Eines vorweg – Fehler, die wir im Tanzen machen, zeigen uns nur Einschränkungen, die wir in diesem spezifischen Moment haben. Sie sagen nichts Negatives oder Urteilendes über unser allgemeines Potential bzw. die Fähigkeit aus, uns zu verbessern! Diese Fehler zeigen vielmehr, wo eben unser Verbesserungspotential liegt und die Richtung, in die wir hinarbeiten sollten. Ich finde es sehr positiv, wenn man weiß, in welche Richtung man sich bewegen könnte, oder? Fehler, die wir machen, sollten uns eher stimulieren, weiter zu machen statt aufzuhören.

Wer will sich nicht verbessern? Eh nur alle und ihre Nachbarn! Fehler, die wir am Weg dorthin machen, helfen uns dabei mehrm als wir vielleicht glauben.

Mit dieser Einstellung im Hinterkopf können wir jetzt positiv und ohne Angst diesen Fehlern ins Auge blicken, oder?

Na dann los!

 

1. Angst, beim Tanzen Fehler zu machen

Das ist wahrscheinlich so alt wie der Tanz selbst. Wer mag schon Fehler machen? Nur niemand! Aber der Social Dance ist auf dem Grundsatz aufgebaut, dass es nicht perfekt sein muss. Das ist das Fundament der ganzen Konstruktion. Es ist nicht die Frage, OB man Fehler im Tanzen macht, sondern WIE man damit umgeht. Ich verrate dir jetzt etwas, aber ich bitte dich das nur für dich zu behalten:

Ich mache in jedem einzelnen Tanz Fehler! Egal, wie gut meine Partnerin tanzt! Sie sind immer da! Große oder kleine.

Aber jetzt kommt noch ein Geheimnis und das musst du wirklich für dich behalten:

Conny macht auch Fehler in jedem Tanz, den sie tanzt!

Wehe, du sagst ihr, dass ich das öffentlich geschrieben habe!!!

Und weisst du was? Trotzdem haben wir beide soooooo vieeeeeel Freude am Tanzen.
Weil diese kleine Fehler nie das Bedürfnis überschatten können, sich mit einem anderen Menschen in Harmonie bewegen zu wollen. Diese kleinen Tanzfehler sind ein Bestandteil des Social Dance. Wir rechnen sogar mit ihnen. Also, ist es OK, sie zu machen. Man müsste somit keine Angst mehr davor haben. Denn wir tun es alle. Egal wie gut jemand tanzen kann. Punkt!

 

2. Zu wenig Aufmerksamkeit

Das ist ein Biggie! Und ich habe schon früher darüber geschrieben. Das tue ich auch immer wieder. Weil das ein immer wieder kehrendes Thema im Social Dance ist. Ohne Aufmerksamkeit unserem Gegenüber zerfällt die ganze Welt. Ok, das ist vielleicht etwas dramatisch ausgedrückt, aber so wichtig das Thema für uns ist, so schwierig ist es natürlich auch, es umzusetzen. Das ist uns schon sehr bewusst. Im Tanzen ist man natürlich auf vielen verschiedenen Ebenen gefordert und man kann nicht immer Ressource für den anderen auch noch aufbringen. Immer vielleicht nicht… Aber immer wieder. Und so oft es geht. 😉
Das sollte eigentlich der erste Punkt sein. So wichtig sehen wir dieses Thema und das nicht nur im Tanzen!

 

3. Hygiene und gepflegtes Äußeres

Tja! Das ist natürlich ein empfindlicher Punkt, bei dem sich leider zu wenige angesprochen fühlen. Ist leider so. Und ich spreche nicht davon, dass man voll aufgestylt wie ein Model vom Laufsteg daher kommen muss. Ich spreche von einfachen Dingen: geduscht sein, frische Klamotten tragen, Mundgeruch vermeiden, keine „problematischen“ Sachen vor dem Tanzen essen, Deo benützen, gar Parfum. Normale Sachen halt.
Vielleicht kommt man im normalen Alltag hin und wieder ohne diese Dinge aus, aber beim Tanzen multiplizieren sich diese „Problemsituationen“ ums Vielfache. Weil wir uns viel dabei bewegen. Weil wir anderen Menschen so nahe wie nur sehr selten kommen.
Also sollten wir darauf mehr schauen, damit wir und unsere Umgebung ein angenehmeres Dasein haben. 😉

 

