Letzte Woche gab es Tipps für die Leader. Im Sinne der Gleichberechtigung muss es natürlich diese Woche einen Artikel für die Follower geben. 😉

Um alle Unklarheiten zu beseitigen, möchten wir noch einmal betonen, dass die Begriffe natürlich gender – neutral sind. D.h. sowohl für Herren als auch für Damen gelten. Da das Tanzpaar in der klassischen Rolle noch immer überwiegend aus einer Damen und einem Herren besteht, und dies auch in einigen Szenen noch zu 99,9% so ist, versuchen wir durch das Wechseln der Begriffe, alle anzusprechen.

Die aufgeführten Tipps und Punkte sollten auf keinen Fall als „Beschuldigungen“ oder „Angriffe“ verstanden werden, sondern helfen, das harmonische Miteinander zu verbessern und die Sicht des Leaders bzw. auch seine Bedürfnisse zu erkennen.
Ich, Conny, beobachte mich ständig selbst und habe auf jeden Fall den einen oder anderen „Fehler“ selbst begangen. Auch durfte ich über all die Jahre mit verschiedensten Tänzern sprechen und dadurch Bedürfnisse und Wünsche erkennen.
Anbei findet ihr die Sammlung meiner Erkenntnisse. 😉

Na dann…es geht los!

1.) Körperhygiene, Parfum, Haare & Co 

Dieser Punkt ist eigentlich selbstverständlich und gilt für alle Menschen, die mit anderen in Kontakt treten möchten. Tanzen ist natürlich ein sehr enger Kontakt und fordert damit ein verstärktes Augenmerk auf dieses Thema.
Wenn man frisch geduscht ist, seine Zähne geputzt hat und mit einem Deo ausgestattet zur Party geht, hat man bereits eine gute Basis.
Natürlich sollte man auch die Schnitte und Materialen gut wählen. Reines Polyester fängt oft im Laufe einer schwitzreichen Tanznacht zu „stinken“ an.

Meist kritisieren wir Ladies die Männer, wenn sie schwitzen. Aber auch wir schwitzen und möchten unserem Gegenüber nicht zumuten, auf verschwitze nackte Haut greifen zu müssen. Deswegen beobachtet euch selbst, welche Stellen am meisten nässen und achtet darauf, die Schnitte der Kleidungsstücke dementsprechend zu wählen. Auch Schweißflecken in bunten Oberteilen sind nicht besonders attraktiv. Hier spielt natürlich die Materialauswahl eine besondere Rolle.

Viele Männer klagen über zu viel Parfum, wenn es sehr aufdringlich ist. Das ist natürlich individuell verschieden, sollte jedoch Beachtung bekommen.
Follower müssen meist viel drehen. Deswegen achte bittet darauf, dass die Haare den Herren nicht verletzen. So könnte ein Rossschwanz zur Peitsche werden, oder offene Haare dauernd den Herren an der Nase kitzeln.

2.) Die Balance halten

Der erste Schritt der Leader ist, das „Führen“ zu erlernen, der der Follower die Balance zu schulen.
Es ist unsere Aufgabe, unseren Körper kennenzulernen, die Bewegungen und Drehungen zu beobachten, und auch immer wieder alleine unser Gleichgewicht zu üben.
Am Anfang einer „Tanzkarriere“ glauben die Follower oft, dass sie sich entspannen können, weil eh die „Leader“ zuerst mal führen lernen sollen.
Das stimmt nicht ganz… denn wir können ihnen die Lernphase und damit uns das Leben erleichtern 😉 , wenn wir von Anfang an und immer wieder an unserer Balance und der Fähigkeit des Drehens feilen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Balance auch in Dips gegeben sein sollte. Bitte „schmeiße“ dich nicht ohne Rücksicht auf Verluste in eine Rückbeugefigur, denn das könnte für dich (und eventuell für den Leader auch) sehr, sehr unangenehm und schmerzhaft werden.

3.) Overstyling 

Ein Klassiker…Ursachen dafür gibt es viele.
Eine meiner Meinung nach sehr häufige Ursache dafür ist eine Disbalance im Lernfokus – man konzentriert sich zu sehr auf die „Linien“ und den eigenen Look als auf die Connection zum Partner und die Harmonie im Paar.
Die Connection jedoch kommt auf jeden Fall vor dem Styling, denn sonst haben wir meistens beide keine „gute“ Tanzzeit.
Es heißt ja Social Dance und nicht Solo Dance. 😉

Das Overstyling wäre nicht so schlimm, wenn nicht der Leader dadurch sehr verunsichert werden könnte.
Deswegen beachte bitte, dass du Styling dort einfließen lässt, wo du dir absolut sicher bist, dass es den Leader nicht stört. Versuche auch deine Umgebung zu beobachten, denn auch NachbartänzerInnen könnten durch große Armbewegungen verletzt werden.

