Am Anfang war das Welttanzprogramm

Das berühmt berüchtigte Welttanzprogramm (WTP) wurde Anfang der 60iger(!) Jahre entwickelt und war für die meisten Tanzschulen seit damals DAS zentrale Element und die wichtigste Säule ihres Bestehens. 

Dieses Programm sollte dazu dienen, dass TänzerInnen auf der ganzen Welt die selben Grundlagen und Prinzipien kennen, auf denen die Tänze des Welttanzprogrammes basieren.

An sich war das ein nobler und wertvoller Gedanke. Allerdings wurde es im Laufe der Jahrzehnte nie überarbeitet oder weiterentwickelt. Erst 2012 hat der Deutsche Tanzlehrerverband das Programm grundlegend modernisiert. 

Das war super!
Aber auch sehr spät…

Die 60iger Jahre (vor allem am Anfang des Jahrzehnts) waren nicht unbedingt für die Gleichberechtigung in jeglicher Form berühmt – das wissen wir.
Dementsprechend war das WTP auch geprägt.
Dass wir aber diese Prinzipien von damals so lange mitgeschleppt haben, ohne sie zu hinterfragen, das ist schon verwunderlich…

Mehr dazu noch ein wenig später im Artikel…

Conny und Ballroom… und dann kam Dado 🙄

Seit mehr als 20 Jahren liiiiebe ich das Tanzen! Vor allem erinnere ich mich gerne an die Zeiten als Jugendliche zurück, in denen ich von alternativen Tänzen wie Salsa, Swing & Co sehr wenig Ahnung hatte, aber Ballroom (die Standard und Lateinamerikanischen) Tänze umso mehr liebte.

Mit 18 Jahren durfte ich die Tanzlehrerausbildung in Wien beginnen, durch die ich das Tanzen noch einmal von einer neuen Seite kennenlernte – aus Büchern aus der Zeit der 50iger bis 70iger Jahre.

Ich möchte nichts davon missen, denn alles war für mich persönlich und meine Entwicklung sehr hilfreich. Doch als ich Dado kennen lernte, wurde meine Welt des Tanzens noch einmal gehörig auf den Kopf gestellt. Denn er fragt nach, warum und wieso man dieses und jenes macht oder nicht macht. Warum man gerade so tanzt und nicht anders usw.

Schlimmer wurde es, als er dann selbst die Tanzlehrerausbildung absolvierte und das vor sechzig Jahren aufgeschriebene Tanzen verinnerlichen musst…. oh Mann, das waren Diskussionen 😉

Doch man reift! Mit den Erfahrungen von sogenannten „alternativen“ Tänzen und verschiedensten Zugängen von überall auf der Welt formt sich auch das eigene Verständnis von Musik und Tanz.
Bleibt man im Turniersport, machen diese sogenannten „Standardwerke“ durchaus Sinn, denn sie bieten die Möglichkeit, in richtig und in falsch zu werten und Techniken miteinander zu vergleichen.

Doch der Social Dance auch im Ballroom Bereich folgt anderen Kriterien. Es gibt keinen Wertungsrichter, keine Punkte, keine Siegerehrung sondern einfach nur das Wohlgefühl, die Tanzfreude und die Harmonie von einem Paar, die alle Maßstäbe für Erfolg oder Nicht – Erfolg setzen.

Dado und ich lieben alle Arten von Tanz, und so tanzen wir auch gerne einen Walzer, Slowfox, Samba & Co.

Kreativ und spontan wie mein Mann eben ist, hielt er sich bei unseren Tänzen jedoch nie an die „standardisierten“ Figuren. Schlimmer noch – sie funktionierten manchmal auch nicht, wenn ich wieder einmal darauf bestand, diese auch in der freien Wildbahn zu tanzen.

So kam es wie bei jedem anderen Pärchen – um Streit und eine ungute Stimmung zu vermeiden, ließ ich mich auf seine kreative Art zu tanzen ein. Und siehe da – es funktionierte mühelos und… das ist mir besonders wichtig … ich fühlte auch auf einmal mehr die Musik in den Tänzen.

So schwebten wir gut amüsiert über die Tanzfläche bis uns eines Tages beim größten Tanzlehrerkongress Deutschlands jemand fragte: „Was macht ihr da eigentlich? Was ist das genau? Ich habe euch von oben zugesehen und bei all den vielen Tanzpaaren auf der Tanzfläche, seid ihr herausgestochen, weil euer Bewegungsmuster so anders war und sich auch die Musik in eurem Tanz widergespiegelt hat!“

Wir konnten damals nicht wirklich eine Antwort darauf geben, denn wir sind einfach unserer Intuition und den „allgemeinen Lead & Follow“ Regeln sowie der Musik gefolgt.

Ballroom neu gedacht!

