Ein Klassiker auf dem Social Dancefloor: ein sehr guter und erfahrener Tänzer fordert eine Anfängerin zum Tanzen auf. Ihr Gesicht wird zuerst grün, dann lila und dann wird sie käsebleich. Irgendwo dazwischen kommt sicher auch Freude vor, sie ist nur nicht ganz spürbar…
Es kann genauso auch umgekehrt passieren – eine erfahrene SIE tanzt mit einem unerfahrenen IHN…und genau um dieses Situation geht es in diesem Artikel. 😉
Punkt ist – beide AnfängerInnen bekommen in diesem Moment Stress und fühlen eine gewisse Verunsicherung und Nervosität.
Den Männern ist es oft peinlich, weil sie immer glauben, sie können zu wenig Figuren und Drehungen und die Ladies glauben oft… na ja… dass sie zu wenig Figuren und Drehungen kennen und können…

Ein Klassiker…

Muss ich viele Moves kennen oder können?

Was ist, wenn ich dir sage (äh, schreibe), dass die Tatsache, wieviele Figuren man kennt oder kann mit dem Ganzen wirklich nichts zu tun haben muss?

Richtig verstanden – wir müssen auch nicht unbedingt alle Worte kennen, die jemand ausspricht, um trotzdem den Sinn dahinter verstehen zu können, oder? Wir können uns verständigen. Weil wir die grundlegenden Prinzipien der Kommunikation verstehen (meistens 😉).

So ist es auch im Social Dance – es geht, meiner Meinung nach darum, die Prinzipien der Kommunikation zu verstehen, nicht unbedingt viele Moves zu kennen.

Ja, es ist natürlich leichter, wenn man die Moves kennt. Klar!

Aber wer kennt schon alle Moves? Kennst du alle Wörter der deutschen Sprache? Ich sicher nicht. So integriert bin ich auch wieder nicht, haha! 😂

Aber ich kenne alle Buchstaben und die Prinzipien, wie man sie miteinander kombiniert und Worte und Sätze bildet. Yay! Das reicht mal für eine lange Zeit… Die neuen Worte, äh… Moves lernt man auf dem Weg…
Was heisst lernt man? Wenn du die Prinzipien verstehst – kreiert man sie selbst!
Toll, gell?

Jaaaaa, da ist nur eine unbedeutende Frage… WIE?!

Genauuuu! Hätte ich fast vergessen! 😉

Die 5 Tools für Leader

Für Leader (und Follower natürlich) gibt es ein ganzes Set Tools und Kriterien, auf die man sich besinnen soll, um für eine klare Kommunikation auf der Tanzfläche zu sorgen.

Wenn du diese an sich simplen Tools anwendest, kehrt wieder Farbe in dein Gesicht, falls du die Person bist oder warst, die gerade mit einer viel besseren Partnerin tanzen sollte.

Für Leader ist extrem wichtig, für den Auf- und Ausbau einer Komfortzone bereits am Anfang des Tanzes zu sorgen. In dieser Komfortzone strahlt er (und sie auch) Sicherheit und Ruhe aus. Alles darüber hinaus ist ein Bonus.
Okeeeeeey, ABER WIE?!

Stimmt, ich plappere schon wieder zu viel drum herum… los geht´s!

1. Besinne dich auf das korrekte Timing und den richtigen Beginn des Tanzes

Für fortgeschrittene TänzerInnen ist Timing an allererster Stelle. Ihnen selber fällt dies leicht und natürlich und sehen sie es als selbstverständlich. Wenn sie mit einem Anfänger tanzen, der das Timing nicht intus hat, wird dadurch ihre „perfekte Welt“  gestört und steht damit der Freude am Tanzen im Weg. Dies ist leider eine Tatsache.

Also, besinne dich auf das Timing und vor allem auf den richtigen Beginn überhaupt.

