Dieser Artikel ist aus einem Gespräch mit einer Freundin entstanden, in dem sie sagte, sie schafft es nicht, beim Tanzen nicht nachzudenken, und ich sagte „zu viel nachdenken ist im Leben und im Tanzen kontraproduktiv!
Das hat mich inspiriert meinen ersten Artikel für diesen Blog zu schreiben und es hat sich im Bauch richtig angefühlt!
In diesem Beitrag möchte ich auf unsere innere Stimme beim Tanzen aufmerksam machen – auf unser Bauchgefühl und vor allem wie man es bestärken und mehr darauf hören kann.

Wie viele von uns neigen zum Grübeln, zu über-denken, zu Pro und Contra Listen und anderen „Hilfsmitteln“ um Entscheidungen zu treffen?
Ich weiß, ich gehör auch da dazu!
Und dabei handelt es sich oft nicht einmal nur um wichtige Entscheidungen, sondern auch um „soll ich im Restaurant Pasta oder Pizza bestellen?“ Ich frage alle Leute, die mit mir am Tisch sitzen,  überlege, hmm..
Pizza mach ich mir zuhause nicht so oft wie Pasta, aber Spagetti Bolognese ist beim Italiener doch auch immer gut… oder sollte ich doch überhaupt ein Risotto nehmen? Oder einen griechischer Salat und dafür dann eine Nachspeise?
(Oh jeee, jetzt wird niemand mehr mit mir essen gehen wollen 😉)
Und dann, wenn ich die Entscheidung endlich getroffen habe, kann ich dir garantieren, dass ich mich fragen werde, wie denn die anderen „leider-nein-Kandidaten“ geschmeckt hätten! Und dabei sollte ich wissen, dass ich in einem Restaurant sitze, in dem ich weiß, dass alles gut schmeckt, und ich praktisch keine falsche Entscheidung treffen kann.

Die einzig falsche Entscheidung wäre, nichts zu wählen!

Und weißt du, was ich gemerkt habe? Die besten Entscheidungen habe ich dann getroffen, wenn ich einfach richtig Lust darauf hatte. Wenn ich sagen konnte „Heute hab ich wirklich Lust auf Risotto mit Scampi!“ dann hat es auch am besten geschmeckt.
Ich habe wortwörtlich aus dem Bauch heraus entschieden. 😉

Viele werden sich jetzt vielleicht denken „Egal, Hauptsache man wird satt davon!“.
Mag sein, dies ist jetzt auch nur ein harmloses Beispiel für alle Entscheidungen, die man im Leben trifft.
Viel wichtiger sind natürlich die großen Entscheidungen „Welchen Ausbildungsweg schlage ich ein?“ „Wo will ich wohnen?“ „Welcher Job ist der Richtige für mich?“ „Welchen Menschen suche ich mir als Lebens- oder (Tanz)Partner aus?“  etc.
Hier ist es viel verständlicher, lange und gründlich darüber nachzudenken…
Aber kennst du das, wenn du Entscheidungen triffst, ohne darüber nachzudenken und dir im Nachhinein denkst „Es war genau das Richtige!“ ?
Das sind ganz sicher die wichtigen und richtigen Entscheidungen!

Entscheidungen, die aus dem Bauch heraus getroffen werden, sind die Richtigen!

Schlussendlich führen Conny & Dado unsere Tanzschule hauptsächlich mit den Entscheidungen, die aus ihrem Bauch heraus kommen!

Aber woher soll mein Bauch wissen, was ich will?

Gute Frage, Danke! Viele Menschen wissen nicht, wie viele Nervenzellen der Magen bzw. das ganze Verdauungssystem hat! Fast so viele wie unser Gehirn selbst! Warum sollte der Bauch dann nicht auch denken und fühlen können? Wir kennen es doch alle, wenn man gestresst ist, oder auch einfach psychisch mit etwas Schwierigkeiten hat, kann man Bauchweh oder sogar ein Magengeschwür bekommen. Dies rührt genau da her! Warum sollten wir dann auch nicht auf unser Bauchgefühl hören, wenn wir etwas entscheiden müssen?

Okay, Biologie hin oder her, aber was hat das mit Tanzen zu tun?

Ja, das liegt nicht nur an Dado’s Einfluss, ich erzähle selbst gern lange Geschichten 😉
Aber danke, ich komme zum Punkt!

Beim Tanzen werden ständig Entscheidungen getroffen, man merkt es nur nicht immer!  Der Leader trifft viel bewusster noch Entscheidungen, da er führen „muss“, ich möchte hier, da ich als Follower hauptsächlich diese Seite kenne, jedoch eher auf die Follower eingehen. (Leader bitte nicht aufhören zu lesen, das könnte für euch eine wichtige Information sein!)

