren wir es noch einmal langsamer.“ Falls es immer noch nicht funkt: „Wie könnten wir es verändern, dass es dir passt?“

Wir wollen unser Gegenüber immer wie einen Mensch behandeln und nicht wie ein Objekt. Du willst auch, dass man mit dir so umgeht, oder? Also, erwartet man das Gleiche auch von dir. Simpel!

Es ist so leicht gleich über den anderen zu urteilen und die Schuld zuerst ihm zuzuweisen. Das passiert uns fast reflexartig. In-der-Box-Reaktion. Wenn wir aber aus dieser Box aussteigen, verändern wir unsere Worte in etwas, was unsere Umgebung sehr gut verstehen kann und sich verstanden fühlt. Man begegnet sich mit Respekt und Empathie und kommt damit vieeeeel schneller zur Problemlösung und man hat weiterhin Spaß am Tanzen.

Jetzt verrate ich dir etwas, was du vielleicht noch nicht realisiert hast:

Social Dance macht man zu zweit! Immer!

Genau! Das heisst auch, dass es nur ein WIR gibt. Kein DU, kein ICH. WIR heisst, dass du dich ausserhalb der Box begeben und die Situation von aussen beobachten solltest. Wie ein neutraler Beobachter.

Das allerdings funktioniert nur, wenn man den ersten Tipp beherzigt – vor der Reaktion kurz inne halten…
Es ist eigentlich sehr einfach. Aber gleichzeitig auch seeeehr schwer.

Und wenn ein ICH, dann in diesem Kontext: Was kann ich tun, damit unser Tanz harmonisch wird/bleibt?

Conny und ich sind mittlerweile gut darin. Aber trotzdem müssen wir beide jeden Tag daran arbeiten, und oft fällt es uns gar nicht leicht. Aber wir machen es trotzdem, weil das Leben damit insgesamt besser und leichter wird. In dem Moment vielleicht nicht, aber gleich danach. 😉

Es hat viel mit der Liebe zu den Menschen und zum Leben zu tun. Damit, auf sein Herz zu hören, und es wichtig zu nehmen, wie es dem anderen geht.

Das Lustige daran ist, dass wir zwei der Meinung sind, dass es damit auch dir selbst besser geht.

Wir erleben nicht selten unglückliche TänzerInnen, oder auch Menschen, denen es schwer fällt einen passenden Tanzpartner oder passende Tanzpartnerin zu finden. Es gibt viele, die es menschlich und emotional besonders kompliziert finden, den Paartanz zu vertiefen.

Oft scheitert es an der Fähigkeit zu kommunizieren, sich in den anderen hineinzuversetzen und an dem Willen, vor allem an sich selbst etwas zu verändern.

Doch jede Veränderung ist eine Chance. Jeder Wille ein Weg. Denn

Wer will findet Wege, und wer nicht, findet Gründe.😉

Mag sein, dass das bei uns Zweien eher leicht aussieht, haben wir diese Art der Kommunikation auf die harte Tour erlernen müssen. Also ist es erlernbar und anwendbar. Sonst gäbe es Conny & Dado in dieser Form heute nicht. Ohne Übertreibung. Das WIR-Denken hat unsere Beziehung, unseren Tanz und unsere Persönlichkeiten unheimlich gestärkt und zu dem gemacht, was wir heute sind. Und heute haben wir Spaß aneinander und am Tanzen wie nie zuvor!

Vielleicht fragst du dich jetzt: „Kann aber das Tanzen ohne diesem ganzen WIR-Theater funktionieren?“
Oh, ja!
Aber es wird trotzdem und nicht deswegen funktionieren! Es ist ein kleiner riesiger Unterschied!

Hast du Konfliktsituationen im Tanzen oder im Leben, in denen du nicht mehr weiter weißt? Du könntest mal anfangen, dir diesen einen besagten Moment Zeit zu nehmen und kurz inne halten bevor du auf eine kritische Situation reagierst. Das ist ein Anfang jeder tollen Beziehung. 🙂

Ich bitte dich zu kommentieren, liken, sharen, teilen, herzeln, kuscheln, und was man nicht alles damit im Social Media machen kann.😃 Vor allem, wenn du das Gefühl hast, dass es jemanden (dir selbst?) helfen könnte.

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