Interessante Gespräche und Situationen bringen interessante Gedanken hervor, die ich gerne mit unserer Community teilen möchte. Vielleicht auch deswegen, um zu sehen, ob der eine oder andere ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder eine gar gegensätzlich Meinung dazu hat.
Oft höre ich die Überzeugung, dass man Privates und Berufliches komplett getrennt sehen kann. Bedeutet, dass es sozusagen ein privates ICH und ein berufliches ICH gibt, das sich immer und je nach Situation bzw. Umgebung abwechselt.

Auch im Tanz könnte man meinen, dass es ein Tanz-ICH und die restlichen ICHs gibt. Somit ist die Art und Weise, wie man tanzt nicht aussagekräftig dafür, wie man in seinen restlichen Lebensbereichen handelt.
Nach mittlerweile 20 Jahren im Tanzgeschehen und davon 18 im Unterricht kann ich zumindest im Tanz einen breiten Erfahrungsschatz an Situationen, Beobachtungen und Begebenheiten mitgeben, die das Gegenteil beweisen.

Den berühmten Satz „Du bist, wie du isst!“  könnte man durchaus umwandeln in „Du tanzt, wie du Konflikte löst“ oder  „Du lebst, wie du liebst!“ oder „Du arbeitest, wie du das Leben siehst„.
Im Tanz kommen der Beobachtung nach die URINSTINKTE des Menschen zum Vorschein. Beginnt jemand zu tanzen, wird er mit seinen Ängsten, seinem Konfliktpotential, seiner Selbst- und Fremdliebe sowie mit seiner Offenheit (oder auch nicht vorhandenen Offenheit ;-)) konfrontiert.
Der Tanz ist wie ein Spiegel, der dir zeigt, wo du stehst, wie du liebst, was du tief in deinem Inneren denkst, und wie du mit anderen umgehst.
Genau dieser Spiegel bietet dir aber auch die Möglichkeit, dich selbst zu erkennen und daraus dein Verhalten und deine Sehnsüchte, Wünsche sowie Interaktionen mit deiner Umwelt bewusst zu begreifen, um dann auch eventuell zu verändern.

Oft kommt mir der Gedanke, dass es wie das JOHARI-FENSTER wirkt. (1955 von den amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham entwickelt).
Mittlerweile stehe ich am Ende meines zweiten Managementstudiums und durfte dadurch tiefere Einblicke in erfolgreiche Manager, Unernehmensstrukturen, Leadership und andere Themen gewinnen. Nach 10 Jahren als „Chefin“ in unserer Tanzschule sind auch in diesem Bereich die Erfahrungen durchaus zahlreich, die zeigen, wie der Mensch in der Arbeit, privat, bei Konflikten, im Team und in der Interaktion mit Gruppen und einzelnen Menschen handelt.
All das und meine Liebe zur Beobachtung lassen mich nun eine Behauptung aufstellen, die weder bewiesen noch jemals tatsächlich geprüft sondern vielmehr für einen selbst einen Gedanken darstellen könnte, der sich und das Leben und vielleicht auch die damit verbunden Zukunft in ein anderes Licht rückt.

Du lebst, wie du liebst. Du liebst, wie du arbeitest. Du arbeitest, wie du Konflikte löst. Du löst Konflikte, wie du dich selbst siehst. Wie du dich selbst siehst, so tanzt du. Wie du tanzt, so lebst du!

Ja, ich weiß, dieser Gedanke ist zuerst erschreckend. Er macht dir vielleicht Angst, denn er lässt vermuten, dass man Privates und Berufliches, die Fähigkeit zu Lieben und das Leben an sich nicht trennen kann.
Ja, es kann einem Angst machen, denn es könnte bedeuten, dass obwohl alles funktioniert, dennoch das System, das du dir aufgebaut hast, einen Fehler hat. Nämlich den, nicht zutiefst erfüllt, glücklich und zufrieden zu sein.
Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich persönlich sehr mit diesem Thema, weil es auch mich bzw. uns selbst betrifft.

Wir leben unsere Arbeit und verbinden das mit unserer Liebe zueinander und zum Tanz. Wir leben sozusagen ein ALL IN ONE Prinzip. 😉
So wie wir sind, so präsentieren wir uns unserer Umgebung.