Wichtig ist, sich im Tanzen nicht zu vergessen, jedoch die Aufmerksamkeit zuerst auf die Harmonie und auf das Gesamtbild als Paar zu legen.
Einen Leader im Newcomer Bereich werde ich somit nicht mit dauernden Variationen und exzentrischen Bewegungen in eine unangenehme, verunsichernde Situation bringen, denn ich möchte ihn ja stärken und ermutigen. Somit sind Zurückhaltung und Feingefühl angesagt.

Wogegen ich bei einem sehr fortgeschrittenen Leader durchaus ein wenig experimentieren darf, denn dieser hat die Tools mit diesen Situationen auch dementsprechend umgehen zu können.

4.) Zu schnell sein

Ich weiß, der nächste Punkt ist eine Herausforderung. Wir Follower bemühen uns, möglichst schnell zu folgen, und haben wir es geschafft, ist es dann manchmal „falsch“.
Oft sind wir zu schnell oder machen uns selbständig, ohne dass unser Leader darauf vorbereitet ist, bzw. uns diesen Freiraum als Rahmen gegeben hat.
Als „zu schnell“ empfindet der Leader eine Reaktion, die vor seiner Führung stattfindet. Somit etwas darstellt, was er vielleicht gar nicht wollte.
Diese Situationen verunsichern den Leader und sollten unbedingt vermieden werden. Wir beobachten genau und lassen uns einladen, um dann – wenn wir uns sicher sind – die Bewegung oder den Weg zügig zu tanzen.

Jedoch versuchen wir, dabei unseren Kopf auszuschalten und nicht andauernd über alles nachzudenken.
Denn der Kopf interpretiert oft falsch und lässt und zu Schlußfolgerungen kommen, die der Leader nicht nachvollziehen kann.
Bleib aufmerksam aber entspanne dich, um ohne Vorbehalte und vor allem ohne darüber nachzudenken, die Idee des Leaders aufnehmen zu können.

5.) Die (Ver)Spannung in den Armen 

In vielen Tänzen sind wir über die Arme miteinander verbunden. Auch wenn das Bodylead (Führung durch den Körper) uns schon sehr viel mitteilt, so sind es auch die Arme, die die Kommunikation vervollständig oder auch bei verschiedensten Drehungen übertragen.
Genau deswegen sollten wir auf unsere Spannung in unseren Armen achten. Haben wir Spaghetti – Arme oder sind wir verkrampft? Erleichtert unsere Spannung dem Leader das Führen?

Und wie erkenne ich überhaupt, welche Spannung richtig ist?

Natürlich ist die Armspannung von Tanz zu Tanz unterschiedlich. Dennoch sollte sie weder verkrampft noch zu locker sein. Am besten ist, man achtet darauf, dass zunächst die Ellenbogen möglichst in einer stabilen Position bleiben. Somit sie bei Druck nicht hinter unsere Körperlinie wandern und bei Zug nicht komplett gestreckt werden.

Sei dir bewusst, dass der Leader meist deinen Körper und nicht deine Arme bewegen möchte.
Anders gesagt, je schneller wir erkennen, in welcher Form der Leader unseren Körper (Richtung, Drehung etc.) bewegen möchte, und je schneller wir diesen Vorschlag umsetzen, desto besser.

Verkrampfte Arme erkennt man meist daran, dass sich die Hände nicht mehr leicht und angenehm anfühlen. Dadurch bekommt man auch Verspannungen im oberen Rückenbereich. Als hätten wir vom Sitzen nicht schon genug davon. 😉

6.) Ständiges Korrigieren

Das ist ein absolutes Biggie und gilt für Follower UND Leader.
Unserer Erfahrung nach lösen sich die meisten Tanzpaare, – freundschaften oder –partner genau deswegen auf.
Keiner möchte ständig korrigiert werden schon gar nicht dann, wenn man bei einem Tanzabend eine gute Zeit haben möchte.