Aber – es war der Anstoß, das, was wir schon einige Male auch an andere weitergeben wollten, selbst zu erforschen und noch einmal neu durchzudenken.

Wir haben einige Workshops dazu gegeben und in verschiedensten Kursen ausprobiert – das Ergebnis war zwar unter Profis gut aber unter HobbytänzerInnen etwas ernüchternd. Das, was uns leicht gefallen ist, viel den anderen TänzerInnen im Kurs oft unheimlich schwer.

Aber wir tüftelten weiter, denn wir sahen, dass bei denen, die das umsetzen konnten, eine wahre Tanztransformation stattgefunden hat.
Nach vielen Stunden des Beobachtens und Überlegens gab es eine präsente Erkenntnis.

Es sind nicht so sehr die Tanzfähigkeiten, die den Leuten Schwierigkeiten machten, sondern das Mindset.
Die fixe Vorstellung im Kopf, wie etwas auszusehen oder abzulaufen hat.
Ich füge hier ein paar Leerzeilen ein, denn wie auch wir das einmal verdauen mussten, so möchte ich auch dir ein paar Zeilen zum Nachdenken geben…

 

 

 

 

 

Es ist das Mindset, das oft den Zugang zu unserer Art des Ballroom Tanzens verhindert hat. Und das selbst bei Beginnern!!!

Unvorstellbar, dass dieses Mindset – diese Vorstellung, die mittlerweile vor fast 70ig Jahren kreiert wurde, auch heute die Menschen so sehr beeinflusst, dass sie bereits ohne einen Schritt getanzt zu haben, eine Vorstellung von Walzer & Co haben.
Doch wir wollten uns dieser Herausforderung stellen, denn mittlerweile gibt es immer mehr Menschen, die erkennen, dass ein anderes Mindset noch viel mehr Spaß, Freude und Abwechslung auf der Tanzfläche bringen kann.

Wir begannen weiter zu experimentieren und vor allem immer öfter in der Öffentlichkeit und bei Präsentationen unseren Stil zu tanzen.

Als wir dann 2017 Ginger & Fred im Rahmen einer Produktion der Styriarte verkörpern durften, bemerkten wir einen ordentlichen Shift der Vorstellung von Tanz bei all jenen, die uns bei der Performance gesehen haben.

Es ist einfach unglaublich, was die Vorstellung und konkrete Bilder bei Menschen auslösen können. 

Ballroom vs. West Coast Swing

Zurück zu unserem Welttanzprogramm…

Dieses wurde auf eher starren Vorstellungen von den Rollen Mann/Frau, Leader/Follower, Führen/Folgen aufgebaut. Ballroom-Tanzen damals und leider immer noch heute ähnelte eher einem Monolog statt Dialog, es war mehr schwarz-weiß statt Yin & Yang. 

Die Tatsache, dass die TänzerInnen nicht wirklich dazu ermutigt wurden, Partner zu wechseln, hat diesen starren Charakter natürlich nur noch mehr unterstützt.
Man hat sich mehr aufeinander „eingeschossen“ und sich miteinander arrangiert…
Wie so ein altes Ehepaar, dass über die Jahre gelernt hat, einander zu dulden und zu ignorieren anstatt sich mit dem Partner auseinander zu setzen, um etwas Größeres gemeinsam zu schaffen. 

Wir brauchen im Social Ballroom mehr Synergie und Dynamik statt Monolog und Passivität. 

Ein tolles Beispiel für das Gegenteil wäre der West Coast Swing.
Viele Experten sagen, dass sich dieser Tanz mit Abstand am schnellsten und am meisten von allen anderen Tanzstilen entwickelt hat.
Es ist der modernste, der vielseitigste und der raffinierteste Tanz der Gegenwart. Sagen viel zumindest. Wir würden das bestätigen. 😉

Sie sagen auch folgendes: WCS ist ein Follower-Tanz.
In keinem anderen Tanz bekommt der Follower (die Dame) so viel Freiheit und Möglichkeiten, den Tanz zu gestalten wie in diesem Tanz. 

Das ist auch die Magie dieses Tanzes.
Diese Tatsache fasziniert uns unterbewusst, wenn wir uns die fantastischen WCS-Freestyle Videos im YouTube ansehen. „Die Westies“ haben es gut verstanden, die Synergie zu nutzen, um den Tanz kreativer zu gestalten und die Rollen zu hinterfragen und neu aufzustellen.

Davon ist Ballroom im herkömmlichen Sinne meilenweit entfernt. 

