Dance Festivals (in welchem Tanzstil auch immer) haben in den letzten 10 Jahren eine richtige Renaissance erlebt. Fast jede kleine oder größere Stadt beherbergt ein jährliches Festival, dem die ganze lokale (oder auch internationale) Szene entgegen fiebert.
Finde ich diese Entwicklung gut?
Natürlich tu ich das!

Durch diese „Festivalindustrie“ hat sich Social Dancing unglaublich weiter entwickelt. Das Tanzwissen ist seeeeehr viel zugänglicher geworden als vor 10 oder 15 Jahren. Und das ist einfach nur super!

Die 5 Vorteile von Festivalbesuchen habe ich bereits in diesem Artikel aufgeführt
Aber jetzt kommt´s… Du spürst wahrscheinlich, dass etwas zwischen den Zeilen hängt, dass nicht ausgesprochen wurde. Damit hast du auch recht! 😉

So wie bei allem anderen auch, gibt es Vor- und Nachteile.

Es gibt so einen Mythos oder einfach einen Irrglauben (meines Erachtens), dass es völlig ausreicht, Festivalworkshops zu besuchen, um Tanzen zu lernen.

Ein klares JEIN!!! 🙂

Mentoring im Social Dance

Es ist für deinen Lernerfolg im Social Dance extrem wichtig, eine gute lokale Schule (oder eine lehrende Person) zu haben, die dich in deinem Lernprozess begleitet und aufbaut. Eine Person, die nach einem Konzept unterrichtet, die dich von A nach B zu C und so weiter bringt.
Jemanden, der dich zu einem Social Dancer führt, der oder die die notwendigen Skills verfügt, die auf der Tanzfläche lebensnotwendig sind. Ein wenig dramatisch, ich weiß. 😉

Was ist diese Person dann für dich?

Ein Mentor!

Ein Mentor (oder eine Mentorin) begleitet dich und gibt dir den notwendigen Input zur richtigen Zeit. Gleichzeitig ist ein Mentor auch jemand, der dir  Zeit gibt, wenn du sie brauchst, um auf das nächste Level zu kommen.

Unser Ziel ist es, dass auch unsere Tanzschule so ein Ort für unsere TänzerInnen ist. Ich sage nicht, dass das immer und für jeden so stimmt, aber wir tun alles mögliche, um dies zumindest vielen zu ermöglichen.
Die Frage aller Fragen:
Kann man diese Art von Mentoring bei den Festivals bekommen?
Die Frage beantwortet sich von selbst, glaube ich.
Denn diese Aufgabe sollen die meisten Festivals auch gar nicht erfüllen. In meinem bereits erwähnten Artikel schreibe ich, was man sehr wohl bei den Festivals erwarten darf

UND…wenn du weiter liest, bekommst du noch ein paar hoffentlich hilfreiche Tipps, wie du gerade deswegen, die „richtigen“ Festival – Workshops für dich aussuchst!

Allerdings benötigt ein in sich aufbauendes fundiertes Wissen und die dazu die nötige Begleitung  Zeit, und dafür ist ein Wochenende meist zu kurz. Am besten bekommt man diese “ Basis“ in einer lokalen Schule deines Vertrauens. Ich hoffe für jeden, dass er so jemanden in seiner Nähe auch findet. 😉

Ein Disclaimer:
Es ist natürlich sehr wohl möglich, ohne lokale Schule und diese Art von Mentoring, das ich gerade beschrieben habe, ein sehr guter Social Dancer zu werden. Klar.
Aber das passiert meist TROTZ der Tatsache und nicht WEGEN dieser. 😉
Ausnahmen gibt es natürlich immer!
Für die meisten allerdings – sofern wir es in den letzten 12 Jahren beobachten durften – ist der Weg ohne lokale Unterstützung sehr schwer, lang und meist auch frustrierend.

Somit würde ich einen Verzicht lokaler Unterstützung  nicht empfehlen, wenn es nicht unbedingt sein muss.

 

Um das für sich, für seine Bedürfnisse, Level, Erfahrung und Erwartungen passende Festival zu finden, ist es wichtig, sich den verschiedensten Arten von (Tanz-) Workshops bewusst zu werden.

Oft erkennen wir, dass den TänzerInnen gar nicht bewusst ist, welcher Workshop welcher Kategorie und damit welchen Erwartungen entspricht.

Anbei ein kurzer Überblick, um in Zukunft besser wählen zu können. 😉


Die drei Arten von Workshops

Es gibt verschiedene Arten von Workshops. Man könnte sie in die folgenden Kategorien ordnen:

Konzeptuelle Workshops

Das sind Workshops, bei denen der Unterricht einem gewissen Konzept folgt, das dem Schüler immer klarer wird.
Je einfacher und auf dem Punkt gebracht desto besser.
Hier ist die Idee, den Schülern ein Konzept anzubieten, mit dem sie weiterarbeiten und selbst Dinge, Moves und Freude kreieren können. Sie bekommen quasi die Legosteine und eine Bedienungsanleitung, wie sie spezifische Sachen bauen können anstatt  ein fertiges „Spielzeug“ in die Hand zu bekommen.
By the way, unsere bevorzugte Art der Workshops. (auch im eigenen Unterricht natürlich)
Diese Art Workshops ist unserer Meinung nach für jeden Tänzer brauchbar und sehr nützlich.

