Jetzt kommt´s:

Du mußt es fühlen!

Oh, alles klar! Wieso sagst du nicht gleich: „Du mußt beginnen fantastisch zu tanzen!“ 

Denn dann kann ich beides gleich erledigen!

Wie mich dieser Satz auf die Palme bringt, wenn ich ihn immer wieder höre – meistens von Festival-Instruktoren.
Wäre nicht der Instruktor die Person, die uns dieses Gefühl, bzw. den Weg dorthin vermitteln sollte? Wieso muss ich das jetzt auf einmal einfach so fühlen? Wie fühlt man überhaupt?

Das sind alles Fragen, die ich in diesem Moment der unterrichtenden Person stellen würde. 

Dieser Satz bedeutet rein gar nichts, wenn man ihn einfach so ohne Erklärung und Backup in die Runde hinknallt. Er frustriert nur die Teilnehmer – zumindest meiner Meinung nach.
Vor allem frustriert es die, die das Gefühl noch nicht haben. Es gibt immer Leute, die in diesem Moment nicken und den oder die InstruktorIn in diesem Satz bestätigen. Das sind by the way die, die dieses Gefühl bereits kennen und besitzen.
Für sie ist es logisch. Alle anderen sind verwirrt.

Die Verantwortung des Lehrers

Ich finde sehr wohl, dass es die Verantwortung des Lehrers ist, das Gefühl, von dem ich hier spreche, zu vermitteln.
Er oder sie sollte alle möglichen unterschiedlichen Wege zu diesem Gefühl suchen, um unterschiedlichen Lerntypen den Unterricht zu eröffnen. Ein Zugang erreicht nur eine Gruppe im Kurs.
Viele Wege führen nach Rom. Je mehr Zugänge die lehrende Person in seinem Repertoire zu ein und demselben Thema besitzt, desto versierter wird sein oder ihr Unterricht.
Das ist sicherlich eine große Herausforderung, aber es zahlt sich sehr aus.

Das Problem

Diesen Satz höre ich meistens von den Native Instruktoren bei den Festivals. Das sind Leute, die mit dem Tanz praktisch aufgewachsen sind und dieses berühmte Gefühl in die Wiege gelegt bekommen haben. Das ist ein großes Geschenk, natürlich. Sie haben das Gefühl praktisch automatisch, was es wiederum für sie schwerer macht, die Beginner vollkommen zu verstehen und sie von dort, wo sie sind abzuholen. 

Das bringt mich zur zweiten Gruppe der Lehrer, die den Titel-Satz aussprechen – das sind die, die hauptsächlich bei den Festivals unterrichten und nicht viel oder gar nicht mit den AnfängerInnen und ihren Herausforderungen zu tun haben. Auch verständlich…

Das ist alles vollkommen in Ordnung. Diese Tatsache alleine macht diese Leute nicht zu schlechten Instruktoren. Dort will ich gar nicht hin. Da gehört schon mehr dazu.
Ich kann auch nicht garantieren, dass ich in meinen frühen Jahren des Unterrichtens diesen Satz nie gesagt habe. Inzwischen weiß ich es besser und mache es eben anders. 😉

Was tun?

Du als Lernende kannst aber immer die Aussagen hinterfragen, die ein Lehrer tätigt. Gute und interessierte Lehrer lieben das. 

Wenn du diesen „Gefühl-Satz“ hören solltest, trau dich zu fragen: „Und wie komme ich zu diesem Gefühl?“ „Gibt es eine Übung dazu, die ich machen kann?
Das sind keine provokanten Fragen, da drinnen ein ICH Vorkommt. Sprich, mit dieser Art Fragen zeigst du, dass du willig bist, daran zu arbeiten, und erwartest nicht von der lehrenden Person, dass sie es „in dich hinein spritzt“. 

Fragen wie: „Wieso sollte ich XY tun?“ sind die besten, da sie nicht den Lehrer und seine oder ihre Person sondern den Tanzstil und seine Struktur hinterfragen.
Wenn es der Instruktor doch persönlich nehmen sollte, dann könnte es ein Anzeichen für fehlende Kompetenz sein. 

Gibt er oder sie öfters eine konstruktive und verständliche Antwort auf diese Fragen, halte dich an diese Person fest. Denn sie geht das Ganze bedacht und strukturiert an und ist willig, die Herausforderung des gemeinsamen Wachstums (Lehrer und Schüler) anzunehmen.

Das sind großartige Lehrer. 

Fazit

„Das Gefühl“ ist ein Weg, ein Prozess, der entwickelt werden muss. Es kommt meistens nicht auf einmal, auch dann wenn du das glaubst. Es kommt schleichend – durch Konditionierung, Wiederholung und Training hervor gerufen.
Dieses Gefühl hängt von vielen Faktoren ab, die erst in eine Resonanz treten sollen.
Es braucht Geduld und leider oder zum Glück auch Zeit.

In der heutigen Instant-Welt, wo man vieles sofort bekommen kann, gibt es noch viele Sachen oder Eigenschaften, die erst über die Zeit entwickelt werden müssen, bzw. dürfen. 

Da gibt es diesen Satz: 

Je mehr wir wissen, desto mehr wissen wir, was wir alles noch nicht wissen. (Sokrates)

Es ist ähnlich mit dem Gefühl im Social Dance: 

Da ist noch viel mehr, wo dieses Gefühl hergekommen ist. 😉

Also,

Find the way how to feel it,

Dance And Make A Difference