Beim eigenen Partner bzw. beim Lebenspartner fällt es am schwersten. Auch ich muss mich immer wieder an der Nase nehmen! 😉

Im Social (Tanzabend, Party etc.) gibt es keinen Platz für Korrektur, außer man wird explizit danach gefragt.
Jede/r sollte sein bestes geben, den Tanz zu einem wunderschönen Moment und Erlebnis werden zu lassen. Sollte es einmal nicht so funktionieren oder auch die Kommunikation nicht stimmen, so helfen wir uns gegenseitig, jedoch OHNE zu sprechen oder den anderen auf seinen Fehler hinzuweisen.

Nein…wir machen das beste aus JEDER Situation! Die besten TänzerInnen sind jene, die mit jedem oder jeder tanzen können. Sie haben die Fähigkeit, dem anderen das Gefühl der Freude und einer Teamarbeit zu vermitteln. Dadurch werden wir beide gestärkt.

Natürlich sollte es Platz für Feedback und Korrekturen geben. Diese sollten jedoch in einem gesonderten Rahmen stattfinden (Kurs, Übungseinheit etc.) und nicht auf einem Tanzabend bei jemandem Fremden, der mich nicht danach gefragt hat.
Sollte ich ihm gerne ein Feedback geben wollen, frage ich ihn auf jeden Fall zuerst, ob er oder sie das möchte.
Eine Ausnahme ist natürlich, wenn der Leader zu grob führt, so dass es zur Verletzung kommen könnte. In solchen Fällen ist es sogar sehr empfehlenswert, ihn vorsichtig darauf anzusprechen.

Und nicht vergessen…Lächeln dabei hilft immer! 😀

7.) Höflichkeit

„Höflichkeit ist wie ein Luftkissen. Es mag zwar nichts drin sein, aber es mildert die Stöße des Lebens.“
Arthur Schopenhauer

Ich liebe dieses Zitat, denn es sagt vieles darüber aus, wie ich bzw. wir Höflichkeit empfinden.

Man könnte es noch durch die Redewendung ergänzen:

„Wie du in den Wald hineinrufst, so schallt es heraus“

Behandle andere, wie du selbst behandelt werden möchte. Lächle, sei freundlich, gib jedem eine Chance und nutze die Gelegenheiten, sich auf andere Menschen einzulassen. Sei proaktiv, motiviert und ermögliche dadurch dem anderen, auf dich zukommen zu können.
Zur Höflichkeit gehört es, Tanzaufforderungen mit einem Lächeln anzunehmen und niemanden auf der Tanzfläche bzw. mitten im Tanz stehen zu lassen – AUßER der andere ist stark alkoholisiert oder hat dich schon zu einer früheren Zeit beleidigt.

Auch wenn der Tanz nicht der schönste deines Lebens ist, so hat es niemand verdient, beleidigt zu werden. Desinteresse fördert Verunsicherung und damit NICHT das besser werden WOLLEN des Leaders.
Auch wenn er einen Fehler macht…lächle ihn an und gib ihm zu verstehen, dass ihr ein Team seid.

Dem Leader das Gefühl zu geben, nicht gut genug zu sein, fördert weder den gemeinsamen Tanz noch die Motivation, dich noch einmal aufzufordern.

Sei dir bewußt, dass jeder einmal beginnen musste, und oft aus einem Newcomer ein wahrer Meister werden kann. Aber er braucht eine freundliche Unterstützung, um als Social Tänzer und Mensch wachsen zu können.

8.) Sei offen und lerne immer dazu!

Auch Follower sollten immer wieder dazu lernen und sich ihren Schwächen stellen. Obwohl der Leader den Rahmen absteckt, so liegt dennoch nicht jeder „Fehler“ an ihm.
Es ist ein Mythos, dass der Leader den Tanz alleine gestaltet und kontrolliert. Hat ein Follower ausgiebiges Training in vielen Bereichen des Tanzes genossen, ist er (sie) natürlich viel fähiger dem Leader zu helfen, den Tanz zu gestalten. Dadurch bekommst du auch die Möglichkeit, Einfluß auf den Tanz zu nehmen, anstatt „nur brav zu folgen“. Dado liebt es, mit produktiven Damen zu tanzen! So kann er immer einen ganz neuen Tanz erleben und wird neu inspiriert.
Beobachte genau, besuche immer wieder einen Workshop oder einen Kurs und tausche dich mit anderen Followern aus. Denn so bleibst du up to date und wirst in der Tanzszene „begehrt“.

