Dieses Thema ist wahrscheinlich älter als der Tanz. Ich vermute seit Adam und Eva. Sie allerdings hatten einen Vorteil – die Konkurrenz war nicht so groß wie heute. 😃 Also mussten sie sich wahrscheinlich mit sich selbst arrangieren. Und heute ist es eigentlich um nichts anders, würde ich meinen. Der Social Dance ist grösser als jedes Individuum, und wir alle tanzen zum Spaß. Dieser Spaß kommt aber nicht nur durch die Musik und Bewegung. Ein entscheidender Faktor ist auch, wie man sich gegenseitig behandelt. Wenn dieser Part daneben geht, hilft die beste Musik auch nicht mehr viel.

Die Inspiration zu diesem Artikel habe ich leider aus der Praxis der letzten Wochen geschöpft. Ja, aus dem richtigen Leben… da draussen…
Es ist mir einiges erzählt und geschrieben worden, und da habe ich mich verpflichtet gefühlt, das Thema anzusprechen. Wenn nur die Hälfte davon wahr wäre… Mein Lieber, ich konnte meinen Ohren nicht trauen…

Ein Spruch vorweg:

„Die Leute werden vergessen, was du gesagt hast. Sie werden vergessen, was du getan hast. Aber sie werden nie vergessen, wie du sie behandelt hast!“

Ja, ich weiß, ich wiederhole mich. Das hatten wir schon in einem früheren Artikel… Aber es passt sehr gut zu diesem Thema. Dieser Spruch ist sehr wichtig für die Message dieses Artikels. Und da ist noch etwas… Versuche dir vorzustellen, wie du es gerne hättest, dass die Leute über dich reden, wenn du nicht in ihrer Nähe bist. Es geht nicht unbedingt darum, ob es dir wichtig ist oder nicht. Wenn man es sich aussuchen könnte, würde sich wahrscheinlich eh nur jeder und seinen Nachbarn wünschen, dass man nett über ihn spricht, oder?

Wir alle haben unsere Helden und Antihelden. Ob in der Jugendzeit, Schule, Uni, Bundesheer, Arbeit, Sportverein… Ich spreche von den Personen, die einen besonders aufbauen in den schwierigen Zeiten. Auf der anderen Seite stehen die Antihelden – gewisse Personen, die leider für solche Zeiten sorgen, in dem sie einem das Leben unnötig schwer machen.
Wer willst du sein? Held oder Antiheld?

Fangen wir damit an, dass wir zumindest kein Antiheld werden wollen, oder?

Nehmen wir konkret das Thema „Aufforderung zum Tanz“…

Maria, eine hübsche, gute Tänzerin, steht an der Bar und hofft auf einen guten Tanz beim nächsten Lied. Thomas ist ein unerfahrener Tänzer, der schon seit einer halber Stunde seinen Mut sammelt, um sie zu einem Tanz aufzufordern. Er ist talentiert, aber noch nicht routiniert. Er nähert sich endlich und fragt sie leise und unentschlossen, ob sie mit ihm tanzen mag.

Ausgang a)
Sie sagt ganz einfach: „Nein, danke!“, weil sie in dem Moment nicht glaubt, dass er ihr DEN Tanz bieten kann, den sie sich wünscht… Thomas geht enttäuscht und gebrochen davon… Er verliert den Spaß an der Sache, geht heim und kommt nicht mehr Tanzen, da es schon der dritte nicht sehr nette Korb des Abends war. Er denkt sich, dass die Tanzszene gar nicht so nett und offen ist, wie von seinen Freunden erzählt wurde und sucht sich ein anderes Hobby…

Ausgang b)
Sie sagt: „An sich gerne, aber ich muss echt eine Pause machen und etwas trinken. Ein wenig später aber gerne!“ und lächelt ihn höflich an. Er nickt, geht zurück und stellt sich wieder zu seinen Freunden dazu. Der Abend geht weiter. Er tanzt an dem Abend nicht mit Maria, aber gleich beim nächsten Lied fordert ihn eine alte Bekannte, die auch gerade ihren ersten Anfängerkurs hinter sich hatte. Der Abend geht gut zu Ende…

Ausgang c)
Sie sagt: „An sich gerne, aber ich muss echt eine Pause machen und etwas trinken. Ein wenig später aber gerne!“ und lächelt ihn höflich an. Er nickt, geht zurück und stellt sich wieder zu seinen Freunden dazu. 10 Minuten später winkt sie ihm zu und zeigt mit den Augen bedeutungsvoll auf die Tanzfläche. Er geht zu ihr hin und sie beginnen zu tanzen. Es ist nicht der beste Tanz ihres Lebens, aber Thomas ist bemüht und aufmerksam. Er versucht leicht zu führen und experimentiert nicht allzu sehr mit den Tricks aus den Youtube Videos. Sie lächelt ihn immer wieder unterstützend an und gibt ihm das Gefühl, dass er es gut macht. Am Ende des Tanzes bedanken sie sich gegenseitig und gehen zu ihrem Platz zurück. Er ist aufgebaut und hochmotiviert weiter zu lernen noch besser zu tanzen, damit er noch mehr solche tolle Tänze geniessen kann. Sie hat vielleicht nicht den besten Tanz des Abends genossen, aber ein Jahr danach ist der Thomas zu einem „Star“ auf der Tanzfläche avanciert und einer der besseren Tänzer in der Community geworden. Sie fordern einander immer wieder auf, weil sie die Tänze miteinander soooo seeeeeehr geniessen.