Hier finde ich gehen die Stile auseinander, manch ein Lehrer wird sagen „Der Leader führt und der Follower muss folgen!“ oder man könnte sagen „Der Herr gibt eine Situation vor, und die Dame entscheidet entsprechend zu reagieren.
Und der unerfahrene Leader wird vielleicht sagen: Wurscht! Hauptsache sie macht alles mit, was ich führe!“

Einspruch!!

Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob man zu etwas „gezwungen“ wird, oder etwas freiwillig macht, auch wenn es das ist, was jemand anderes vorschlägt! Tu mir den Gefallen und gehen wir einmal von dieser Situation aus:

Der Leader schlägt etwas vor und es steht dem Follower frei zu folgen.

Wenn wir jetzt aber bei jeder Bewegung mit dem Kopf mitdenken müssten, würde das viel zu lange dauern, und bis wir die Entscheidung getroffen haben, ist die Musik ganz woanders. (Und der Partner auch!) Deswegen versuche ich, den Kopf zu umgehen, und meinen Bauch entscheiden zu lassen, und Voilá! Auf einmal habe ich das gemacht, was in der Situation das Richtige war!

Aber wenn der Leader etwas führt, gibt es eh nur eine Richtige Antwort darauf, oder?

Jein… am Anfang lernen wir genau was wann passiert und was wie geführt werden muss und wie man darauf reagiert.
Jedoch, je länger man tanzt, desto mehr merkt man, dass es Signale gibt, die unterschiedlich interpretiert werden können, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, seine eigene Kreativität ins Spiel zu bringen (Dado hat das schon sehr gut in „Follow the Follower and become a better leader“ erläutert), aber auch, dass es von Leader zu Leader variiert, nicht jeder Mensch funktioniert gleich. Nicht jeder Tänzer oder Tänzerin kommuniziert gleich.
Wenn man jetzt von jedem Leader die „Sprache“ lernen müsste um richtig folgen zu können, würden wir sehr schnell die Freude am Tanzen verlieren, weil es wie Vokabeln lernen wirkt.
Vielmehr sollten wir üben, auf unseren Bauch zu hören, unserer Intuition zu folgen und den Tanz „geschehen lassen“ ohne mit dem Kopf ständig mitzudenken.

Und genau das ist für uns das Schwierigste: den Kopf auszuschalten!
Die Sorgen mal Sorgen sein lassen, uns komplett auf den Partner und die Musik einzulassen und den Körper das tun lassen, was sich in dem Moment richtig anfühlt. So sind für mich die schönsten Tänze entstanden.

Aber am Anfang bin ich noch mit den Schritten beschäftigt, wie soll ich da nicht mitdenken?

Das stimmt zum Teil. Am Anfang steht bei jedem Tanz das Kennenlernen im Vordergrund, man lernt den Rhythmus, die Musik, ein paar Figuren kennen und bezeichnet das dann als zB. Cha Cha Cha oder Salsa, usw.
Ich würde aber auch behaupten, man kann schon von Anfang an dem Körper beibringen, sich auch zu bewegen wenn der Kopf keine Befehle gibt.
Das einfachste Beispiel dazu ist im Rhythmus mitzuwippen, das passiert TänzerInnen automatisch, sobald eine Musik kommt, die sie mögen!
Und „Normalsterbliche“ können es auch, man muss es nur zulassen und dann merkt man: das hab ich nicht bewusst entschieden, aber es fühlt sich gut an 😉.

Das lasse ich einmal einwirken, bei Dado funktioniert das nach tiefgründigen Aussagen ganz gut 😉

Aus dem Bauch getroffene Entscheidungen fühlen sich meist sehr gut an.

Nur wie bringe ich meinem Bauch bei, unbewusst die richtige Entscheidung zu treffen?

Das ist der heilige Gral, den wir finden wollen. Unsere innere Stimme… Der sechste Sinn…
ABER, er lässt sich finden, mit ein paar einfachen Tipps ist der Weg dorthin einfacher als man glaubt.

1. Mache dich mit den einzelnen Tänzen vertraut

Das ist für Ballroom-TänzerInnen vielleicht etwas schwieriger als für Tänzer, die nur eine Richtung tanzen, da man sich mit vielen Tänzen anfreunden muss, die alle unterschiedliche Charaktere haben, aber es ist möglich! 😉
Überlege dir, was der jeweilige Tanz aussagen will, welche Geschichte er erzählt und wie du das am besten mit deinem Körper und den Figuren, die du kennst, ausdrücken kannst. Dann ist es nur mehr eine Frage der Umsetzung, wie du mit dieser Mentalität den Tanz angehst und du wirst merken, im Einklang mit der Intention des Tanzes zu tanzen, fühlt sich gleich sehr viel „richtiger“ an, als nur Schritte abzuklopfen.