9.) Timing und Aktivität

Das Beherrschen des Timings hat oberste Priorität, denn nur so werden wir zu einem begehrten Follower. Übe aktiv – je nach Tanz – auch alleine die Geschwindigkeiten und den Rhythmus. Pass´ auf, wenn du jetzt meinst, dass das hauptsächlich vom Leader abhängig ist. Das ist noch so ein Mythos: „Er kümmert sich schon drum!“ Wenn sich aber der Leader um alles kümmern muss, da bleiben ziemlich wenige Ressource für etwas Wichtiges über – FÜR DICH!

Genau, der Arme ist voll bepackt und kriegt seinen Kopf nicht mehr hoch vor lauter Last auf seinen Schulter.
Jeder ist für das Halten des Timings selber zuständig! (Im Tango ist das Timing natürlich ein breiter und etwas schwammiger Begriff 😉)

Arbeite am Timing, denn so strahlst du auch Sicherheit auf den Leader aus. Damit bist du gleichzeitig leichter „führbar“. Teamwork eben.
Niemand möchte – und bitte entschuldige diesen Vergleich oder Ausdruck – einen Zementsack durch die Gegend schwingen. (Das hat nichts mit dem Gewicht zu tun) Jeder jedoch kann sich vorstellen mit einer Feder zu tanzen. 😉
Ich glaube, mehr braucht man dazu nicht zu sagen. 😉

10) Sei kein Instructor-Snob!

Last but not least sehe ich in der Tanzszene vermehrt das Phänomen aufkommen, dass kein Leader mehr gut genug für so manche Follower ist, außer er ist ein Instructor bzw. bekannter Tänzer.
Natürlich kann ich verstehen, den Drang und den Wunsch zu verspüren, mit jemanden zu tanzen, der besser ist, der über das Tanzparkett schwebt und dich auf Händen trägt.

Aber…“social“ bedeutet so viel mehr. Es bedeutet nämlich auch größer und weiter zu denken. Es bedeutet, die verschiedenste Aspekte einer Gesellschaft zu erkennen und manchmal auch das Wohl des Einzelnen zum Wohle einer Gemeinschaft hinten an zu stellen.

In einem Tanz geht es nicht nur um den Tanz an sich, sondern um die Verbindung in einem Augenblick. Um die Kommunikation und die Fähigkeit viele unterschiedliche Facetten zu erkennen.

Genau deswegen ist es so wichtig:

  1. Newcomer zu fördern, denn das sind die Meister von morgen
  2. Durch unterschiedliche Leader verschiedenster Könnensstufen zu lernen, denn so kann ich möglichst viele Bereiche und Fähigkeiten meines Tanzens verbessern
  3. Menschen eine Chance zu geben, die nicht „perfekt“ erscheinen, denn genau die können dich manchmal überraschen
  4. Zu erkennen, dass jeder „nur“ ein Mensch ist, egal welche tänzerischen Fähigkeiten er besitzt.
  5. Zu teilen. Zu geben. Sei es Freude, Wissen, Zeit oder Aufmerksamkeit… Der „nehmende“ schätzt es mehr als du glaubst und gibt viiiiieeeeeel zurück!

 

Die Liste könnte noch um einige Punkte verlängert werden, aber Dado und ich sind uns einig, dass diese wohl die häufigsten von Leadern erwähnten sind.
Wir hoffen, du kannst die Informationen für dich nutzen, sie an Interessierte weitergeben oder vielleicht noch durch deine Erfahrungen ergänzen.

Wir würden uns auf jeden Fall freuen, wenn sie als Diskussionsgrundlage dienen und vielleicht den einen oder anderen Kommentar hervorrufen. 😉
Gerne stehe ich natürlich auch für eine persönliche Diskussion, für Tipps oder Feedback jederzeit gerne zur Verfügung! Sprecht mich einfach an, und ich werde versuchen, euch mit meiner Erfahrung so gut wie möglich zu unterstützen!

Das Wichtigste ist für uns – und das ist sicher oft im Leben so – darüber zu sprechen und bestimmte Punkte zu thematisieren, um das Zusammenleben bzw. – tanzen noch angenehmer zu gestalten!

In diesem Sinne freue ich mich schon auf deine Meinung!

Nobody´s perfect and that´s OK,

just Dance And Make A Difference,

Conny

 

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