Bevor es zum Artikel geht, gibt es erstmals die Möglichkeit, diesen Artikel auch als Vlog anzusehen! Hier oben ist der YouTube Link. 😉
Lesen oder hören/sehen, du hast die Wahl. 😉

Diese simple Frage verfolgt Conny und mich schon seit Jahren, und meine Antwort dazu ist leider nicht so simpel. Die Frage ist eigentlich vielschichtig, denn die Sub-Fragen wären:

Gibt es zu viele Salsastile?
Muss man unbedingt On2 tanzen, um cool zu sein?
Muss man eine 3-fach Drehung am Platz tanzen können, um bei einem Festival mitzumachen?
…und und und…

Die Sache wird vielschichtig, wenn man sich damit wirklich auseinandersetzen will, anstatt einfach seine bisherige Meinung schnell zu äußern, oder noch schlimmer – die Meinung von jemandem anderen als eigene anzunehmen.

Die Entwicklung von Salsa

Salsa ist ein Mix aus vielen Rhythmen und vielen Bewegungsformen – eine komplexe Soße eben. Salsa als Tanz und Musik hat dadurch auch sehr viele Facetten und unterschiedliche Charaktere. Das führt wiederum zu unterschiedlichen Interpretationen in unterschiedlichen Kulturen und Umgebungen. 

Wenn man sich die Evolution von der Salsa Community seit den späten 90igern bis heute ansieht, wird man schnell merken, dass das Ganze sehr viel seriöser und raffinierter geworden ist – die Festivals, die Parties, der Tanz als Ganzes. Ob das gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage.
Aber diese Frage ist meiner Meinung nach überflüssig – niemand kann und soll die Evolution stoppen. Das ist eben das Natürlichste auf der Welt.

Aber man kann und soll diese Entwicklung hinterfragen und sich bewusst entscheiden, wie weit man selbst mitgehen will, anstatt einfach mit der Masse zu schwimmen.

Man hat in den 70ern den Begriff Salsa deswegen eingeführt, damit es einfacher wird, die Musik (und später den Tanz) zu verstehen und damit zu vermarkten. Mittlerweile sind alle diese Subkategorien deutlich mehr in den Vordergrund gerückt und können für viele etwas verwirrend wirken. 

Cuban Style, Cross Body Style, NY Style, Casino, Pachanga, Son Cubano, Timba, On1, On2, Boogaloo,  Afro Cuban, Rumba, Guaguanco, Classic Mambo, Modern Mambo… So viele Begriffe und Stile. Früher war es einfach Salsa…

Wir könnten das Thema aber etwas differenzierter und entspannter betrachten und uns einfach denken: alles zu seiner Zeit…

Das Problem ist aber wo anders…

Das wahre Problem

Es ist (nicht nur) meine bescheidene Meinung, dass sich die Qualität des Unterrichts in der Latin-Szene nicht ganz mit der den Events und der Community mitentwickelt hat.

Man sucht auf den Workshopplänen von den Festivals lange nach konzeptuellen Workshops mit viel Technik und Zusammenhängen. Vieles dreht sich rund um „Partnerwork & Shines“. Endlose Abfolgen von fancy Figuren direkt aus den Shows der Instruktoren herausgenommen und komplexen Shines-Kombinationen ohne viel Know-How über die korrekte, oder zumindest schmerzfreie Ausführung. Für meinen Geschmack sehe ich auf der internationalen Festivalbühne zu wenig Widmung der Grundtechnik.

Ich vermisse den ganzheitlichen Zugang und vor allem den Ãœberblick im Unterricht bei den meisten Lehrern. Zu oft wird der persönliche Stil des Lehrers zu Fakten mutiert, wodurch die Lernenden nicht mehr verstehen, was die eigentliche Basis ist. 

Ich weiß, davon rede ich auch schon lange und ich wiederhole mich immer wieder dabei. Meine Spezialität, sozusagen. 😉

Noch einmal zur Frage im Titel: Ist Salsa zu kompliziert geworden? 