2. Festige die Basics

Ein Thema, das bereits in vielen Artikeln angesprochen wurde: allen voran in diesem Artikel
Wenn du dir in den Basics sicher bist, brauchst du nicht mehr viel nachdenken! Da sind wir uns alle einig!
Und der Großteil eines Tanzes besteht aus diesen Basics oder Varianten davon.
Für die Damen (oder Follower allgemein) gilt auch: Schule dein Folgen!
Einem Leader zu folgen fällt für mich unter die „Basics“, es ist eine essentielle Fähigkeit.
Und nein, Folgen hat nichts mit „passiv“ zu tun!
Ich sage gerne, „die besten Follower lassen sich aktiv führen“.
Das heißt, sie geben dem Leader genug Connection, dass er spürt, wo sie ist und sie im Gegenzug dafür viel schneller seine Führung merkt.
Dafür gibt es gute Übungen um diesen Druck bzw. Zug aufeinander zu üben und davon kann man nie genug haben.  Das zu meistern ist auch ein Zeichen eines guten Tänzers /Tänzerin. Wenn du diese Dinge beherrscht ohne nachzudenken, merkst du ohnehin schon: dein Bauch hat dir die Entscheidung abgenommen und es fühlt sich einfach gut an!

3. Schule dein Rhythmus-Gefühl

Jeder Tanz hat so seine Grundregel, die über allen anderen Interpretationen steht: Der Rhythmus ist der gleiche, für alle Personen, die ihn tanzen. Der Rhythmus ist etwas, womit sich manche leichter tun und andere nicht so leicht, aber auch ein Rhythmus-Gefühl kann geschult werden. Wir Tänzer sind ständig von Musik umgeben, wir hören sie überall, im Auto, in Kaufhäusern, im Radio beim Kochen, in der Tanzschule und den Tanzbars sowieso… Warum sollten wir also nicht diese Möglichkeit nutzen, zu üben? Wir können jederzeit bei jeder Musik einfach mitwippen, den Kopf wippen, mit dem Fuß auf und ab wippen, im Kopf mitzählen, alles geht (nur bitte beim Fahren nicht übertreiben!!!) und alles hilft uns, die Musik besser kennen zu lernen und ein besseres Rhythmus-Gefühl zu bekommen. Der Bauch merkt sich diese Bemühungen und speichert sie als „richtig“ ab und das nächste Mal wenn du genau im Rhythmus tanzt, wird er sich freuen. 😀

4. Lerne deinen Partner gut kennen

Im Social Dance ist man im Paartanz unterwegs, da kann man nicht nur für sich alleine interpretieren, sondern gerade als Follower ist man auf den Partner angewiesen. Diesen mag man hoffentlich auch so gern, dass man ihn gerne etwas näher kennen lernt, sei es auch nur auf tänzerischer Ebene. Dieses näher kennen lernen ist essentiell für ein wohliges Bauchgefühl auf der Fläche, und ich meine damit nicht seinen Geschmack, was Pasta oder Pizza angeht, sondern wie führt er gewisse Dinge? Wie hört er die Musik? Welche Musik liegt ihm und welche mag er nicht so gerne? Sobald man sich die Mühe macht, etwas auf den Partner zu achten und ihn nicht nur als „Motor“ sieht, den man als Antrieb für Figuren braucht, kann man harmonischer tanzen. Man merkt schon viel früher, was er als nächstes vor hat und braucht dabei nicht nachzudenken -> der Bauch macht das allein! Vor allem bei Breaks in der Musik liebe ich es, mit einem Partner zu tanzen, mit dem ich soweit „synchronisiert“ bin, dass neue Improvisationen einfach von alleine kommen, ohne es vorher abgesprochen zu haben. Ich lasse mich einfach nur auf ihn ein und der Bauch macht den Rest. ☺

Und jetzt, nach meinen langen Erzählungen, bist du dran: denk an Situationen in deinem Leben, die dich richtig glücklich machen? Hast du dich bewusst dafür entschieden? Oder war im Entscheidenden Moment auch ein „Es fühlt sich einfach gut an, obwohl ich nicht weiß warum, deswegen nehm‘ ich es!“ dabei?
Ich traue mich zu wetten, dass viele von uns auch den Bauch mitsprechen lassen!
An die, die jetzt nein sagen…
Probier es das nächste Mal! Wenn es sich im Bauch richtig anfühlt, vertraut darauf und seht was passiert! Ich habe das in letzter Zeit sehr an mir selbst beobachtet und versuche es immer weiter auf so viele Bereiche in meinem Leben wie möglich umzusetzen. (Ich behaupte nicht, dass es leicht ist, denk an meine Restaurant Geschichte!)

Und dann setze es im Social Dance um! Wie fühlt es sich an, wenn man den Kopf zeitweise ausschaltet und einfach nur intuitiv agiert oder reagiert?
Ich behaupte sehr gut! Wenn du anderer Meinung bist, lass es mich einfach wissen, ich freue mich darüber!

Ich hoffe, ich konnte dich mit diesen Zeilen inspirieren, auf deinen Bauch zu hören, und wenn’s nur darum geht, die richtige Pizza zu bestellen! 😀

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