Gib dir am Anfang des Tanzes ein paar Sekunden mehr Zeit, als du für notwendig empfindest, um sicher den Einstieg zu „erwischen“. Hier passieren die meisten Timingfehler und es ist sooo einfach, diese zu vermeiden – höre ein paar Takte länger die Musik an, damit du sicher bist und los!

2. Den Fokus umprogrammieren

Zu oft denken wir Leader sofort an die Moves, die wir können (sollten) und möchten diese gleich am Beginn umsetzen.
Abwarten!
Zumindest am aller Anfang…

Ich meine es ernst. Probiere, dieses Bedürfnis, sofort mit Figuren loszulegen zu zähmen!
Ich habe lange gebraucht, bis ich dies bei mir umprogrammiert habe und bin sehr froh darüber. Und meine Partnerinnen glaube ich erst recht…

Du sollst dich viel eher auf das korrekte Timing fokussieren und auf die ersten einfachsten Basic Moves konzentrieren, die du (hoffentlich) automatisch und gut kannst. Nicht zu kompliziert und zu weit nach vorne schauen.
Das gibt dem Tanz (und auch jeder guten Geschichte) ein sanftes und fliessendes Intro.

3. Grundschritt vermeiden

Das ist ein Biggie! Und eine Herausforderung, wenn du nicht so lange tanzt, ich weiß… Aber es macht einen großen Unterschied. Probiere mal zwei oder maximal drei der einfachsten Elemente möglichst bald so hintereinander zu kombinieren, dass diese fast zu deinem Grundschrittersatz werden.

Das kostet ein wenig mehr Anstrengung, aber dieser Tipp lässt dich sofort zwei Levels höher ausschauen und anfühlen.

Wenn du mehrmals hintereinander den Grundschritt tanzt, baut sich eine komische Stimmung über dem Pärchen auf – die Luft steht irgendwie still. Wir wissen, was mit der Luft passiert, die still steht – sie fangt an, schwer zu werden und es beginnt zu miefeln. 😀

Also bewege sie ständig. Dies wird dem Tanz einen Flow und eine gewisse Leichtigkeit und Dynamik verleihen. 😉

4. Klare Führung aus dem Oberkörper, nicht aus den Armen

Egal in welchem Tanz, das ist ein Klassiker – die Leader reissen ihre Moves mit den Armen, anstatt aus ihrem Oberkörper zu führen. Je schneller du das begreifst und auch umsetzt, desto schneller wirst du den Klub der „reissenden Anfänger“ verlassen.

In diesem Video haben Conny und ich eine der leichtesten und besten Übungen dafür vorgestellt. Diese ist so einfach und so powervoll, dass es oft übersehen wird. Schau es dir an, aber Achtung – es könnte dein Tanzen transformieren. 😉

Stell die vor, wie ein Vater sein Neugeborenes in den Armen hält: sicher und bestimmt aber behutsam und ohne das Baby zu zerquetschen oder ihm mit Druck Weh zu tun…Das kommt dem Gefühl des angenehmen Leads ungefähr nahe.

Vielleicht hilft diese Vorstellung im Kopf, um deine Einstellung dazu zu ändern. 😉

Denke bitte darüber kurz nach:

Die meisten Fragen, was sie tun sollten, aber die wenigsten, was sie nicht tun sollten.

Manchmal ist sogar wichtiger zu wissen, was man nicht tun sollte, als was man tatsächlich tut. 😉 Verwirrend, ich weiß.
Damit meine ich zum Beispiel unnötige Armbewegungen des Leaders beim Führen, die die Follower verunsichern und verwirren. Dies fühlt sich wie das Rauschen im Radio an, wenn die Station nicht richtig gewählt wurde… Es ist nicht so klar…
In diesem Artikel erfährst du wie man diese unerwünschte Bewegungen loswerden könnte.