Reden wir einmal über das Wort „kompliziert“… 

Die meisten von uns empfinden eine Sache kompliziert, wenn wir nicht verstehen, wie die Zusammenhänge sind, oder? Auch wenn die Zusammenhänge sehr komplex und vielschichtig erscheinen, empfindet man das Thema als „kompliziert“.

Würden wir also verstehen, wie die Grundlagen sind und ihre Verbindung zu den komplexeren „Teilen der Maschine“ aussehen, dann würden wir viel mehr Ãœberblick über die Materie haben. 

Konkret, man müsste die Basics im Unterricht viel mehr als Basis etablieren, sie polieren und perfektionieren, um dann eine komplexere Figur oder Variation auf dieser Basis von den Basics aufbauen. 

Damit würde man dieselben Basics viel mehr schätzen und erkennen, wie wichtig sie sind. Damit wiederum würde die Qualität des Tanzens im Allgemeinen auf den Tanzflächen deutlich steigen. Leider sehen viele Instruktoren die Basics als selbstverständlich und gehen davon aus, dass es alle bereits kennen, können und beherrschen…
Schade…

In anderen Tanzstilen wie Lindy Hop, West Coast Swing oder Tango werden die Basics förmlich zelebriert und in fast jeder Unterrichtsstunde unter die Lupe genommen. Von diesen Communities kann sich unsere Latin Community viel abschauen.

Salsa ist nämlich ein schneller Tanz. Es passiert sehr viel in sehr kurzer Zeit. Das heisst, wenn die Basics nicht sitzen, besteht die Gefahr, dass man sich unkontrolliert bewegt und damit seinen Partner gefährdet, oder zumindest stresst…

Das war sicherlich einer der Hauptgründe, dass viele TänzerInnen von Salsa zu Bachata und Kizomba „gewechselt“ haben. Das ist wieder ein anderes Thema, auf das ich in diesem Artikel nicht eingehen will. 😉

Fazit und Antwort auf die Titelfrage

Salsa an sich ist sehr wohl ein komplexes Gebilde mit seinen vielen Musikrichtungen und daraus folgenden unterschiedlichen Ausführungsvarianten und Stilen.

Aber, nein, ich finde nicht, dass Salsa kompliziert geworden ist!

Ich finde eben nur, dass es zu selten vermittelt wird, wie die Zusammenhänge wirklich sind. Je klarer das Fundament, desto weniger kompliziert empfindet man die Materie.
Diese Komplexität soll natürlich nicht vom Beginn an vermittelt werden. Mit der Zeit und der „Evolution“ der Fähigkeiten des Schülers steigt auch seine oder ihre Bereitschaft, tiefer einzutauchen und mehr zu erkunden. Eh klar!

Alles zu seiner Zeit…

Dieser Artikel mag für dich kritisch erscheinen und da würdest du auch Recht bekommen. 😉 Aber ich will nicht nur zeigen, was die anderen besser machen könnten. Ich möchte viel mehr die Wahrnehmung der TänzerInnen sensibilisieren und auf grundsätzliche Herausforderungen der gesamten Salsa Community zeigen.

Wir selbst setzen die oben genannten Vorschläge seit Jahren in unserem Unterricht um.

Es ist klar, dass wir sowohl in unserer Tanzschule als auch in unserer Online Social Dancing Academy genau dieses Konzept verfolgen, das ich weiter oben beschrieben habe. Wir nennen das „Basic to WOW“. In diesen zwei YouTube Tutorials kann man sich ein Bild machen, was ich damit meine:

Salsa Basic Figur aufgepeppt // Basic to Wow! Episode 2 – Salsa Snack #44

Basic to Wow – Salsa Figuren aufgepeppt – Salsa Snack #42

Unsere gesamte Social Dancing Academy ist auf diesem Prinzip aufgebaut und das schätzen unsere Academy Member sehr. By the Way, hier kannst du dir ein kostenloses 24h-Abo holen und dir ein Bild davon machen. 😉

Mich würde es aber viel mehr interessieren, wie kompliziert du Salsa empfindest? Welche Bereiche sind für dich verwirrend und wo hast du deine Herausforderungen? Ich freue mich über eine rege Diskussion über dieses sensible Thema.

„Nur die halben Sachen sind kompliziert“

Dance And Make A Difference