A, b, oder c?
Es gibt noch ein paar andere Situationen, dass man das ganze Alphabet füllen kann 😃 Aber diese hier sind repräsentativ für meine Botschaft.

Und die lautet:

Man darf einen Tanz ablehnen. Man muss auf der Tanzfläche nichts aus purer Höflichkeit und gegen seinen Willen tun. Aber versuchen wir doch unsere Umgebung wie Menschen und nicht wie Objekte zu behandeln.

Die Situation b) zeigt uns deutlich, dass es völlig in Ordnung und auch verständlich ist, warum sie in dem Moment nicht tanzen will. Thomas kann es emotional sehr gut verarbeiten und bezieht es nicht auf seine Person. Er bleibt der Tanzszene erhalten und tut weiter sein Bestes, ein wertvolles Mitglied der Community zu werden. Alle happy!

Der Fall c) zeigt die Heldin-Situation! Sie wird seine Heldin des Abends, und er wird noch mehr gestärkt in seinem Vorhaben, ein toller Tänzer zu werden. Die Erfahrung, die er genossen hat, vergisst er nicht und bald darauf macht er dasselbe mit neuen Anfängerinnen in der Szene. Er tanzt immer wieder mit ihnen unterstützt sie auf ihrem Weg. Sie wiederum werden immer besser und besser und so weiter und so weiter…

Versteh mich bitte nicht falsch: im Social Dance geht es uns nicht primär um die Leistung – besser, schneller, mehr Figuren… Es sind oft Tänze für die Damen viel angenehmer, in denen sie nicht so viel durch die Gegend gewirbelt werde und nicht so viele Figuren getanzt werden. Aber wenn der Tanzherr ein Tanzgentleman ist und versucht sie aufmerksam zu führen und auf ihre Bewegung einzugehen, wird der Tanz für sie beide sehr angenehm. Das kommt wiederum normalerweise mit der Routine. Normalerweise.

Nur zur Info, ich bekomme auch regelmässig Tanzkörbe. Das passiert uns allen. Aus unterschiedlichsten Gründen, die wir verstehen oder nicht. Solange aber der Korb nett und verständnisvoll „verpackt“ ist, ist alles im hellgrünen Bereich!

Der Fall a) ist einfach ein wenig respektlos. Wie gesagt, man muss nicht alles tun, nur weil man danach höflich gefragt wurde, aber man kann höflich und nett antworten, ohne die Emotionen des anderen zu verletzen. Es braucht nur ein wenig Aufmerksamkeit. Nicht einmal viel…

(Und dabei haben wir die wirklich schlimmen Situationen, die uns so zugetragen werden ausgelassen. Wie z.B. dass ein Mann zu einer Anfängerin Mitten in einem Tanz gesagt hat „Du tanzt scheiße!“ und daraufhin sie auf der Tanzfläche einfach stehen ließ)

Wir schöpfen viel Kraft und Lebensinspiration aus dem Tanz. Deswegen sollten wir auch ein wenig zurückgeben. Zurück ins Tanzuniversum. Das füttert uns wieder alle retour 😃 Und die Welt wird ein besserer Ort. Zumindest die Tanzflächen dieser Welt. Ist schon ein guter Anfang.

Wir alle „jagen“ nach den besten Tänzen des Abends und das ist mehr als OK. Versuchen wir dabei nicht über Leichen zu gehen und denken wir an die besten Tänze in einer Woche oder in einem Jahr, denn…

die Anfänger von heute sind die Stars von morgen.

Das habe ich von Salsaland-Blog schamlos geklaut. 😃 Übrigens ein sehr empfehlenswerter Salsablog!

In diesem Sinne hoffen wir auf ein respektvolles und nettes Miteinander auf den Tanzflächen dieser Welt.
Meistens allerdings lesen das „die falschen“ Leute, sprich, die die es eh wie empfohlen praktizieren. Deswegen bitte ich dich den Artikel zu teilen, damit es möglichst viele zu Gesicht bekommen. Damit könnte es mehr c) und weniger a) werden 😃

P.S. Disclaimer: Maria und Thomas stehen repräsentativ für die Szenen und sind eigentlich „geschlechtsneutral“. Denn oft werden uns Situationen erzählt die genau in umgekehrter Geschlechterrolle wie gerade beschrieben passieren.

Dance & Make A Difference & Change the world to be a better place!