Dass das nicht immer leicht ist, liegt auf der Hand. Jedoch zeigt es ganz deutlich, wenn man mal von seinem Weg abkommt. Es ist somit ein Indikator für das, was im Inneren versteckt ist und man manchmal selbst nicht sehen möchte.
Sicher werden jetzt viele aufschreien, die meinen, dass dieser Ansatz durchaus nicht im „harten Business“ gültig ist. Na und? Wer kümmert sich um das „harte Business“? Dieses ist hauptsächlich darauf aufgebaut, die besten Renditen zu machen. Aber ist das alles?

Geld und Status sind nur so lange wichtig, bis man sie hat. Dann tritt aber eine ganze andere Disziplin auf – DIE ERFÜLLUNG!

Wenn man Erfüllung spürt, während man an einem Projekt arbeitet (egal welcher Art), werden Geld und Status ziemlich hinten angereiht. Heisst natürlich nicht, dass sie unwichtig werden, aber zumindest nicht vorrangig. Dadurch profitiert nur unser ganzes Leben, wie Dado immer sagt. 🙂
Ich sehe auch verschiedenste Menschen, die in gleichen Positionen mit dem selben Erfolg aber einer gänzlich unterschiedlichen Vorgehensweise das Gleiche bewirken. Allerdings nur in der jeweiligen Sparte, die sie gerade „bedienen“.

Derjenige, der den ganzheitlichen Zugang zur Materie hat, den ALL IN ONE Gedanken, der geht mit dem Lächeln durch die Gegend und macht Happy Dance, wenn das Projekt aufgeht. Der andere geht das nächste Projekt an, in Hoffnung, dort bekommt er mehr Geld und mehr Erfolg. Davon wird man nie satt, wenn das deine Priorität ist… Bis man plötzlich platzt, ohne es vorher zu merken…

Ich spreche hier von der ganzheitlichen Erfüllung und nicht von der Erfüllung eines Mikrokosmos in uns. Ich spreche von einer Erfüllung, die auf unser ganzes Leben ausstrahlt.
Somit liegt die Vermutung nahe, dass auch dieser Kreislauf gegeben ist.

Beobachte dich, wie du arbeitest, und du wirst erkennen wie du liebst. Beobachte dich, wie du liebst, und du wirst wissen, welche Arbeitsweise dich erfüllt.
Ich begegne so vielen Menschen, die Angst vor wirklicher Nähe haben. Die Angst davor haben, tatsächlich berührt zu werden – berührt nicht nur im körperlichen Sinne, sondern berührt an einem Punkt der tiefer ist. Manche mögen es „das Innere“ nennen, manche „die Seele“, manche auch „das Herz“. Aber gemeint ist immer das Gleiche.
Ja, diese Berührung macht verletzlich. Ja, diese Berührung ist riskant. Ja, diese Berührung lässt dich einmal gespürt nicht wieder los.

Dennoch ist sie nur so lange „eine Gefahr“, so lange man sie nicht in das gesamte Leben integriert. Hat man sie einmal gefunden, und lässt man sie sich ausbreiten, so werden die Momente der Zufriedenheit häufiger, die Angst nebensächlicher und die Gelassenheit präsenter.

Ist es nicht die Sehnsucht nach dieser Berührung, die uns Menschen zu verschiedenstem Handeln bringt? Ob die Angst, ihr zu begegnen, oder der Antrieb, sie zu finden?

Doch sie könnte schon da sein, genau jetzt in deinem Inneren.
Der Tanz könnte dir die Möglichkeit geben, diese Berührung zu finden, dich selbst zu finden. Und er könnte dir Gelegenheiten bieten, die Lust des Lebens und die Begegnung mit anderen Menschen auszuleben.

Der Tanz könnte dir ermöglichen, all diese Erfahrungen in dein „ICH“ zu integrieren und in den Alltag, in den Beruf und in die Liebe mitzunehmen.
Dieser Text soll eine Aufforderung sein, seine Entscheidungen aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und diese zu hinterfragen. Es könnte eine Chance bieten, den Weg ein wenig zu korrigieren, den Blick für das Wesentliche zu öffnen und damit die Möglichkeit geben, immer häufiger tiefe Zufriedenheit zu spüren.

Alles Liebe,

Conny

Dance & Make A Difference