4. Die Struktur vernachlässigen

Vor allem die Tanzherren sind schuldig in diesem Punkt. Zu oft glauben wir, dass wir mit den Basics unsere Damen nur langweilen. Männer sind oft der Überzeugung, dass sie die Frauen nur mit komplexen und raffinierten Figuren und Bewegungen beeindrucken. Das wird mir in Privatstunden und im Gespräch mit unseren TänzerInnen immer wieder bestätigt. Denken wir kurz gemeinsam nach… Würdest du dir wünschen, pausenlos in verschiedenste Richtungen, von denen du nicht einmal gewusst hast, dass es sie gibt, gewirbelt werden? Wahrscheinlich nicht… Zumindest nicht die ganze Zeit. Wir alle brauchen immer wieder eine Entspannungsphase im Tanzen und die wird durch das Tanzen der Basic Elemente geliefert. Das ist essentiell für einen harmonischen Ablauf in jedem Social Dance. Durch das Tanzen der Basic Elemente haben wir eine bessere Chance, unsere körperlichen und kognitiven Ressourcen gut „aufzuteilen“. Die Connection im Paar freut sich darüber. 😀

5. Die Sache zu ernst nehmen

Ja, das können wir Menschen gut – etwas Lustiges so ernst nehmen und mit unserem Ehrgeiz überschütten, dass es gar nicht mehr lustig ist. Ich nehme den Tanz und alles drumherum schon sehr ernst… Bis auf die Zeit, in der ich wirklich tanze. 😀 Komm schon, entspanne dich ein wenig und geniesse die Zeit beim Tanzen. Es gibt Zeit, wo man lernt und Zeit, wo man mit dem bereits Gelernten Spaß hat.
Gehe einfach davon aus, dass du Fehler machen wirst. Es ist nur eine Frage der Zeit. Na und? Der grösste Fehler wäre aber, wegen der Fehler, die man macht, sich das Leben super schwer zu machen und das Ganze akribisch und wie besessen  bis zur Unkenntlichkeit zu trainieren. Konzentrieren wir uns viel lieber auf die Sachen, die im Tanzen funktionieren und versuchen aus den Fehlern zu lernen und sie zumindest nicht zu wiederholen. Ich weiß, es ist zu leicht einfach so hingeschrieben.
Aber irgendwo muss man doch ansetzen. 😉

6. Zu schnell den Tanz beginnen

Das ist wieder einmal an die Leader gerichtet. Die armen Leader schon wieder. 😃 Jedenfalls glauben zu viele Tanzmänner, sie müssten sich am Beginn von einem Tanz möglichst schnell losbewegen. In diesem Beginn von einem Social Dance liegt ganz viel Harmoniepotential. Man sollte sich IMMER ein paar Takte mehr Zeit lassen, um den Rhythmus der Musik zu definieren, als die meisten vielleicht glauben.
Die Damen mögen es einfach nicht, sich dauernd ausserhalb des Rhythmus zu bewegen. Manche empfinden es sogar wie eine Qual. Ich mache immer wieder ein kleines Experiment in meinen Kursen. Ich lasse alle stehen, nicht tanzen und bitte sie, die 1 bei laufender Musik zu finden und mitzuklatschen. Dann sage ich ihnen, sie sollen sich so viel Zeit nehmen, wie sie brauchen. Erfolgsquote: ca. 95%! Die gleiche Gruppe schafft im regulären Tanzen höchstens zu 50-60% im richtigen Rhythmus zu tanzen.
Vieles rührt daher, dass man sich am Anfang von jedem Tanz zu wenig Zeit nimmt, um den Einstieg zu finden.
Diese Startzeit ist ganz etwas ganz Normales. Man braucht sich absolut nicht schämen, dass man sich diese Zeit am Anfang nimmt. Das brauchen wir alle. Inklusive mir.

 

7. Zu wenig tanzen gehen

Eh klar, oder? Je weniger man tanzt, desto weniger wird man es beherrschen können und damit weniger Spaß dabei haben. Diese Weisheit könnte wieder von meinem Opa gekommen sein .😀 Aber es ist ein Fakt!
Unsere Empfehlung ist es, mindestens einmal die Woche frei tanzen zu gehen. Da zählt der Kursabend nicht dazu. Ich meine ein Tanzevent, wo man Social tanzen kann, idealer Weise auch mit anderen PartnerInnen. Das gibt dem Tanzkurs einen wirklichen Sinn! Weil man dann tatsächlich tanzen kann. Und weil man es kann, sollte man es auch tun. So oft wie möglich. Dann macht das ganze noch mehr Spaß! Ganz einfach. 😀

 

