Gleich zu Beginn eine Frage: Woran erkennt man auf welchem Level eine Person tanzt? Wie fortgeschritten ist der- oder diejenige?

An Komplexität der Moves?
An Variantenreichtum?
An Musikinterpretation?
An dem fancy Styling?
An der Optik?
All die Punkte?

Zu allgemein die Frage?
OK, ich stelle die Frage jetzt ein wenig spezifischer:

Stelle dir vor, einer der beiden ist ein Anfänger und die andere Person ist sehr fortgeschritten.
Sprich, die ganze Komplexität und die Figurenkreativität auf einem hohen Level fallen mal weg…

Wie erkennst du jetzt, wer der Fortgeschrittene von beiden ist?

Jetzt kommt es sicher: die fortgeschrittene Person (Leader oder Follower) bewegt sich mit viel mehr Qualität und Routine. Ja, das steht mal fest.

Aber ich komme jetzt zum Punkt –

Für mich macht es einen großen Unterschied, wie ein Social Dancer mit den Standard Basic Moves umgeht.

Was macht er oder sie aus diesen? Werden sie immer auf die gleiche Art und Weise vertanzt oder werden diese „Standardsituationen“ doch immer wieder  in einen anderen Kontext gebracht?

Die Frage aller Fragen: Wie kreativ kann man werden, ohne das Niveau dieser Basics zu verlassen?
Wie zum Beispiel, wenn man mit einem Beginner tanzt…

Noch nicht klar worauf ich hinaus will? Kommt noch… Bleib´ bei mir…

Hunger nach neuen Moves

Ich sehe immer wieder bei den TänzerInnen eine Eigenschaft, die zwischen Improver und Intermediate/Advanced Niveau „schweben“ – Hunger nach neuen Moves!
Es ist nur zu verständlich. Man hungert nach dem Gefühl der Abwechslung, Kreativität und Variantenreichtum. Man will immer mehr coole Moves lernen.
Mehr Figuren.
Mehr Drehungen.
Mehr Schritte.

Das gehört dazu… Das ist auch OK. Ich war/bin auch so…
Ich bin vielleicht fortgeschritten in einem Tanzstil, aber noch Anfänger in einem anderen, Intermediate im dritten usw. Das ist das Los eines Multiple-Style-Dancers. 😉

Die Frage ist nur, wie komme ich zu diesen neuen Moves? Wo bekomme ich sie her? YouTube? Tanzschule? Beides?
Eine wichtigere Frage wäre, ob diese immer wieder neuen Moves zu meinem Tanzniveau passen? Muss ich neue Skills lernen, um sie auszuführen? Und welche? Wieviele neue Skills brauche ich dafür?

All diese Fragen… Dabei wollten wir einfach nur ein wenig tanzen, und jetzt komme ich mit diesem Artikel daher und mache alles kompliziert…

Ganz im Gegenteil – ich will eigentlich, dass du dich auf diese simple Basic Moves „besinnst“, die du bis jetzt hoffentlich  kennst oder kannst und mehr aus ihnen machst, bevor du dir komplett neue und komplexere Figuren aneignen willst.

Zurück zu unserer ersten Frage – wie erkennt man einen fortgeschrittenen Social Dancer?

Antwort: es ist die Art, wie er oder sie die Basic Moves tanzt. 


Wie kreativ man mit den Basic Moves umgehen kann, ohne das Level des Tanzes unbedingt auf das nächste Level zu heben.
Auf wieviele Arten und mit welchen unterschiedlichen Handhaltungen kann ich eine simple Damendrehung tanzen, ohne meinen Partner zu kompromittieren?

Für mich gehört das zu den magischen Eigenschaften eines jeden guten Social Dancers – egal ob Mann oder Frau.

Denn Basic Moves sind keine „Anfänger Moves“!
Basic Moves sind Sprungbretter unserer tänzerischen Kreativität.

Jeder Tanzstil hat so seine 5-10 Standard Elemente, die die Basis für alle anderen weiteren Figuren bieten.
Bevor du multiplizieren lernst, solltest du zuerst richtig gut addieren können, oder?

Fakt ist – die meisten TänzerInnen unterschätzen die Wichtigkeit der „Politur“ dieser Standard Moves und fangen zu schnell mit dem „Multiplizieren“ an, ohne das „Addieren“ verstanden zu haben.