Also, bewege die Arme wirklich nur dann, wenn es auch (für die Führung) notwendig ist. Sonst sollte man probieren, sie ruhig zu halten und kontrolliert zu bewegen.
Easy? Leider nein…
Wichtig? Leider ja…

Noch ein kleiner aber extrem wichtiger Tipp:

5. Leader sollten viel eher ihren eigenen Körper bewegen und nicht den des Followers.

Die Follower folgen eh der Bewegung unseres Oberkörpers. Sie wollen es ja…Wir müssen nur darauf vertrauen können. Tun wir das nicht, beginnen wir mit Armen zu führen und werden dadurch grob in den Augen der Ladies… Schade…

Es ist eher eine Frage des Mindsets als eine Frage der „richtigen Bewegung“. Denn du tanzt so wie du denkst, bewusst oder unbewusst…
Noch ein Mitbringsel aus dem letzten Artikel.

Man sagt oft, dass die guten Anführer und Leader im Leben zuerst mal fähig sind (oder sein müssen), sich selbst zu führen und ihr eigenes Leben und Tun unter Kontrolle zu bekommen, bevor sie andere führen sollen.
Klingt ja nur plausibel.

Im Social Dance ist es viel öfter so als die Leader es glauben wollen, dass wir Leader tatsächlich „nur“ unseren eigenen Körper in die richtige Richtung bewegen sollen und die Follower würden uns viel schneller und aktiver folgen. Die andere Alternative wäre der Klassiker – er führt (zieht, drückt, schiebt) ihren Körper mit geballter Kraft seiner Arme… Schade…

Die Follower sind aktiv, sie wollen sich ja bewegen! Selber! Das heisst, dass wir die meiste Zeit keine Energie für ihre Bewegung aufbringen sollen, sondern oft nur für die Richtung und auch die Art ihrer Bewegung steuern dürfen(Beschleunigen, Bremsen, usw.). Aber die Bewegung selbst ist meist von den Ladies schon da.

Dieses Mindset hilft enorm, dass sich die Ladies befreit fühlen und gibt ihnen das Gefühl, dass sie den Tanz ein wenig mitgestalten können, anstatt nur von A nach B geschoben zu werden.

Fazit

Setzen die Leader diese fünf Punkte um, werden die Follower sehr glücklich, egal wie fortgeschritten sie sind. Damit haben die Ladies eine gute Plattform, auf der sie ihr Tanzen, Styling und eventuelle Musikinterpretationen aufbauen können. Dadurch bekommen wir eine extrem solide Basis, die für viel Freude auf der Tanzfläche sorgt.
Und dies kannst du spielerisch erreichen, selbst wenn du auch nur 4 oder 5 Figuren oder Elemente führen kannst. Versprochen!

Leicht gesagt, ich weiß.
Um diese Tipps umzusetzen, müsstest du dein bisheriges Tanzen wahrscheinlich umprogrammieren. Mit bewusstem Training!
Ich hätte eine kleine Challenge für dich.
Wenn du das nächste Mal mit deiner Partnerin tanzen solltest, versuche bitte ein ganzes Lied lang nur 4-5 Elemente oder Figuren die ganze Zeit abwechselnd zu tanzen. Dabei probierst du ein paar der 5 Tipps aus diesem Artikel anzuwenden. Es müssen natürlich nicht sofort alle sein. Du musst dich wahrscheinlich Anfangs auf eines oder zwei fokussieren, um die Umprogrammierung erfolgreich gestalten können. 😉
Das Ziel wäre natürlich, schlussendlich fähig zu werden, alles umzusetzen. Viel Spaß! 😉

Diese Tipps wurden natürlich mit Conny besprochen und sie behauptet, sie wäre super happy, würden alle Leader (Anfänger oder nicht) mit ihr nur die einfachsten Elemente das ganze Lied lang tanzen aber mit dieser Strategie im Vordergrund. Und ich glaube, das würde nicht nur Conny happy machen, sondern ein paar andere auch, hehe.

Darum geht´s auch im Social Dance – Freude in anderen zu erzeugen. 😉

Lead yourself and then the Follower,

Dance And Make A Difference