Dieser Artikel ist vor allem den Followern gewidmet. Es schadet aber absolut nicht, wenn es auch die Leader lesen. 😉 Im letzten Artikel habe ich nämlich die Tools für die Leader beschrieben. Es ist wichtig, die Herausforderungen von beiden Rollen zu kennen, um einander besser zu verstehen.  😉

Oft wurde ich schon von den Ladies ausgefragt, was sie machen können, um sicherer zu wirken, wenn sie mit erfahrenen Partner tanzen. Denn oft entstehen  ins solchen Situationen viel Druck und Verunsicherung.
Der oder die Unerfahrene  wird entweder unruhig, peinlich berührt oder verunsichert. Natürlich möchte man alles Moves schaffen.
Und obwohl jeder ein wenig anders mit dem Thema umgeht, können wir doch Gemeinsamkeiten in diesen Situationen erkennen, die durch die folgenden 5 Tools gemeistert werden können!

Ein paar von den Hinweisen werden dir eventuell trivial erscheinen. Ich kann dir aber aus Erfahrung versichern, dass im Kontext des Tanzens und aller womöglich auftretenden Emotionen, die in solcher Konstellation entstehen, diese Tools ihren Raum und Fokus brauchen, um automatisiert zu werden. Die größte Gefahr für dein Tanzen entsteht, wenn du diese Tipps nicht ernst nimmst und dich auf das offensichtliche konzentrierst – auf die Moves.

Also, los gehts…

Eine Sache ist hier allen anderen meilenweit voraus:

1. Timing is the King

Die Ladies haben in der Regel ein „besseres Ohr“ für die Musik und das Timing als die Jungs. Das hängt auch damit zusammen, dass die Leader damit beschäftigt sind, die Moves zu generieren, Raum zu überblicken, die Führung zu übernehmen, usw. Dadurch haben die Leader ganz einfach weniger Ressourcen für das Timing.
Die Ladies haben hier die gleiche Verantwortung für das korrekte Timing, wie die Herren.

Ein korrektes Timing darf nicht geführt werden müssen!

Jetzt denken sich sicher viele Ladies: „Ich beherrsche doch immer mein Timing!“

Nur so viel dazu: Timing ist nicht gleich Timing!
Was heisst das schon wieder?

Das heisst, dass die fortgeschrittenen Leader meistens viel raffiniertere Moves führen, die ein ganz anderes Level von Timingverständnis voraussetzen, als wenn man die Basic Version von den gleichen Moves tanzt.

Sehr fortgeschrittene Leader haben das Timing in ihrem Bauch und mit ihren Füssen machen sie oft verschiedenste Synkopationen, die einen unerfahrenen Follower bewusst oder unbewusst ablenken und verwirren können. Es ist ganz etwas anderes, wenn man das Timing die ganze Zeit mit den passenden Schritten vertanzt, wie das der Fall mit nicht sehr fortgeschrittenen TänzerInnen ist. Da wird das Gefühl von Timing viel offensichtlicher.
Je fortgeschrittener die TänzerInnen, desto synkopierter und kreativer ihr Footwork. Klar. Damit auch herausfordernder für die Follower, die sich eventuell auf das klare Basic-Footwork des Leaders  in ihrem Tanzen stützen.

Es ist echt interessant, wie oft ich beim Tanzen feststellen muss, dass auch erfahrenere Ladies ihr Timing nicht ganz erwischen, von denen ich das nie erwarten würde.

Die Leader gehen davon aus (und hoffen), dass die Follower das Timing beherrschen.
Eine Tatsache.

Der nächste Punkt hat schon auch damit zu tun…

2. „Ich tanze nur das, was du führst“

Diesen Spruch habe ich schon sehr oft gehört und verdient eigentlich einen eigenen Artikel.
Meiner Meinung nach, macht man es sich zu einfach, wenn man das so sagt.

Das impliziert, dass die Follower nur folgen und nicht aktiv in der Umsetzung der Moves sein sollen. Das ist ja auch einer der grössten Unterschiede zwischen der Fortgeschrittenen und Beginner-Damen – die Aktivität und Eigeninitiative beim Tanzen.