Die ganz fortgeschrittenen TänzerInnen wissen es – die Magie des Social Dance liegt in diesen Basics.

Die Magie des Social Dance liegt im wahren Beherrschen der Basics und der Fähigkeit, dieselben viel attraktiver ausschauen zu lassen, als sie in der Ursprungsversion sind.

Okeeeeeeeey, schon verstanden!!!!
Und was schlägst du jetzt vor? Soll ich immer wieder dieselben 5 Elemente hintereinander tanzen bis ich blau werde? Ha!!?“

Könnte helfen, aber nein, das will ich nicht! 😉

Die Strategie


Jedes dieser Elemente hat 1-3 kritischen Punkte, die immer erfüllt werden müssen, damit ihre Funktion erfüllt ist. Merkst du dir diese kritischen Punkte, bist du schon auf einem richtig guten Weg.

Allerdings, was passiert wenn du die Handhaltung veränderst und das gleiche Basic Element im neuen Kontext tanzen willst? Oft verändert sich dabei ziemlich viel.
Aber eines bleibt gleich – die kritischen Punkte von diesem Element.
Sie sind wie Naturgesetze, sie verändern sich nicht.

„Und was heisst das jetzt im Klartext?“

Das heisst, dass ich es für viel klüger halte, dass man versuchen sollte herauszufinden, auf wie viele Arten man eine simple Damendrehung tanzen kann, bevor man sich denkt: „Was gibt es noch für Moves da draussen?“

Konkret, probier mal mit deinem Partner oder deiner Partnerin alle möglichen Handhaltungen in den  3-5 Basic Elementen aus. Du wirst gleich sehen, dass mit jeder neuen Handhaltung auch neue Ein- und Ausgänge entstehen, an die du wiederum die nächsten Basic Moves anknüpfen kannst, die wiederum die nächsten Variationen hervorrufen, usw…
Gleichzeitig wirst du bei aller Kreativität, die dabei entsteht, immer wieder an die kritischen Punkte eines jeden Basic Elements erinnert.

Das ist auch die schönste (Neben)Wirkung dieser Strategie – wir befinden uns damit  auf einem Weg weg vom nur Kennen hin zum Können und schlussendlich auch zum Beherrschen.

Mit dieser Strategie könntest du mit nur 5 Basic Moves ein ganzes Lied tanzen, ohne dabei eine Variante zu wiederholen. So viele Möglichkeiten bieten sich an, ohne wirklich neue Elemente und Drehungen lernen zu müssen.

Vorteile dieser Herangehensweise

Wenn es immer noch nicht klar ist ist, wieso die Kreativität mit den Basics so super ist, hier noch einmal ein paar Vorteile dieser Herangehensweise:

  1. Die Basic Moves erscheinen in einem vollkommen neuen Licht.
  2. Die eigene Kreativität wird gefördert.
  3. Man kann mit den Beginner tanzen und trotzdem (oder gerade deswegen) ein erfülltes Tanzgefühl haben.
  4. Die Sicherheit und Routine wird dadurch gefördert.
  5. Die Follower bekommen mehr Chancen, um ihr Styling einzusetzen. Bei den komplexen Figuren ist das etwas schwieriger.
  6. Wenn sich diese Art zu tanzen irgendwann automatisiert, bekommt man freie Ressourcen, um sich mehr auf den Partner konzentrieren und mit ihm oder ihr mehr interagieren zu können.
  7. Die Fähigkeit mit vielen unterschiedlichen Partner tanzen zu können steigt enorm.

Gibt es auch Nachteile?
Ehrlich, ich weiß es nicht! Ich kenne zumindest keine. Und wenn schon. Es gibt so viele Vorteile, dass die Nachteile gar nicht zum Vorschein kommen würden.

Ich sehe aber die Nachteile des „zu schnellen Fortschritts“ immer wieder auf der Tanzfläche. Jungs, die unkontrolliert die Ladies in die unmöglichsten Figurenkreationen ohne Rücksicht auf Verluste „manövrieren“. Auf der anderen Seite die Damen, die sich selbst durch die Gegend führen und eigentlich keinen Leader brauchen würden.

Gehört auch irgendwie zum Prozess.

Aber wir können es jederzeit ändern. Es ist in unserer eigenen Hand.
Es beginnt aber natürlich zuerst im Kopf. Mit dem richtigen Mindset.

Der Rest ist die Magie des Social Dance! 🙂

Master your Basics,

Dance And Make A Difference