Input Workshops

Hier geht es nicht um das Know How, um Taktiken und Strategien, sondern einfach um Vermittlung cooler Moves. Input, Input, Input!
Es wird nicht viel  erklärt, sondern den Fokus auf das WAS und nicht auf das WIE gelegt.
Es ist auch manchmal heilend, bei so einem Workshop dabei zu sein. No Bullshit, no Blabla – just Moves.
Diese Art von Workshops ist nur für Leute sehr cool, die bereits einen großen Teil des technischen Know Hows besitzen und einen neuen kreativen Input brauchen. Viele Besucher wünschen sich eine Challenge und etwas, das sie aus ihrer Barrieren befreit, die sie sich vielleicht in der langen Zeit, in der Sie tanzen, aufgebaut haben. Sie brauchen keine Technik mehr. (oder glauben es zumindest). Sie haben sie bereits erlernt, probiert und oftmals umgesetzt. Sie beherrschen diese quasi.
Das muss noch kein hohes Level bedeuten.
Diese Art von Workshop können natürlich für jedes Levels aufgebaut werden, solange das Level der Teilnehmer gut eingeschätzt wird, und der Input das Level der Teilnehmer nicht übersteigt. Besonders wirkungsvoll sind diese Stunden dann,  wenn mit den Fähigkeiten gearbeitet wird, die bereits vorhanden sind.

Auf einem hohen Level könnte man diese Stunden Master Class nennen. Oft wird das aber verwechselt…
Es gilt dabei eine Frage zu beantworten:
Sind die Leute im Workshop bereits „Master“ oder sollen sie durch den Inhalt dieses Workshops zu „Mastern“ werden?

Eine wichtige Frage, die nicht immer klar beantwortet wird…

Inspirierende Workshops

Das sind die Game Changer!
In diesen passieren diese A-ha Momente, die deine bisherige Wahrnehmung oder bisherigen Gefühle über ein bestimmtes Thema verändern. Das sind Workshops, die dir lange in Erinnerung bleiben werden. Durch diese Art Workshops wächst du als TänzerIn und Person. Inspirierend eben.

Bei all der Technik und Know How, bleibt Tanzen eine Kunst. Und sie entdeckt man, wenn man auch sich selbst und seine Umgebung entdeckt. Auch im Social Dance ist das sehr wichtig, da du darüber hinaus auch noch mit einer zweiten Person in einen intensiven Kontakt trittst. Je mehr wie übereinander wissen (wollen), desto fähiger sind wir, auf der Tanzfläche wahre Künstler zu werden. Simpel…und komplex gleichzeitig. 🙂

Natürlich gibt es auch alle möglichen Kombinationen von diesen drei Varianten.

Fazit

Erwartungen sind ein kompliziertes Pflaster. Sie entscheiden oft, ob wir mit Erfolg oder Verlust und demnach mit einem guten oder schlechten Gefühl nach Hause gehen. Sie bestimmen oft unsere Realität. Falsche Erwartungen hindern uns an dem Genuss der Gegenwart.

Um das zu verhindern, ist es gut, ein klares Bild zu bekommen, was man sich in seinem Tanzen und zu welcher Gelegenheit wünscht.
Was kann ich von meinem lokalen Lehrer erwarten, was von einem Social, was von einem Workshop, Festival oder Event im Allgemeinen? Hat man davon bereits im Vorfeld ein halbwegs klares Bild, geht man mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Gewinn nach Hause.
Sagt sich so leicht, ich weiß.

Ich hoffe aber, dass dieser Artikel ein wenig zu dieser Klarheit verhelfen konnte. 😉

Wir sind gerade selbst beim Mambo City Congress in London, wo ich gerade heute alle drei Arten von Workshops erlebt habe. Manchmal auch unerwartet. 🙂

Aber sie haben alle ihre Berechtigung… Sofern es im Vorhinein klar ist, was man erwarten kann. Diese Verantwortung liegt sowohl bei den Organisatoren als auch bei den Instruktoren. Das ist ein guter Zeitpunkt, ihnen einen kleinen Wink zu schicken. 😉

Tolle Festivals setzen diese drei Arten der Workshops bewusst ein und setzen so den Workshopplan auf, damit es eine „gesunde“ und interessante Mischung für jeden gibt.
Auch wenn ein Dance Festival alleine keine Wunder für dein Tanzen vollbringen kann (das kannst nur du 😉), rate ich jedem und seinen Nachbarn, immer wieder welche zu besuchen, wenn es irgendwie geht.

Zusätzlich zu deinem lokalen Lehrer oder deiner Schule ist das DIE Art der Weiterbildung und Inspiration, die wir alle brauchen, um ein Stück weiter zu kommen, als wir gestern waren. Und so ein Festivalbesuch kann da einiges bewirken.
So viele neue Bekanntschaften, Tanzerfahrungen und Begegnungen, die dich in kurzer Zeit unglaublich motivieren und inspirieren können.

Also, welches ist dein nächstes Festival, dass dich in deinem Tanzen weiterbringt? 😉

Go to Festivals,

Dance And Make A Difference