Sie helfen dem Leader, in dem sie ihren eigenen Körper selber tragen und bewegen und warten nicht darauf, bewegt zu werden. Sie bewegen sich selbst!
Dieser zweite Tipp hat also mehr mit der Einstellung zu tun, als mit eigentlicher Technik. Der nächste Tipp hilft aber dabei, es in die Praxis umzusetzen…

3. Der Körper folgt dem Arm

Die Follower tun sich und ihrem Partner den grössten Gefallen, in dem sie die Connection innerhalb des eigenen Körper herstellen.

Hier noch einmal der Link zu diesem Video, in dem Conny und ich die Übungen dazu zeigen.
Kurzum, wir wollen unsere Schulter nach hinten unten rollen, die seitlichen Rückenmuskeln anspannen und gleichzeitig die Unterarme möglichst entspannen. Damit werden die Signale des Leaders direkt mit dem Oberkörper des Followers verbunden.

Das hilft dem oberen Punkt, bei dem wir über die Aktivität der Followers gesprochen haben. Mit diesem Tipp ist diese Aktivität sehr viel mehr mobilisiert.
„Aktivität mobilisiert“…? interessante Begriffe gibt es hier in diesem Blog… 😂

4. Auf den Oberkörper des Leaders achten

Sein Oberkörper ist sein „ehrlichster“ Körperteil. Dieser verrät nämlich immer, was der Leader machen wird. Alle anderen Körperteile (Arme, Hände, Füße und Kopf) zusammen können sich nicht so sehr auf die Führung auswirken als die Bewegung seines Oberkörpers. Diese ist einfach lesbar.
Der Oberkörper des Leaders agiert wie ein Navigationsdisplay. So weiß der Follower immer, wo die Bewegungsintention des Leaders gerade ist…

Die besten Follower achten extrem auf die Oberkörper ihrer Leader und können dadurch sehr viel über die Richtung und die Art des nächsten Moves erfahren. Damit können sie wiederum ihr Styling dementsprechend einsetzen oder einfach viel proaktiver in ihrem Tanzen sein.
Für den Leader fühlt sich das so an, als wären seine Signale verstärkt, wie mit einer Audio Endstufe. Er muss nicht jede Bewegung und die Energie dafür generieren, sondern oft nur für die richtige Richtung der Bewegung sorgen. Sie macht den Rest…
In einer idealen Welt… 😉

5. Die Füße unterm Körper halten

Und wie soll man dann die Schritte machen?

Easy – in dem man den Körper bewegt!
Ach, ja… natürlich! Wie im „normalen Leben“ eigentlich…

Eben…

Egal in welchem Tanz sollten die Follower (und Leader) darauf achten, dass ihre Füße nicht willkürlich dem Oberkörper „entweichen“ und sich selbstständig machen… Dies sorgt für ein Chaos in der Partner-Connection. Wir sind dadurch „all over the place“.

Anders gesagt,


die Schritte passieren, weil wir den Oberkörper bewegen, nicht umgekehrt.

Ich sage aber nicht, dass die Füsse immer und die ganze Zeit in jedem Tanz unterm Körper bleiben müssen. Zum Beispiel will man oft einen Schritt im Langsamen Walzer, Tango oder sogar West Coast Swing in eine Richtung projizieren. Aber der Ursprung dieser Bewegung ist immer im Brustbein. Der Fuß geht nicht von alleine, ohne den „Befehl“ von oben bekommen zu haben. 😉

Fazit

Diese 5 Tipps sind so was von essentiell, um eine gute Figur auf der Tanzfläche abzugeben, egal mit welchem Partner. Setzt du diese um, lässt du deinen Partner und dich viel besser ausschauen und der Tanz fühlt sich garantiert sicherererer und angenehmerererer an. 😉

Die Reihenfolge, in der ich die Tipps angeordnet habe war nicht willkürlich. Das Timing und die Aktivität im eigenen Körper sind die wichtigsten Säulen. Das ist der Motor und auch der Sprit für die eigentliche Bewegung. Die letzten zwei Tipps entsprechen dann eher der Lenkung und der Traktion. Aber ohne Motor und Sprit lenken wir nur an der Stelle. 😉

Nütze diese Tipps nächstes Mal beim Tanzen als eine kleine Checkliste. Dein Partner wird dir seeeeeehr danken… und dich nächstes Mal wieder sehr gern zum Tanzen holen… 😉

Check the list,

Dance And Make A Difference