Nicht falsch verstehen. Ballroom muss nicht der neue West Coast Swing werden…

Aber einer der Gründe des Erfolgs des WCS ist, dass WCS von allen anderen Tänzen „gelernt“ hat, ohne seine Identität zu verlieren.
Er ist mit der Zeit „gegangen…ähm getanzt“. 😉 

Ballroom würde es auch nicht schaden, von anderen Tänzen zu lernen, um mit der Zeit zu „schwingen“. 😉

Unsere Herausforderung mit Ballroom

Dieses Thema beschäftigt uns seit Jahren, und wir waren auf Dauersuche nach einer Lösung, die beide Zugänge (traditionell und modern) verbindet statt zu polarisieren.
Es gibt soooo viele TänzerInnen, die nach der alten Schule gut und gerne tanzen. Wir möchten ihnen nicht sagen, dass sie jahrelang etwas falsch gemacht haben. 

Es geht hier nicht um richtig und falsch.
Es geht um Weiterentwicklung.
Es geht um Kreativität.
Es geht um ein harmonisches, authentisches Miteinander.

Als wir 2007 unsere Tanzschule eröffnet haben, sahen wir unseren Ballroom-Paaren in der Tanzschule die Veränderung an, wenn sie begannen andere Social Tänze zu tanzen (Salsa, Lindy, WCS, Tango und Co.) Sie begannen Ballroom mit anderen Augen zu sehen, zu hinterfragen und zur kritisierten. Wir natürlich auch. 

Wir wollten aber nicht, dass sie nie mehr Ballroom tanzen, weil Salsa und Co viel cooler sind. Wir selbst lieben ja auch Ballroom!
Wir mussten uns etwas überlegen, wie wir diese Tanzsparten und die dazugehörigen TänzerInnen voneinander und miteinander lernen lassen. 

Unser Team und wir geben wirklich unser Bestes, um unseren Ballroom-Unterricht in der Tanzschule weiter zu entwickeln, um ihn modern und zeitgemäß zu halten. 

Dennoch waren/sind wir noch nicht ganz damit zufrieden. Es könnte noch kreativer, raffinierter und moderner werden…aber es sind lauter kleine Schritte, die wir gemeinsam mit unserem Team, in die für uns richtige Richtung gehen.

Um jedoch diese Ansichten auch für Hobbytänzer weiter geben zu können, starteten wir mit unseren Ballroom Snacks im YouTube, die uns ermöglichten, noch mehr Menschen auch außerhalb unserer Tanzschule mit ihren (Tanz-)Herausforderungen zu helfen und mit ihnen gemeinsam zu lernen – ich sage dir, das ist erst aufregend, denn im Grunde sind die Bedürfnisse sehr, sehr ähnlich!

Mittlerweile haben wir es auch geschafft, fast alles auch filmisch festzuhalten, damit nicht nur HobbytänzerInnen sondern auch Unterrichtende diesen Zugang für sich testen und weiter tragen können.
Denn – viele sehnen sich bereits nach einem modernen Zugang, der jedoch – und das ist uns besonders wichtig! – nicht mit einem „schlampigen“ Tanzen verwechselt werden darf!!
Es geht vielmehr darum, die Charakteristik der Musik und damit den Tanz zu seinem Ursprung zu führen, die Vorstellungen von anno dazumal beiseite zu legen und die Bewegungsqualität und Raffinesse des eigenen Körpers aber auch im Paar auf das nächste Level zu führen.

Wir sind schon sooooo gespannt darauf, wohin uns dieser Weg führen wird und genießen den Austausch darüber mit anderen TänzerInnen sehr!

Somit würden wir uns natürlich auch darüber freuen, deine Meinung zu dieser Thematik zu hören!

Egal ob per Kommentar, Email oder persönlich – das Thema interessiert uns brennend, denn mittlerweile – so denken wir – ist die Zeit reif, dass sich großflächig etwas verändert. Wir spüren es bereits und lernen immer mehr Menschen kennen, die auch diesen Weg tanzen möchten. 😉

By the way…wie immer ist es unser tiefstes Bedürfnis, unsere Erfahrungen und unser Wissen zu teilen.
Daher empfehle ich dir herzlichst ein gratis Probeabo unserer gesamten Online Social Dancing Academy für eine Woche zu probieren. Du brauchst nur deine Emailadresse und deinen Namen dafür eintragen und bereits tauchst du in die Social Dancing Welt von über 700 Lektionen! Baaam!

Neben unseren vielen YouTube Tutorials war es uns ein Anliegen, sowohl das klassische Ballroom Programm wie auch unsere „moderne“ Interpretationen in einem gut nachvollziehbaren und strukturierten System zugänglich zu machen.

Es bleibt also spannend, wie sich Ballroom weiter entwickeln wird. Wir versuchen jedenfalls unseren Teil dazu beizutragen, die traditionelle Sehnsucht mit der modernen und zeitgemäßen Idee zu verbinden.
Es gibt sicher einfachere Aufgaben auf dieser Welt…
Die sind aber auch nicht so spannend und aufregend… 😉

Explore Ballroom,
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Conny