8. Aufhören zu lernen

Das ist natürlich etwas, wo kritische Zungen behaupten könnten, dass ich das deswegen schreibe, weil wir eine Tanzschule betreiben. Wir zwei lernen jeden Tag etwas Neues im Tanzen und das macht das Ganze jedes Mal aufs Neue noch spannender und lustiger. Abgesehen von der offensichtlichen Tatsache, dass man dadurch besser tanzt, werden durchs Lernen unsere Horizonte erweitert und unsere Persönlichkeit entwickelt sich dabei auch noch mit. Ich kenne viele TänzerInnen, die glauben, dass sie nicht mehr lernen brauchen/können.
Hmmm… Ich will nicht urteilen. Nur so viel: wenn man nichts Neues probiert und immer auf die gleiche alte Routine vertraut, ist das der kürzeste Weg zur Mittelmäßigkeit.
Es liegt an jedem von uns, welchen Weg wir gehen sollen.
Mit Lernen meine ich nicht unbedingt, dass man einen Tanzkurs gehen muss. Es reicht auch schon, dass man sich irgendwelche Youtube-Videos anschaut, um neue Inspiration zu bekommen. Irgendwas!
Man könnte zum Beispiel auch Tanzblogs lesen, hehe. 😉

 

9. Zu persönlich nehmen

Darüber habe ich unter Anderem in diesem Artikel geschrieben. Es geht darum, dass wir zu schnell ein ehrliches und konstruktives Feedback zu persönlich nehmen und unter Umständen beginnen, an uns zu zweifeln. Fehler! Ich erinnere dich noch einmal:

Fehler zeigen uns, wo uns Verbesserungspotential liegt!

Also, solange das Feedback (egal von wem es kommt) konstruktiv und respektvoll transportiert wurde, sollte es keinen Grund geben, daran zu verzweifeln.
Mach´ das Problem zum Problem. Nicht den Mensch zum Problem!
Man tanze… äähhh… denke darüber nach und analysiere, ob das vielleicht tatsächlich stimmen könnte. Ob man es dann umsetzt, ist immer noch unsere Entscheidung. Aber gelegentliche konstruktive Kritik sollte kein Grund sein,  unsere ganze Persönlichkeit bis aufs Äusserste zu hinterfragen. Das Gleiche gilt für die „Korbsituationen“. Es gibt meistens ganz andere Gründe, warum wir einen Korb bekommen haben, als wir uns in dem Moment denken. Meistens ist es tatsächlich viel weniger dramatisch, als wir uns das vorstellen. 😉

 

10. Nicht aus Fehlern lernen

Das habe ich mir fürs Ende aufbewahrt. Ja, wir alle machen viele Tanzfehler. Aber sehr gute TänzerInnen versuchen, sie nicht zu wiederholen. Zumindest nicht in demselben Tanz. Sie lernen sehr schnell aus den Fehlern, die sie gemacht haben, wiederholen sie nicht und deswegen werden sie auch als gute und angenehme TänzerInnen empfunden. Da spielen viele menschliche Eigenschaften mit. Aufmerksamkeit zum Beispiel. Ja, schon wieder. Einsicht. Selbstreflexion. Erfahrung. Tanzroutine.  Lernfähigkeit.  Beobachtungsgabe.

Menschen vergessen vielleicht, was du ihnen Schlimmes gesagt oder getan hast, aber sie vergessen nicht, wie sie sich dabei gefühlt haben.

Wenn wir immer wieder denselben Fehler in einem Tanz machen, erwecken wir bei unserem Gegenüber ein Gefühl der Ignoranz. Wer mag schon ignorante Menschen?
Sich wie ein Objekt zu fühlen, weil der andere gar nicht merkt, wie er uns gerade behandelt. Ich will nicht dramatisieren. Ich will nur darauf aufmerksam machen, dass Tanzfehler in Ordnung sind, solange man sie auch selber merkt, einsieht und zumindest versucht zu vermeiden. Wir hinterlassen damit einen angenehmeren Eindruck in unserer (Tanz)Umgebung.

 

Da sind sie, die 10 Fehler, die wir alle irgendwann gemacht haben oder immer noch machen. Alles kein Grund zur Sorge. Denke an die Nr. 1 und die Nr.10. Das ist schon ein guter Beginn. Und wenn du schon dabei bist, denke an alle anderen auch gleich, haha!

Im Ernst…Ich hoffe, mit diesem Artikel ein wenig hilfreich gewesen zu sein und freue mich auf Hinweise und Erfahrungen, ob es noch irgendwelche Fehler im Tanzen gibt, die nennenswert sind.

Kommentiere & teile den Artikel, vor allem, wenn du das Gefühl hast, es könnte anderen helfen, wie sie mit ihren Fehlern etwas besser umgehen oder sie überhaupt realisieren. 😉
P.S. Tanze noch einmal über den Einsteinsspruch im Blogbild nach 😀

 

Dance & Make A Difference

 

P.S. Etwas Lustiges und absolut nicht hilfreich… Unser Onkel Peter pflegt zu sagen: „Junge, mach´ alles, mach´ nur  keine Fehler“! 😀